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Die aussichtslose Wohnungssuche: Anerkannte Flüchtlinge haben auf dem Wohnungsmarkt kaum eine Chance.

1500 "Fehlbeleger" in Oberbayern

Landkreistags-Chef Bernreiter: "Der Druck auf Berlin wird steigen"

München - Die Aktion des Landshuter Landrats Peter Dreier ist von vielen Politikern parteiübergreifend scharf kritisiert worden – doch das Problem, auf das er aufmerksam machen wollte, beschäftigt die Kommunalpolitiker überall, nicht nur im Landkreis Landshut.

Bayernweit waren zu Beginn des Jahres in dezentralen Unterkünften und Flüchtlingsheimen rund 95 700 Flüchtlinge untergebracht – 7200 davon sind sogenannte Fehlbeleger. Das sind Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis, die ausziehen dürften, aber keine Wohnung finden. Sie dürfen in ihren Unterkünften bleiben, weil sie sonst obdachlos werden würden – aber sie belegen Plätze, die dringend für neue Flüchtlinge gebraucht würden.

Allein in den oberbayerischen Landkreisen leben 1500 Fehlbeleger in Asylunterkünften. Die Zahlen steigen kontinuierlich. Besonders in den Städten gibt es kaum noch Wohnraum, berichtet Thomas Duschinger, der die Wohnungslosenhilfe für München und Oberbayern koordiniert. Der Wohnungsmarkt ist bereits angespannt – aber die Situation spitzt sich immer stärker zu. Für die Flüchtlinge gibt es kaum Chancen, betont er. „Die meisten Wohnungen sind für sie nicht bezahlbar.“

„Das ist ein Problem, auf das wir seit Monaten hinweisen“, betont Christian Bernreiter (CSU), Präsident des Bayerischen Landkreistages und Landrat von Deggendorf. „Mich erreichen deshalb Hilferufe aus ganz Bayern“, sagt er. Er spreche das Thema jedes Mal an, wenn er mit den anderen Vertretern Kommunaler Spitzenverbände im Kanzleramt empfangen wird. Auch Ulrich Maly (SPD), der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, hatte immer wieder kritisiert, dass die bereitgestellten Fördermittel für Mietwohnungen – 2,6 Milliarden Euro – bei weitem nicht ausreichen.

„Der Schlüssel für dieses Problem liegt in Berlin“, sagt Bernreiter. „Die Flüchtlingszahlen müssen drastisch reduziert werden.“ Viele bayerische Landräte und Bürgermeister haben sich hinter Dreier gestellt und ihm für seine Protest-Aktion gedankt. Bernreiter will nicht ausschließen, dass ähnliche „Verzweiflungstaten“ folgen könnten. „Der Druck auf Berlin wird sicher steigen.“

Katrin Woitsch

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