Zeil: Biogas weckt falsche Hoffnung

München - Bayerns Biomasse-Träume platzen. Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hält einen Ausbau dieser Energieform über die Ziele des bisherigen Energiekonzepts hinaus für unrealistisch.

Als Ersatz für schnell regelbare Erdgaskraftwerke seien Biogasanlagen aus technischer und wirtschaftlicher Sicht ungeeignet. Das ergeben Untersuchungen von Experten seines Ministeriums.

„Nach allem, was an ersten Ergebnissen aus der Arbeitsgruppe vorliegt, ist die Bilanz ernüchternd. Die Kosten würden sich auf etliche Milliarden Euro summieren“, sagte Zeil unserer Zeitung. „Ich warne da vor Illusionen. Wir dürfen keine falschen Hoffnungen wecken.“ Biomasse könne nur einen geringen Beitrag zur Sicherstellung der Energieversorgung liefern. Um die gleiche Flexibilität wie Gaskraftwerke zu erzielen, müssten extrem hohe Zusatzkosten in Kauf genommen werden, weil teure Biogasspeicher nötig seien.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte vor einigen Wochen eine Biogasanlage besucht und angeregt, der Freistaat könne nach dem Atomausstieg erhebliche Teile seiner Energie autark aus einem Netzwerk zigtausender kleiner Biogasanlagen beziehen. Weil der Leitungsbau nicht in Schwung kommt und auch der Rahmen für Investitionen in große Gaskraftwerke fehlt, droht Bayern in einigen Jahren eine Energielücke.

„Ein Zubau von 1000 Megawatt aus Biogas würde mindestens zwei Milliarden Euro kosten“, sagte Zeil unter Verweis auf teure örtliche Speicherkapazitäten. „Das ist mehr als doppelt so teuer wie Gaskraftwerke.“ Genauere Daten erwartet er erst nach Ende der laufenden Untersuchungen. „Es deutet jedoch vieles darauf hin, dass das Potenzial neuer Biogasanlagen weit überschätzt wurde.“

Zeil fordert vom Bund mehr Tempo beim gesetzlichen Rahmen für die Energiewende. Eine Verlängerung der Restlaufzeiten bayerischer Atomkraftwerke schloss Zeil aus. „Dieser Ausstiegs-Zeitplan war nicht meine Konzeption, ich habe davor gewarnt. Aber es macht keinen Sinn, da noch mal die alten Debatten zu führen.“ Zeil will indes auch nicht, dass der Staat als Bauherr für Gaskraftwerke auftritt, falls sich zu wenig private Investoren finden. „Der Staat sollte sich nicht in wirtschaftliche Abenteuer stürzen. Das hielte ich für den völlig falschen Weg.“

Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © dpa

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