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Immer mehr Wohngruppen werden aufgelöst. Die Zahl junger unbegleiteter Flüchtlinge ging stark zurück.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Zahl junger Asylbewerber gesunken: Hilfs-Einrichtungen haben Probleme

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Seit 2015 sind viele Minderjährige allein nach Deutschland geflüchtet. Jugendhilfe-Einrichtungen haben damals Räume gemietet und Personal eingestellt. Seit Anfang des Jahres sind die Zahlen jedoch zurückgegangen. 

München – Im Herbst 2015 musste es schnell gehen. Damals waren pragmatische Lösungen gefragt. Jeden Tag kamen tausende Flüchtlinge in Bayern an – unter ihnen viele unbegleitete Jugendliche. Für sie sind die Jugendämter zuständig. Es gab weder genug geeignete Räume,noch Personal. Viele freie Träger wie die Diakonie Bayern haben damals sofort reagiert. „Allein 2016 haben wir in Bayern 1700 Plätze für unbegleitete Minderjährige geschaffen“, berichtet Diakonie-Fachvorstand Sandra Schuhmann. Und genau das bereitet den Einrichtungen nun Probleme.

Denn die Zahlen der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge – im Behördendeutsch „umF“ genannt – sind seit Jahresbeginn stark gesunken. Im Vergleich zu 2016 ging die Zahl ihrer Asylanträge bundesweit um 76 Prozent zurück, wie der Bundesfachverband berichtet. Die Einreisezahlen weichen davon etwas ab, da die Anträge teilweise verzögert gestellt werden. Doch auch bei der Betreuung ist der Rückgang deutlich zu bemerken – bundesweit um 17 Prozent. In Bayern wirkt sich das besonders stark aus, weil die aufgegriffenen Minderjährigen seit November 2016 auf das gesamte Bundesgebiet verteilt werden. Zuvor war der Anteil im Freistaat durch die Lage an der Grenze besonders hoch.

Das hat Folgen für die Jugendhilfe-Einrichtungen. Die Diakonie Bayern hat einen Rückgang von 25 Prozent bilanziert. 800 Plätze wurden bereits gestrichen, 320 Fachkräfte werden für die Jugendhilfe- Aufgaben nicht mehr benötigt – fast die Hälfte der Neueingestellten. „Teilweise konnten wir sie anders einsetzen“, berichtet Schuhmann. „Aber etliche Verträge mussten auch gekündigt werden.“ Ähnliches berichtet Andreas Hüner, stellvertretender Leiter einer Einrichtung der Inneren Mission in Feldkirchen (Kreis München). Zwei der sechs zwölfköpfigen umF-Gruppen wurden dort bereits aufgelöst, eine weitere besteht nur noch bis Anfang kommenden Jahres. Auch die Innere Mission hat versucht, den Rückgang mit Umstrukturierungen aufzufangen. Aber auch dort wurden zahlreiche Arbeitsverträge beendet.

Die Innere Mission kann den Mietvertrag für das Haus in Riemerling stockwerke-weise kündigen. Die Diakonie Bayern steht vor einem deutlich größeren Problem. „2015 mussten so schnell wie möglich Gebäude gefunden werden“, berichtet Frank Schuldenzucker, Fachreferent Kinder- und Jugendhilfe. „Viele dieser Mietverträge können wir erst nach Jahren wieder kündigen.“ Obwohl die Räume aktuell nicht mehr gebraucht werden. Dadurch macht die Diakonie einen großen Verlust.

Gehen die Zahlen bald wieder nach oben? „Keiner wagt aktuell eine Prognose“

Ohne Jugendliche werden die Kosten nicht erstattet. Ein Problem, vor dem derzeit viele Träger stehen. „Wir fordern in dieser Hinsicht mehr Unterstützung von der Politik“, sagt Schuhmann. Vor allem aber wünschen sich die Träger, stärker in die Planungen eingebunden zu werden. Neuankommende unbegleitete Minderjährige werden oft an Gemeinden verwiesen, die bisher nicht aktiv geworden sind und keine Strukturen aufgebaut haben. „Und wir können unsere Strukturen nicht mehr nutzen“, kritisiert sie. Auf diese Situation will die Diakonie Bayern heute auch auf der Messe ConSozial in Nürnberg aufmerksam machen.

Bauchschmerzen bereitet es den Jugendhilfe-Einrichtungen aber auch, dass sich die Zahlen schnell wieder nach oben ändern könnten. „Keiner wagt aktuell eine Prognose“, sagt Hüner von der Inneren Mission. Das betont auch der Bezirketags-Präsident Josef Mederer. „Schon übermorgen könnte die Situation wieder völlig anders sein.“ Mederer kämpft seit Langem für eine stärkere Beteiligung des Freistaats an den Jugendhilfekosten für unbegleitete Minderjährige. Und die hält er auch trotz der gesunkenen Zahlen für dringend nötig. „Der Rückgang kommt bei den Bezirken zeitversetzt an“, sagt er. Es dauere Monate, bis die Rechnungen der Jugendämter vorliegen. „Die Bezirke werden den Rückgang erst 2019 spüren“, sagt er. „Wir brauchen aber dringend eine vernünftige Finanzierung auf lange Sicht.“ Doch der Kampf dafür dürfte angesichts der aktuell gesunkenen Zahlen nun wohl noch schwerer werden.

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