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Vermummt sitzt einer der Angeklagten im Zahngold-Prozess im Gerichtssaal.

Zahngold-Prozess: Mildes Urteil für die Täter

Nürnberg - Mit einem milderen Urteil als in erster Instanz ist am Dienstag der Zahngold-Prozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth zu Ende gegangen. Nach elfwöchiger Verhandlung erhielten die angeklagten früheren Krematoriumsmitarbeiter sechs bis zwölf Monate Gefängnis auf Bewährung.

Für den Vorsitzenden Richter Dieter Seyb sind die Taten der sechs zwischen 30 und 55 Jahre alten Männer zwar verwerflich; eine fiese Bande seien sie aber nicht, betonte er in seiner Urteilsbegründung. Mehrere Jahre lang hatten die Angeklagten das bei der Verbrennung von Leichen abgeschiedene Zahngold an sich genommen und für Zehntausende Euro verkauft.

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Vom Vorwurf des versuchten Diebstahls sprach Seyb die Männer frei. Damit orientierte er sich an der Staatsanwaltschaft, die bereits vor einer Woche in ihrem Plädoyer zurückgerudert war und nur noch Bewährungsstrafen von bis zu 15 Monaten gefordert hatte. Die Anklagebehörde hatte den Männern ursprünglich nachweisen wollen, dass sie mit der Entnahme des Zahngoldes in der Annahme gehandelt hatten, einen Diebstahl zu begehen.

Mit der Entscheidung des Landgerichts können die ehemaligen Friedhofsschaffner einen Teilerfolg verbuchen. Wie von ihnen angestrebt, erreichten sie zwar die Aufhebung eines Urteils des Nürnberger Amtsgerichts vom November 2007. Dafür wurden sie aber in zwei neuen Punkten schuldig gesprochen. Das Amtsgericht hatte in den Taten der Männer lediglich versuchten Diebstahl gesehen und Bewährungsstrafen von bis zu einem Jahr und acht Monaten verhängt. Damals waren weder eine Verurteilung wegen Störung der Totenruhe noch wegen Verwahrungsbruchs in Betracht gezogen worden - nach Ansicht von Richter Seyb zu Unrecht.

Im juristischen Sinn gehöre Zahngold zur Asche der Toten, sagte Seyb. Weil die sterblichen Überreste in dem Krematorium für die Beisetzung auf Friedhöfen aufbewahrt wurden, hätten sich die Angeklagten mit der Wegnahme des Goldes eines Verwahrungsbruchs schuldig gemacht. "Die Verantwortlichen der Stadt Nürnberg gingen davon aus, dass das Zahngold verdampft oder schmilzt und - soweit es noch vorhanden ist - in die Urnen gelangt", sagte Seyb.

Die Männer hätten sich diese falsche Annahme der Stadt als Betreiberin der Einäscherungsanlage zunutze gemacht. Tatsächlich hatte ein Metallabscheider das Zahngold nach der Verbrennung von Leichen aussortiert - ebenso wie etwa künstliche Hüftgelenke oder Sargnägel. Nach Seybs Einschätzung war das den Angeklagten bekannt, sie ließen ihre Vorgesetzten bewusst in einem anderen Glauben. "Und bei der Stadt wollte man nicht wissen, was da anfällt", fügte Seyb in einem Seitenhieb hinzu.

Weil die Angeklagten im Laufe der Gerichtsverhandlung teilweise geständig waren, blieb Seyb unter den in erster Instanz verhängten Strafen. Die Männer seien durch den Verlust ihrer Arbeitsplätze ohnehin schon gestraft, sagte der Richter. Zudem hätten sie eine soziale Ächtung erlebt, die durch die Taten nicht gerechtfertigt sei. "Die Männer sind keine Schwerkriminellen", stellte er klar.

Der Staatsanwaltschaft warf Seyb Schludrigkeit vor, indem er von "Geburtsfehlern der Anklage" sprach. Anders als von der Staatsanwaltschaft angenommen, sei nicht davon auszugehen, dass die Angeklagten an jedem Arbeitstag Zahngold gefunden hatten. Zum Prozessauftakt war die Staatsanwaltschaft noch davon ausgegangen, dass die Männer mit dem Verkauf des Zahngoldes etwa 130.000 Euro erzielt hatten.

lby

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