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Dramatische Ausmaße hatte der Orkan für 47 Menschen, die ihm zum Opfer gefallen sind. Auch Wälder wie hier im oberfränkischen Wallenfels (Kreis Kronach) waren betroffen.

Zehn Jahre nach dem Orkan

„Wir haben unsere Lehren aus Kyrill gezogen“

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München – Orkan Kyrill hat 2007 für Milliarden-Schäden und Tote in ganz Europa gesorgt. In den Wäldern Bayerns hat sich seitdem einiges getan – sie sollen künftig gegen Stürme resistenter sein.

Wetterbeobachterin Carolin Baumann erlebte den Orkan in einer Wetterstation am Wendelstein.

Carolin Baumann, 42, wusste schon eine Woche vorher, was da auf sie zukommen würde. Doch die Wetterbeobachterin sah im nahenden Orkan Kyrill am 18. Januar 2007 ihre Chance. Baumann nahm ausreichend Essen und Kleidung mit hinauf zur 1700 Meter hoch gelegenen Wetterstation am Wendelstein. Als der 202 Stundenkilometer schnelle Orkan die 25 Quadratmeter große Hütte erreichte, vibrierte der Boden. Hier war die Berchtesgadenerin gut geschützt und hatte über eine breite Fensterfront besten Ausblick. Heute, exakt zehn Jahre später, blickt sie zurück: „Das vergisst man nicht. Das ist im Alltag eines Wetterfroschs ein Highlight.“ Schon vor dem Eintreffen des Orkans spürte Baumann dessen Kraft. „Man kommt keinen Schritt mehr voran. Das Atmen ist schmerzhaft.“ Sie betont aber: „Gefährlich war es für mich nicht. Schockierend war, was im Tal passiert war.“

Borkenkäfer-Plage: 800 000 weitere Bäume gefällt

202 Stundenkilometer erreichte Orkan Kyrill an der Wetterstation am Wendelstein in 1700 Metern Höhe.

Kyrill reihte sich in die stärksten Orkane der vergangenen Jahrzehnte ein. An den Folgen sterben 47 Menschen, elf davon in Deutschland. In Bayern stehen Bahnen still, Schulen werden zeitweise geschlossen. Von den Wäldern Bayerns wurden manche Regionen größtenteils verschont, andere haben stark gelitten. Philipp Bahnmüller, 39, Pressesprecher der Bayerischen Staatsforsten erklärt: „Kyrill hat Forstbetriebe in Ostbayern am schwersten getroffen, teilweise auch den Bayerischen Wald und den Bereich in den östlichen Alpen.“ 2,5 Millionen Kubikmeter Holz des Staatswaldes seien damals gefallen. Dieser macht 30 Prozent des gesamten bayerischen Waldes aus.

In manchen Forstbetrieben Bayerns fielen dem Orkan Bäume in der Anzahl einer ganzen Jahresernte zum Opfer. „Gerade die Fichten sind als Flachwurzler für Stürme anfällig“, sagt Bahnmüller. Ein weiteres Problem: Fichten bieten Borkenkäfern optimale Bedingungen. Vom Orkan im Januar bis zum Sommer war die Menge an gefallenen Bäumen nicht aus den Wäldern zu bekommen. „Dafür haben wir ein Jahr gebraucht.“ Deshalb kam es im Sommer 2007 zur großen Borkenkäfer-Plage, die noch im Sommer darauf anhielt. Weitere 800 000 Kubikmeter Holz fielen dem Borkenkäfer zum Opfer. Sturmholz kostet weniger – zudem sank der Preis durch das Überangebot.

Neues Konzept nach Kyrill hat sich bereits bewährt

„Wir haben aus dem Orkan Kyrill unsere Lehren gezogen“, sagt Bahnmüller. Seitdem gibt es ein neues Konzept der Bayerischen Staatsforsten. „Mit einem langfristigen Waldumbau wollten wir weg von Beständen, die Bäume der gleichen Art und Größe haben.“ Seit Kyrill soll es mindestens vier Baumarten geben, alte Bäume neben jungen stehen. „Solche Bestände sind stabiler gegen Stürme.“ Wenn weniger Bäume fallen, sinkt auch das Risiko einer Massenvermehrung des Borkenkäfers. Außerdem gibt es nun ein Frühwarnsystem. Ausgewählte Forstbetriebe mit einem hohen Fichtenanteil melden stetig befallene Bäume. Die müssen möglichst schnell gefällt und komplett aus dem Wald gebracht werden. Für den Ernstfall gibt es nun festgelegte Nasslagerplätze, an denen das Holz konserviert wird – um den Markt nicht zu überlasten.

Die Nagelprobe für das neue Konzept gab es 2015 mit Sturm Niklas. „Da hatten wir keine Flächenwürfe in Fußballfeldgröße mehr, sondern nur Einzel- oder Gruppenwürfe.“ Nach Sturm Niklas hätten „deutlich weniger Bäume neu gepflanzt“ werden müssen als noch 2007. Das Konzept hat sich bewährt. Gute Aussichten also? „Es wird auch in Zukunft Stürme geben, in denen Bäume fallen“, sagt Bahnmüller. „Aber es sollen nicht mehr riesige Flächen entwaldet werden.“

Von Sebastian Raviol

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