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Zahl der Grundschüler in Bayern steigt immens - jetzt werden sogar Lehrer örtlich abgeordnet

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Von: Dirk Walter

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Erstklässler bei der Einschulung: Die Zahl der Grundschüler wird in den nächsten Jahren stark zunehmen.
Erstklässler bei der Einschulung: Die Zahl der Grundschüler wird in den nächsten Jahren stark zunehmen. © Patrick Pleul/dpa

Andauernde Alarmmeldungen über Unterrichtsausfall haben den Kultusminister nervös gemacht. Das Problem könnte sich noch verschärfen. Denn die Zahl der Grundschüler wird in den nächsten Jahren stark zunehmen – und Lehrer sind schwer zu bekommen.

München – Erst raunte der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) über drohenden Unterrichtsausfall an den Grundschulen. Dann zog die SPD mit einer Landtags-Anfrage nach: 6,5 Millionen Unterrichtsstunden sind im Schuljahr 2016/17 ausgefallen, noch mal 300.000 Stunden mehr als im Jahr davor. Dabei sei es doch „das Brot- und Butter-Geschäft“ des Kultusministers, diese Zahl klein zu halten, sagt SPD-Bildungsexperte Martin Güll.

6,5 Millionen Stunden klingt viel. Doch die Zahl komme nur zustande, wenn man auch den Unterricht, den Vertretungen übernehmen, mit einrechne, erklärt Kultusminister Bernd Sibler (CSU). „Mich ärgert jede ausgefallene Stunde.“ Doch nur 1,6 Prozent des Unterrichts in Bayern falle ersatzlos aus, im Regelfall hingegen springe eine Vertretung ein. Sibler beschrieb auch den Idealfall: Wenn nämlich der Mathelehrer, der für einen Englischlehrer einspringe, planmäßig mit dem Stoff fortfahre. Das geschehe bisher nur selten, räumte Sibler ein.

74 verheiratete Junglehrer aus der Oberpfalz nach Oberbayern abgeordnet

Das Problem mit dem Stundenausfall könnte sich in den kommenden Jahren verschärfen – und zwar vor allem in den unteren Jahrgangsstufen. Schon heute ist der Markt für Grund- und Mittelschullehrer leer gefegt. In der Not hat das Ministerium sogar 74 verheiratete Junglehrer aus der Oberpfalz nach Oberbayern abgeordnet – was unüblich ist und vor Ort nach einem Bericht des „Straubinger Tagblatts“ auf Empörung stößt. Und trotzdem ist das Problem in Oberbayern akut. „Der Lehrer-Mangel ist unser wunder Punkt“, warnt erst diese Woche ein Rektor im Landkreis Miesbach bei einem Pressegespräch des örtlichen BLLV, zu dem auch Ilse Aigner (CSU) kam. Auch die Ministerin für Bau und Verkehr weiß: Das Thema Schule kann Wahlen entscheiden.

Auch das erklärt, warum in Bayern bis zu einem Notenschnitt von 3,5 jeder, auch der mäßig begabte Grundschul-Junglehrer, eine Stellengarantie erhält. Jeder Lehrer, jede Lehrerin ist wichtig, denn die Schülerzahlen steigen jetzt schon stark an. Das zeigt die neue Schüler- und Absolventenprognose des Ministeriums, auf die Sibler gestern hinwies. Im Schuljahr 2018/19 ist mit fast 439.000 Grundschülern zu rechnen – 3500 mehr als noch im Vorjahr. Und im übernächsten Schuljahr 2019/20 macht die Schülerzahl einen regelrechten Sprung – sie soll bayernweit um 6500 noch oben schnellen.

Bis 2026/27 wird mit 50.000 Grundschüler mehr gerechnet

Jeder Junglehrer dürfte in den nächsten acht bis zehn Jahren dringend gebraucht werden, denn bis zum Schuljahr 2026/27 wird in jedem Jahr ein Anstieg der Grundschülerzahl prognostiziert. Von jetzt an gerechnet werden es über 50.000 Grundschüler mehr sein.

Um dem Lehrermangel zu begegnen, steuert Sibler mit weiteren Maßnahmen gegen. Er wirbt für eine Umschulung der Gymnasiallehrer und er konnte erreichen, dass die Universitäten zum kommenden Wintersemester 700 neue Studienplätze für das Grundschul-Lehramt anbieten. Der Numerus Clausus, den es beim Lehramt gab, dürfte Vergangenheit sein. Sibler nennt das „vorausschauende Politik“. Ob das reicht, ist ungewiss.

Zumindest die Lehrer-Ausbildungsoffensive dürfte sich erst in fünf bis sechs Jahren auszahlen, wenn diejenigen, die jetzt ein Lehramts-Studium beginnen, fertig ausgebildet sind.

von Dirk Walter

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