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Streift immer häufiger durch Bayern: Zuletzt wurde im Landkreis Traunstein ein Wolf nachgewiesen. Mit einem neuen Aktionsplan will die Staatsregierung den Spagat zwischen Artenschutz und Weidewirtschaft meistern.

Aktionsplan verabschiedet

Zahl der großen Beutegreifer steigt: Bayerns neues Wolfs-Handbuch

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Nach monatelangem Ringen ist er nun endlich da: Der „Aktionsplan Wolf“ der Staatsregierung. Darin wird unter anderem geregelt, wann der Wolf geschossen werden darf. Doch weder Tierhalter noch Naturschützer sind glücklich mit dem Papier.

München – Wie umgehen mit Wolfsrudeln in Bayern? Diese Frage stellt sich spätestens, seit im Juli 2017 im Bayerischen Wald drei Wolfsjungtiere in eine Fotofalle tappten – und damit den ersten Wolfsnachwuchs in Bayern seit der Rückkehr des großen Beutegreifers dokumentierten. Jetzt, 20 Monate und unzählige Gespräche zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium später, liegt der sogenannte „Aktionsplan Wolf“ der Staatsregierung vor. Das Papier soll die Grundlage bilden für ein Wolfsmanagement im Freistaat. Oder wie Umweltminister Thorsten Glauber (FW) gestern sagte: „Der Plan soll dazu beitragen, Beeinträchtigungen für alle Betroffenen zu minimieren.“

Auf 62 Seiten wird in dem Plan beschrieben, wie mit der steigenden Zahl von Wölfen in Bayern umgegangen werden soll. So wird das Landesamt für Umwelt künftig sogenannte Wolfsgebiete definieren, wenn sich dort einzelne Tiere oder Paare dauerhaft aufhalten. In diesen Gebieten müssen die Halter ihre Tiere beispielsweise mit Elektrozäunen (mindestens 90 Zentimeter hoch) oder Herdenschutzhunden schützen, sonst bekommen sie nach einem Wolfsriss keine Entschädigung. Zudem wird eine Weideschutzkommission Gebiete festlegen, in denen dieser Schutz nicht praktikabel ist. Zum Beispiel auf besonders steilen Almflächen oder felsigem Untergrund. Dort können die Tierhalter auch ohne Zaun und Hund entschädigt werden, wenn der Wolf zuschlägt. Außerdem darf ein Wolf geschossen werden, wenn er Nutztiere in diesen nicht schützbaren Weidegebieten mit Wiederholungsgefahr tötet, verletzt oder gefährdet. „Wir schöpfen die gegebenen rechtlichen Möglichkeiten aus“, sagt Glauber dazu.

„Im Klartext sind das doch wolfsfreie Zonen“

Auch deshalb ist der Plan so umstritten. Naturschützer kritisieren vor allem den ihrer Ansicht nach einseitigen Fokus auf den Abschuss statt auf den Herdenschutz in dem neuen Papier. „Wir laufen Gefahr, dass die Wolfsabschüsse die Regel statt die Ausnahme werden“, sagt Richard Mergner vom Bund Naturschutz. Auch beim Landesbund für Vogelschutz ist man der Ansicht, dass eine Bedrohung von Nutztieren noch keinen Abschuss rechtfertige. Peter Blanché, Vorsitzender der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe, stört vor allem die Festlegung auf nicht schützbare Weidegebiete. „Im Klartext sind das doch wolfsfreie Zonen“, fürchtet er. Der pensionierte Tierarzt schließt eine Klage nicht aus, sollte in so einer Region der erste Abschuss genehmigt werden. „Und ich bin sicher, dass wir nicht die Einzigen wären, die das juristisch prüfen lassen.“ Insgesamt biete der Aktionsplan keine praktikablen Lösungen für ein Zusammenleben von Mensch, Nutztier und Wolf.

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Zumindest dem letzten Punkt würde wohl auch Oberbayerns Almbauernchef Georg Mair zustimmen – wenn auch aus anderer Perspektive. Denn für ihn hat der Wolf in den Weidegebieten der Alpen keinen Platz. „Wenn wir jetzt massenhaft Zäune aufstellen, durchschneiden wir die Lebensräume anderer Tiere in den Alpen. Und das Problem mit dem Wolf verlagern wir nur auf andere Gebiete.“ Auch Joseph Grasegger vom Landesverband der Bayerischen Schafhalter ist skeptisch. Es sei zwar gut, dass nun endlich feststehe, wie die Prävention auszusehen habe. „Aber ein Abschuss wird sich auf lange Sicht nicht vermeiden lassen“ – und bis dann aus allen Instanzen eine Genehmigung vorliege, sei es häufig schon viel zu spät. Noch deutlicher wird der Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbands, Stefan Köhler: „Die seit Jahren von der Land- und Forstwirtschaft eingebrachten Anliegen werden ignoriert oder mit weichgespülten, unwirksamen Formulierungen abgehandelt.“

Umweltminister Glauber kündigte im Zuge der Veröffentlichung des Aktionsplans auch ein Förderprogramm an. Damit sollen Tierhalter beim Herdenschutz finanziell unterstützt werden. Über die Inhalte und den Zeitpunkt dieses Förderprogramms konnte das Umweltministerium gestern noch keine Angaben machen. Bis die Unterstützung anläuft, sollen Tierhalter weiter über einen bereits bestehenden Präventionsfonds unterstützt werden. In die neue Weidesaison müssen sie wohl noch ohne das Programm starten.

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