Klage gegen Freistaat abgewiesen

Zeckenbiss war kein Dienstunfall

München - Ein Vermessungsingenieur aus dem Kreis Freising ist wegen eines Zeckenbisses vor Gericht gezogen. Sein Fuß hatte sich zwei Monate nach seinem Außentermin im Wald entzündet. Als Dienstunfall wurde der Zeckenbiss allerdings nicht anerkannt.

Der 6. Juni 2011 hat Helmut Limmer (Name geändert) schon eine Menge Nerven gekostet. Am Donnerstag hat sich der Vermessungsingenieur, der für das Amt für ländliche Entwicklung in Oberbayern arbeitet, wieder deswegen geärgert – wohl zum letzten Mal. Denn das Münchner Verwaltungsgericht hat seine Klage gegen den Freistaat Bayern abgelehnt. „Eine enttäuschende Entscheidung“, findet Limmer. Er will das Kapitel nun endgültig abhaken.

Der Zeckenbiss im Juni vor zwei Jahren war bei weitem nicht der erste, den der Vermessungsingenieur von einem Außentermin mit nach Hause brachte. Er entfernte die Zecke vorsichtig selbst und dachte nicht mehr an den Biss – bis er einige Wochen später starke Schmerzen am rechten Fuß hatte. Er musste eine mehrtägige Radtour deswegen abbrechen. Limmer ließ sich untersuchen, der Arzt diagnostizierte eine Gelenkentzündung und eine Schwellung. Er brachte den Zeckenbiss mit diesen Symptomen in Verbindung. Denn sie sind typisch für eine Lyme-Arthritis – die mögliche Spätfolge einer nichtbehandelten Borreliose.

Es sei nachvollziehbar, dass der Arzt die Schwellung als Borreliose-Folge angesehen und Antibiotika verschrieben habe, sagte Dr. Peter Herzer, Internist und Rheumatologe, der in der Verhandlung als Sachverständiger aussagte. „Das ist nicht leicht zu diagnostizieren, wenn man als Arzt auf diesem Gebiet nicht firm ist“, betonte der Experte. Zumal ein Laborergebnis Immunglobulin-G-Antikörper im Blut von Limmer nachwies. Sie werden nach einer Infektion durch Zeckenbiss gebildet und nicht mehr abgebaut – auch wenn der Betroffene nie spürbar krank geworden ist.

Diese Antikörper müssen jedoch von früheren Zeckenbissen stammen. Denn das Laborergebnis lieferte auch den Beweis dafür, dass die Gelenkentzünung nichts mit diesem Zeckenbiss zu tun haben kann, sagte Herzer. Denn Immunglobulin-M-Antikörper wurden im Blut von Helmut Limmer nicht gefunden. Sie werden zwei bis vier Wochen nach einer Infektion gebildet und wären bis Anfang August keinesfalls abgebaut gewesen, betonte er. Zudem kam ein Orthopäde zu dem Ergebnis, dass nicht das Fußgelenk, sondern der Mittelfuß von der Entzündung und der Schwellung betroffen war. „Damit ist es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen, dass der Zeckenbiss die Ursache für die Erkrankung war“, sagte Herzer.

Helmut Limmer hat die Argumentation des Sachverständigen nicht überzeugt. Er führt die Erkrankung nach wie vor auf den Zeckenbiss zurück und lehnte auch einen Vergleich ab. Die Vorsitzende Richterin hatte vorgeschlagen, dass er die Kosten für Antibiotika und Laboruntersuchung – rund 150 Euro – vom Freistaaat erstattet bekommt und dafür von der Klage absieht. „Es geht mir nicht um das Geld“, sagte Limmer. „Ich möchte eine Entscheidung, ob es ein Dienstunfall war oder nicht.“ Das Gericht brauchte nach dem Vortrag des Sachverständigen nicht lange, um ein Urteil zu fällen – es lehnte die Klage ab. Helmut Limmer ging enttäuscht nach Hause. „Ich hatte mir wirklich erhofft, nach dem ganzen Ärger heute endlich Recht zu bekommen“, sagt er.

Von Katrin Woitsch

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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