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Zusammen kosten sie elf Milliarden Euro

Die zehn größten Baustellen Oberbayerns

München - Nach Jahren des Stillstands kommt Bewegung in die Verkehrspolitik: Die Bahn schnürt ein 28 Milliarden-Paket, private Investoren sollen helfen, die größten Probleme im Straßennetz zu lösen. Was sind Oberbayerns größte Baustellen?

Ein Kuscheltermin sieht für einen Politiker anders aus. Als Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann kürzlich in Dorfen im Kreis Erding zum Ortstermin zur Planung der B15 neu erschien, waren die Gegner schon da. Egal, um was es geht – neue Bahngleise, neue Straßen, neue Startbahnen am Flughafen – fast kein Verkehrsprojekt, bei dem es nicht entweder an Geld fehlt oder der Protest von Anwohnern und/oder Naturschützern ist. Berechtigt oder nicht. Jeder will fliegen oder fahren, aber die Infrastruktur soll bitteschön nicht vor der eigenen Haustür entstehen.

Die Wirtschaft will sich mit diesem Stillstand nicht abfinden. Sie fordert energisch, den Stau bei den Verkehrsprojekten endlich aufzulösen. Die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern hat jetzt die zehn wichtigsten Projekte in Oberbayern benannt – und fordert auch ein Umdenken in der Verkehrs-Finanzierung.

Hier die „Top-Ten“ der Verkehrsprojekte aus IHK-Perspektive:

Bau der 3. Start- und Landebahn am Flughafen München (Grafik rote Linie)

Die 4000 Meter lange und 60 Meter breite Start- und Landebahn am Flughafen München könnte aus rechtlicher Sicht gebaut werden. Allerdings hatten sich die Münchner per Bürgerentscheid im Jahr 2012 gegen den Bau ausgesprochen. Staatsregierung wie Stadt fühlen sich bisher an das Votum gebunden. Die Industrie- und Handelskammer fordert dagegen die Überwindung des Widerstandes und erarbeitet eine Studie über wirtschaftliche Folgewirkungen bei einem Nichtausbau. Kosten der Startbahn: 1,2 Milliarden Euro.

1. Zweite Stammstrecke München (gelbe Linie)

Bei ihrer Inbetriebnahme 1972 war die Münchner S-Bahn für 250 000 Fahrgäste täglich konzipiert, mittlerweile nutzen 800 000 Fahrgäste pro Tag die Bahn. Laut IHK entfallen mehr als zwei Drittel des gesamten Eisenbahnbetriebs in Bayern auf den öffentlichen Personennahverkehr im Raum München. Der Bau einer zweiten Röhre zwischen Laim und Leuchtenbergring soll Entlastung bringen. IHK-Chef Peter Driessen begründet die Forderung nach einer 2. Röhre so: „Dort, wo wesentliche Teile des Wohlstandes in Bayern erwirtschaftet werden, muss sich die Infrastruktur so ausstatten, dass sie mit dem Wachstumsdruck klarkommt.“ In diesem Jahr werden für diesen Streckenabschnitt zwei Planfeststellungsbeschlüsse erwartet, ein dritter liegt bereits vor. Im Sommer könnte dann die Entscheidung zum Bau fallen, wenn sich Bund, Land und Stadt über die Finanzierung einigen. Kosten: 2,56 Milliarden Euro.

U-Bahn-Verlängerung  U5 West (gelb 1)

Die Strecke vom Laimer Platz nach Pasing ist 3,6 Kilometer lang und würde eine wichtige Lücke im Münchner U-Bahnnetz schließen. Die Kosten liegen zwischen 300 und 350 Millionen Euro.

ABS (Ausbaustrecke) 38       München – Mühldorf –           Freilassing (gelb 2) Damit würde unter anderem dem ostbayerischen Chemiedreieck (mit der Anbindung von Tüßling nach Burghausen) ein besserer Zugang zu den norddeutschen Seehäfen ermöglicht. Kosten: 1,1 Milliarden Euro.

ABS 36 Brennerzulauf (gelb 3)

Hier geht es um die Zulauf- strecken zum künftigen Brenner-Basistunnel von München über Trudering Richtung Kufstein. Die IHK fordert dringend den Ausbau der Strecke um bis zu zwei Gleise, um einen Engpass (Flaschenhals) in Oberbayern auf dem Schienenweg zum Brennertunnel, der 2026 fertig sein soll, zu vermeiden. Kosten des Komplettausbaus: 2,6 Milliarden Euro. Ausbauart und Trassenverlauf sind vor Ort heftig umstritten.

ABS 48 München- Lindau (gelb 4)

Hier geht es um die durchgängige Elektrifizierung der Bahnstrecke, die nicht nur den Fernverkehr München-Zürich beschleunigen würde. Die Strecke ist auch ein wichtiger Zulauf zum neuen Schweizer Gotthard-Tunnel Richtung Mailand. Kosten: 310 Millionen Euro.

A94 München-Mühldorf-  Pocking (grüne Linie 1)

Die Lücke zwischen Pastetten und Heldenstein soll geschlossen werden. Der Ausbau würde vor allem das Chemiedreieck besser anbinden. Kosten: 410 Millionen Euro.

A 8 Inntal bis Landesgrenze (grün 2)  

Die Autobahn München-Salzburg soll ab Inntaldreieck sechsspurig ausgebaut werden. Bundesverkehrsminister Dobrindt hat vergangene Woche angekündigt, den Ausbau der A 8 hinter Rosenheim durch Einbindung privater Investoren beschleunigen zu wollen. Gesamtkosten: 1,3 Milliarden Euro.

B15 neu (grün 3)

Die Bundesstraße soll als Nord-Süd-Achse gleich vier Autobahnen miteinander verbinden: die Regensburger A 93, die Deggendorfer A 92, die Passauer A 94 und die A 8 München-Salzburg. Während die nördliche Trasse zwischen Landshut und Regensburg fast fertig ist, wird um den Verlauf im südlichen Teil zwischen Landshut und den Regionen bis Rosenheim heftigst gestritten. Ausbaukosten für den Streckenabschnitt zwischen der A 94 und der A 8: 840 Millionen Euro.

Umfahrung Garmisch- Partenkirchen (grün 4)

Der Verkehr zwischen Autobahn-Ende und der Marktgemeinde soll fließen, nicht stehen. Zusätzlich zur Ortsumfahrung westlich von GAP mit dem Kramertunnel und der Ortsumfahrung Oberau soll der Bau des Wanktunnels eine Umgehung östlich von GAP (B 2) ermöglichen. Kosten für den Wanktunnel: 151 Millionen Euro.

Finanzierungsbedarf

Addiert man alle zehn Verkehrsprojekte, kommt die Handelskammer München und Oberbayern auf elf Milliarden Verkehrsinvestitionen, die die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte Oberbayerns fortschreiben helfen sollen. Das klingt astronomisch. Aber zum Vergleich: Allein die Abwendung der Pleite der BayernLB kostete den Freistaat zehn Milliarden Euro...

Alexander Weber

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