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Bei der Volkszählung „Zensus 2011“ läuft einiges schief. Immer wieder melden sich Bürger, die eine Mahnung zugeschickt bekommen, obwohl sie die Fragebögen längst ausgefüllt und zurückgeschickt haben.

Zensus-Pannen: Zwei Fallbeispiele zum Kopfschütteln

München - Pannenreicher Zensus 2011: Zahlreiche Bürger sollen ein Bußgeld zahlen – obwohl sie den ausgefüllten Bescheid zur Wohnungs- und Gebäudezählung längst zurückgeschickt haben. Allerdings fehlen auch noch Tausende von Fragebögen.

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Zensus verpasst: Tote soll 300 Euro zahlen

Raffaela Ziegler ist eine gewissenhafte Frau. Den Zensus-Fragebogen für ihr Haus in Niederbayern hat die 69-Jährige aus Eurasburg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) rechtzeitig ausgefüllt und zurückgeschickt. Die Wohnungs- und Gebäudezählung war für sie damit erledigt. Nicht so für das Bayerische Landesamt für Statistik. Kürzlich erhielt sie die dritte Erinnerung, dass sie den Bogen binnen zwei Wochen ausfüllen soll. Andernfalls drohe ihr ein Zwangsgeld von 300 Euro.

„Da hat mich die Wut gepackt“, sagt sie. Ziegler rief bei der dauerbesetzten Hotline der Behörde in Fürth an. Nach etlichen Anläufen gab es ein Gespräch. Bei dem bestätigte ihr eine Mitarbeiterin, dass bereits der erste ausgefüllte Fragebogen angekommen ist. „Dafür, dass man seiner Pflicht nachkommt und dort Schlamperei herrscht, soll man auch noch 300 Euro zahlen“, schimpft Ziegler.

Ähnliches Spiel bei Gerald Ertl aus Ottenhofen (Landkreis Erding). Für die Wohnung seiner Mutter in Markt Schwaben, die der 66-Jährige verwaltet, bekam er sogar vier Erinnerungen geschickt – inklusive Bußgeld. Ertl rief bei der überlasteten Hotline an und gab auf. Jetzt wartet er ab. „Das Durcheinander bei der Behörde verärgert mich.“

Ziegler und Ertl wurden vom Landesamt für Statistik zu Unrecht angemahnt – doch es gibt auch zahlreiche Bürger, die ihre Unterlagen tatsächlich nicht eingeschickt haben. Von den 4,2 Millionen bayernweit verschickten Fragebögen fehlen der Behörde noch 50 000, erklärt Peter Englitz, Pressesprecher des Landesamtes für Statistik. Deshalb verschickt das Amt seit einigen Tagen Mahnbriefe mit der Androhung des Zwangsgeldes – das vierte Erinnerungsschreiben. Ab dem dritten gibt es die Bußgeldaufforderung. Der vierte und letzte Brief setzt dem Eigentümer eine Frist bis zum 31. Dezember. Dann wird das Geld eingetrieben. „Wenn die Leute antworten, ist das Zwangsgeld aber hinfällig“, sagt Englitz.

Die Mahnbriefe beunruhigen trotzdem. Über 900 Anrufe pro Tag gehen derzeit bei der Hotline in Fürth ein. „Bevor die Mahnschreiben verschickt wurden, waren es noch 125“, weiß die stellvertretende Pressesprecherin Anke Schwarz. Von den 255 Behörden-Mitarbeitern sind allein 120 bei der Hotline im Einsatz, um die Fragen verärgerter und verunsicherter Bürger zu beantworten.

Ein weiteres Problem: Das Bußgeld macht selbst vor Toten nicht Halt. Neulich hat die Behörde einen Zwangsgeldbescheid an eine vor eineinhalb Jahren verstorbene Frau im schwäbischen Kreis Donau-Ries ausgestellt. „Die Frau war noch als Eigentümerin eingetragen, die Daten waren noch nicht geändert“, erklärt Englitz die Panne. Die Behörde bekommt ihre Daten von der Grundsteuerstelle. In einem anderen Fall im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wurde eine tödlich verunglückte Frau angemahnt, obwohl diese den Zensus-Meldebogen vor ihrem Unfall fristgerecht abgegeben hatte.

Während einige Personen mehrfach angeschrieben werden, werden andere schlichtweg vergessen. Für sein Eigenheim in Ottenhofen hat Gerald Ertl bis heute kein Formular erhalten. „Ich weiß auch von anderen, die nichts bekommen haben“, sagt er.

Für die Behörde sind das „Einzelfälle“, sagt Sprecher Englitz. Wie es dazu kommen kann, sei schwierig zu bestimmen. Möglicherweise liege es an der Maschine, die die Bögen erfasst und die Daten dann falsch liest, oder an dem Computerprogramm, das manchmal Fehler produziere. Häufiger gebe es auch Adressprobleme. Englitz räumt aber ein, dass manche Formulare wohl im Brief- und E-Mail-Gewirr durchrutschen.

Gerald Ertl beklagt die Zusatzkosten, die durch die vielen Briefe entstehen. Er befürchtet, dass der Zensus die veranschlagten Gesamtkosten von 710 Millionen Euro übersteigen wird. Die stellvertretende Pressesprecherin beruhigt: „Die Erinnerungen sind miteinkalkuliert.“ Dass nicht alle angeschriebenen Bürger sofort antworten, sei statistisch normal.

Von Vera Markert

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