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Eine Hauptschülerinander Tafel. Immer weniger Kinder besuchen in Bayern diese Schulart.

Zahl der Hauptschüler sinkt eklatant

Eine neue Schülerprognose des Kultusministeriums sorgt für Wirbel: Die Zahl der Hauptschüler soll demnach in den kommenden zehn Jahren um 25 Prozent zurückgehen.

Der Präsident des Volksschullehrerverbands BLLV, Klaus Wenzel , gilt als Kassandra seiner Zunft. Kein Wunder also, dass die neuen Zahlen ihn zu pessimistischen Feststellungen verleiten. Die von der CSU-Staatsregierung 2007 angestoßene Hauptschulinitiative, sagt Wenzel, werde „nicht mit der nötigen Verve durchgeführt“. Die Hauptschule, so man denn an dieser Schulart festhalten wolle, benötige eine „Perspektive für die nächsten zehn Jahre“. Er fordere eine „pragmatische Sachdiskussion“.

Tatsächlich will Kultusminister Ludwig Spaenle ( CSU ) die von seinem Vorgänger Siegfried Schneider ( CSU ) angestoßene Initiative „weiterentwickeln“, wie er unserer Zeitung sagt. Auch ihn haben die Zahlen aufgeschreckt: „Ein massiver Rückgang im zweistelligen Bereich, das war so nicht zu erwarten.“ Während in diesem Schuljahr noch 240 000 Schüler in Bayern die Hauptschule besuchen, sollen es in zehn Jahren nur noch 183 000 sein – ein Rückgang um fast ein Viertel. Auf knapp über 180 000 Schüler soll sich die Zahl in den Folgejahren einpendeln. Frühere Prognosen des Kultusministeriums waren nicht so pessimistisch.

Vor zwei Jahren hatten die Statistiker des Kultusministeriums angenommen, dass sich die Zahl der Hauptschüler bei rund 200 000 einpendeln werde. Einen Strich durch die Rechnung macht den Beamten jedoch ein geändertes Übertrittsverhalten der Schüler – sie streben stärker als früher auf Realschule und Gymnasium. Seit diesem Schuljahr erhält jeder Viertklässler ein Übertrittszeugnis – und hat damit schwarz auf weiß, ob er sich für das Gymnasium eignet. Das zeigt Wirkung. Allein im kommenden Schuljahr soll die Zahl der Hauptschüler um knapp 10 000 sinken – auf dann 230 800.

Die Realschule bleibt demgegenüber mit rund 235 700 Schülern stabil, das Gymnasium kann sogar leicht zulegen (auf 381 100 Schüler). Die Langzeit-Prognosen sind zwar auch hier rückläufig, jedoch bei weitem nicht so eklatant wie bei der Hauptschule. In zehn Jahren soll sich die Zahl der Realschüler bei knapp 200 000 einpendeln, die Zahl der Gymnasiasten wird nach Wegfall der letzten G 9-Schüler bei knapp 300 000 liegen.

Spaenle verteidigt die Hauptschule nach wie vor gegenüber Forderungen, sie mit der Realschule zu fusionieren. Die Schulart habe „Alleinstellungsmerkmale“ wie etwa eine starke Berufsorientierung, das Klassenlehrerprinzip mit einer pädagogischen Bezugsperson sowie die Wohnortnähe. Freilich werde es nicht möglich sein, alle der derzeit rund 900 Hauptschulen zu erhalten. Auf Zahlen legt sich Spaenle aber nicht fest – es gehe ihm darum, durch Verbünde kleinerer Schulen „möglichst viele Standorte möglichst lange“ zu erhalten.

BLLV-Chef Wenzel rechnet mit einem Rückgang auf 600 Schulen. Er kritisiert, dass das Kultusministerium bei einem Hauptschul-Kongress am 13. Juli in der Allianz-Arena „große Show“ offerieren werde, ohne Inhalte voranzubringen. „Viele Hauptschul-Lehrer werden dadurch eher verärgert.“

Von Dirk Walter

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