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Speziell ausgebildete Hunde sollen versuchen, die Täter hinter den Giftköder-Attacken aufzuspüren.

Giftköder-Attacken häufen sich

Jagd auf die Hundehasser

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Hundebesitzer in Otterfing sind in großer Sorge um ihre Tiere. Drei Hunde wurden innerhalb weniger Tage mit Ködern vergiftet, ein Tier starb daran. Auch in anderen Landkreisen häufen sich die Giftköder-Attacken. Nun hofft die Polizei, dass speziell ausgebildete Hunde die Täter aufspüren können.

Otterfing– Sie hatte keine Chance. Die 44-jährige Otterfingerin ließ ihre Hündin nicht von der Leine beim Gassigehen. Eine Vorsichtsmaßnahme, damit sie nichts fressen kann, was offen rumliegt. Doch so schnell, wie der Vierbeiner den verlockenden Wursthappen am Wegrand im Maul hatte, konnte sie gar nicht schauen. Als sie neben der aufgeschnittenen Wurst rötliche Körner entdeckte, fuhr sie mit ihrem Liebling sofort zur Tierärztin. Die Hündin bekam ein Brechmittel. Kurz darauf stand fest, was die 44-Jährige bereits befürchtet hatte: Es handelte sich um einen Giftköder. Der dritte Fall innerhalb weniger Tage in Otterfing (Kreis Miesbach). Für einen anderen Hund kam die Hilfe nicht mehr rechtzeitig.

Tierhasser gibt es überall in Bayern. Doch die Zahl der Giftköder-Attacken ist besonders im vergangenen Jahr extrem gestiegen, berichtet Andreas Brucker vom bayerischen Tierschutzbund. Die Meldungen kommen von überall: Im Landkreis München verendete vor einigen Monaten qualvoll ein kleiner Terrier. Im Kreis Starnberg wurden zwei angeleinte Hunde mit Essig übergossen und schwer verletzt, im Landkreis Erding wurden Hunde durch Glasscherben verletzt, die in einer Wiese versteckt waren, auf der Hundebesitzer ihre Tiere oft frei laufen lassen. In Unterammergau hat vor wenigen Wochen eine Hündin nur knapp überlebt, nachdem sie einen Giftköder gefressen hatte. Weil auch ihre Besitzerin sofort mit ihr zum Tierarzt fuhr.

Warum sich die Attacken häufen, kann auch Tierschützer Andreas Brucker nicht sagen. „Manchmal kommt der Hass durch zurückgelassene Hundehaufen auf, manchmal weil sich Tiere falsch verhalten haben.“ Darauf mit Giftködern zu reagieren, sei widerwärtig und krank, schimpft er. Auch deshalb, weil das Gift, das meist in Wurst versteckt wird, nicht nur von Hunden gefressen werden könnte. „Das kann alle aasfressenden Tiere treffen – auch Igel, Füchse oder Raben. Und im schlimmsten Fall sogar kleine Kinder.“

Tödlicher Snack: Die Giftkörner sind meist in Würsten versteckt.

Für Hundehalter gibt es kaum eine Chance, ihre Tiere vor Giftködern zu schützen, erklärt er. Selbst wenn sie angeleint sind. „Gerade im Dunkeln ist oft viel zu spät zu erkennen, was am Straßenrand liegt.“ Allerdings könne man Hunde speziell darauf trainieren, nichts vom Boden zu fressen, betont er. Das sei die einzige Chance, um auf Nummer sicher zu gehen.

Die Chancen, die Täter ausfindig zu machen, sind hingegen gering. „Präparierte Köder kann man ganz unauffällig im Laufen fallen lassen“, sagt Brucker. Selbst wenn jemand einen Verdächtigen beobachtet hätte, wäre es schwer, die Gift-Attacke nachzuweisen.

Trotzdem will die Polizei nichts unversucht lassen. In Otterfing sollen in den kommenden Tagen sogenannte „Mantrailer“-Teams nach den Tätern suchen. Dabei handelt es sich um speziell ausgebildete Hunde von Privatpersonen. „Hunde haben bis zu 220 Millionen Riechzellen“, erklärt Hundetrainerin Isabel Boergen. Sie können sogar auch nach Tagen und trotz Regen und Schnee noch Körperzellen riechen, die jeder Mensch ganz automatisch verliert. Sie befinden sich in der Luft und sinken langsam zu Boden. Für gewöhnlich nehmen die Hunde durch ein Kleidungsstück den Geruch eines Menschen auf und verfolgen die Spur, erklärt Boergen. Funktionieren könnte das auch, wenn sie an einem Glas schnüffeln, in dem die Polizei die Reste des Giftköders aufbewahrt. Doch selbst dann müssten die Ermittler einem Verdächtigen erst mal nachweisen, dass er die Köder ausgelegt hat. Deshalb hofft die Polizei noch immer auf Hinweise aus der Bevölkerung. Unterstützung bekommt sie auch von Tierschutzorganisationen. Sie haben zusammen eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt für Hinweise, die dabei helfen, den Hundehasser zu fassen.

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