Zensus 2011: So werden wir vermessen

München - Die letzte Volkszählung in Deutschland war 1987, nächste Woche geht es wieder los. Zensusstichtag ist Montag, 9. Mai. Wir haben die wichtigsten Fragen für Sie zusammengestellt:

Was bedeutet „Zensusstichtag 9. Mai“?

Jede Volkszählung ist immer nur eine Momentaufnahme zu einem bestimmten Zeitpunkt. Zensusstichtag bedeutet, dass sich alle Antworten auf den 9. Mai beziehen. Wer beispielsweise am 13. Mai heiratet und die Fragen am 20. Mai beantwortet, der gilt für den Zensus trotzdem als ledig.

Was kostet der „Zensus 2010“?

Deutschlandweit 710 Millionen Euro. Alleine in Bayern 115 Millionen Euro, wovon der Freistaat 55 Millionen übernimmt.

Wer muss alles mitmachen?

1,2 Millionen Bayern wurden per Zufallsprinzip ermittelt. Auch 3,1 Millionen Besitzer oder Verwalter von Häusern und Wohnungen bekommen Post vom Staat. Sie sollen zum Beispiel Auskunft über ihre Wohnsituation, ihren Gebäudetyp, das Baujahr und die Heizungsart geben. Die Interviewer besuchen zudem Gefängnisse, Seniorenheime und psychiatrische Kliniken.

Wie genau geht die Befragung vonstatten?

Bereits seit Anfang Mai sind die Erhebungsbeauftragten im Freistaat unterwegs. Sie suchen die ausgewählten Anschriften aus, teilt das Landesamt für Statistik mit, und schreiben sich die Namen der dort lebenden Haushalte auf. Die Interviewer kündigen sich dann per Brief, in dem der Besuchstermin steht, an. Ausweichtermine sind jederzeit möglich.

Wie erkenne ich einen Interviewer?

Der Interviewer zeigt an der Haustüre unaufgefordert seinen Interviewerausweis in Verbindung mit seinem Pass vor. Es besteht keine Pflicht, die Person in die Wohnung zu lassen. Man kann sich auch vor der Türe befragen lassen.

Muss ich mitmachen?

Ja, eine Teilnahme ist verpflichtend. Dazu gibt es ein eigenes Zensusgesetz. Wer ausgewählt wurde, habe keine Chance da wieder raus zu kommen, sagt Zensusreferentin Anke Schwarz. Lediglich die Frage nach dem Glaubensbekenntnis ist freiwillig. Wer seiner Auskunftspflicht auch nach Mahnung nicht nachkommt, dem droht normalerweise ein Zwangsgeld von 300 Euro. Die Höchststrafe liegt bei 5000 Euro.

Was ist, wenn ich ausgewählt wurde - aber viele Monate verreist oder in Kur bin?

Dann besteht dennoch Auskunftspflicht. In diesem Fall müsse man jemanden beauftragen, die Post aus dem Briefkasten zu holen und die Unterlagen nachzuschicken, erklärt die Zensusreferentin. Betroffene müssen den Fragebogen dann selbständig ausfüllen. Bei Nachfragen gibt es eine eigene Hotline. Für Gebäude- und Wohnungszählung die Nummer 0 911 98 20 81 25. Bei Haushaltebefragungen: 0 911 98 20 81 20.

Was ist, wenn ein Interviewer vor meiner Haustüre steht, den ich kenne, dem ich aber auf keinen Fall private Informationen anvertrauen will?

Dann kann man sich an das Statistische Landesamt wenden und erklären, man lehne den Interviewer ab. Entweder man bekommt einen anderen zugeteilt. Oder man entscheidet sich, den Fragebogen eigenständig auszufüllen.

Wie lange dauert es, den Bogen auszufüllen?

Rund zehn Minuten.

Wie lange dauert der Befragungszeitraum?

Vom 10. Mai bis zum 31. Juli 2011, bei der Gebäude- und Wohnungszählung kann die Befragung bis Januar 2012 gehen.

Wann gibt es die ersten Ergebnisse?

Das Sammeln und Auswertung der Daten dauert viele Monate. Am 9. November 2012 sollen die amtlichen Einwohnerzahlen feststehen. Am 9. Mai 2013 die Endergebnisse.

Muss ich angeben, wie viel ich verdiene?

Nein, die persönlichen Einkommensverhältnisse werden nicht abgefragt.

Wie lange habe ich Zeit, um die Informationen zu liefern?

Wer sich entscheidet, den Fragebogen selbst auszufüllen - ohne Hilfe des Interviewers, für den besteht eine Frist von zwei Wochen. Der Fragebogen muss dann in einem ausreichend frankierten Briefumschlag eingeschickt werden. Betroffene können aber auch das Online-Formular unter www.zensus2011.de nutzen.

Stefan Sessler

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