Zehn Prozent der Bevölkerung werden für den Zensus zufällig ausgewählt. foto: dpa

Zensus-Befragung: Grüß Gott, hier ist der Staat!

München - Seit 10. Mai befragen 14 500 Interviewer in Bayern das Volk. Einer von ihnen ist der Rentner Maximilian Weber, ein Zensusveteran. Nach zehn Tagen Erhebung zieht er eine erste Bilanz.

Die ältere Dame war resolut. Partout wollte sie den Interviewer - dessen Namen wir aus Datenschutzgründen geändert haben - nicht in ihre Wohnung im Landkreis Fürstenfeldbruck lassen. „Sie bleiben an der Tür stehen“, sagte sie Maximilian Weber. Der ließ sich jedoch nicht abschütteln, schließlich war er 40 Jahre lang Versicherungskaufmann. Es war nicht das erste Mal, dass er es mit schwierigen Kunden zu tun hatte. „Die Leute sind schon recht skeptisch“, sagt der 66-jährige Rentner Weber.

Nach einigen Minuten hatte er die Dame aber von dem Nutzen der Erhebung überzeugt. Zuschnitt der Wahlkreise, Finanzausgleich, Wohnungsbau, darum gehe es, erklärte er. Gut 25 Privathaushalte hat Weber mit seinem Klemmbrett unterm Arm bislang abgefragt, 80 Haushalte liegen noch vor ihm. Einige Male schon stand er vor verschlossenen Türen. Trotz des vorab vereinbarten Termins. Dann steckt der 66-Jährige ein Kärtchen mit einem Ausweichtermin an die Tür. Ist der Bürger wieder nicht da, kann es teuer werden. Gemäß Leitfaden trägt er das Versäumnis, das mit 300 Euro Strafe geahndet wird, in die Erhebungsliste ein. „Die können sich damit nicht freikaufen“, sagt er, „die Daten müssen sie in jedem Fall preisgeben.“ Dazu seien sie, die Bürger, verpflichtet. Auch Weber wurde verpflichtet, und zwar zum Schweigen. Alle Interviewer unterschrieben Vereinbarungen über die Geheimhaltung der Daten.

1987, beim letzten Zensus in der Bundesrepublik, war er auch schon auf Mission. Gemeinsam mit seiner Frau und völlig unbeeindruckt von den hunderten Bürgerinitiativen, die deutschlandweit zum Boykott der Erhebung aufriefen. „Ich habe diese Demonstrationen nicht verstanden. Wer dem Staat neutral gegenüber steht, hat doch keine Schwierigkeiten“, sagt er.

Bevor er in die Wohnung eintritt, hält er den Befragten seinen Ausweis unter die Nase. 20 Minuten braucht der Rentner in der Regel, um mit den Leuten den Bogen durchzugehen. Manchmal kürzer, manchmal länger. „Viele verstehen nicht, was sie jetzt genau tun müssen.“ Dann setzt er sich geduldig mit den Leuten hin und die 46 Fragen werden gemeinsam ausgefüllt.

Für jeden fertigen Fragebogen erhält Weber sieben Euro, für das Abgeben bei der Erhebungsstelle nochmal zwei. Versteuert. Benzingeld gibt es obendrauf. Nur eine Telefonpauschale gibt es nicht, „obwohl ich ständig bei den Leuten anrufen muss, um Termine abzustimmen“, ärgert er sich.

Schwierigkeiten mache den Interviewern aber das Landesamt für Statistik, sagt der 66-Jährige: „Die schicken parallel zu den normalen Fragebögen extra Fragebögen an jeden Wohnungs- Haus- oder Grundstückseigentümer“, sagt er. Die Leute seien genervt, zwei Bögen ausfüllen zu müssen, und er nicht dafür geschult. Vor allem in der heißen Phase, die Anfangszeit der Erhebung, reagierten die Leute sensibel darauf, zu den auserwählten zehn Prozent der Zufallsbefragten zu gehören. Eines steht für den Zensusveteranen aber fest. Die nächste Befragung wird der Staat ohne ihn machen müssen.

Patrick Wehner

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