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Kleine Flaschen, große Wirkung: Die Zahl der alkoholbedingten Klinikaufenthalte steigt immer weiter.

Erschreckende Statistik

Zahl der Vollräusche steigt drastisch

München - Weil sie zu viel Alkohol getrunken haben, müssen immer häufiger Menschen ins Krankenhaus. Noch schneller wächst sogar die Zahl derjenigen, die mit einem „akuten Rausch“ eingeliefert werden.

52 196. Das könnte die Einwohnerschaft einer ganzen Stadt sein. Oder eine Zahl von Fußballfans, die alle gemeinsam noch nicht einmal ins Stadion des 1. FC Nürnberg passen würden. Es ist aber die Anzahl der Menschen in Bayern, die im Jahr 2011 in einem Krankenhaus stationär behandelt wurden – aufgrund von zu hohem Alkoholkonsum.

CDU: Eltern sollen zahlen

In der CDU werden nun sogar die Rufe nach härteren Maßnahmen gegen die Eltern laut.

Doch es müssen nicht nur immer mehr Menschen wegen alkoholbedingten Krankheiten ins Krankenhaus, sondern die Ärzte diagnostizieren dort auch immer häufiger einen „akuten Rausch“. Mediziner sprechen davon ab 1,0 Promille, das kann aber individuell variieren – je nachdem, wie sehr man an Alkoholkonsum gewöhnt ist. 22 141 solcher Fälle hat man im Statistischen Landesamt für das Jahr 2011 gezählt, die Behandlungszahlen sind damit rasant gestiegen – seit dem Jahr 2000 insgesamt um rund 157 Prozent.

Noch dramatischer sieht diese Statistik bei der Gruppe der unter 20-Jährigen aus. 5778 landeten 2011 mit Vollrausch im Krankenhausbett. Das sind 210 Prozent mehr im Vergleich zum Jahr 2000, als 1865 Jugendliche mit derselben Diagnose in Kliniken eingeliefert wurden. Eine besorgniserregende Tendenz, denn „bis zum 17. oder 18. Lebensjahr bildet sich das Gehirn aus“, sagt die Münchner Suchtexpertin Kirsten Meyer. „Diese Entwicklung wird durch frühen Alkoholkonsum gestört.“

Auffällig ist allerdings , dass sich Jahr für Jahr bei weitem mehr ältere Menschen in einen behandlungsbedürftigen „akuten Rausch“ trinken als jüngere. 2011 gab es immerhin 16 363 Patienten, die 20 Jahre oder älter waren, als sie im Vollrausch in die Klinik mussten.

Die Gründe dafür sind verschieden. Alkoholkranke befriedigen durch schnellen Alkoholkonsum ihre Sucht. „Ein weiterer Aspekt kann sein, dass ältere Menschen etwas wie das Vorglühen der Jugendlichen nicht gewohnt und dann eben auch schneller betrunken sind“, erklärt Meyer. Nach ihrer Erfahrung ist es durchaus „gängig“, dass ältere beim Trinken die Kontrolle verlieren.

Dennoch gibt es beim Thema Alkoholkonsum auch gute Nachrichten: „Bei den Zehn- bis 15-Jährigen beginnen die Präventionsmaßnahmen zu greifen“, sagt Meyer. „Die Zahlen sind rücklaufend, wenn auch auf hohem Niveau.“

Kai Göpfert

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