Im neuen Prozess gegen Angehörige des vor neun Jahren verschwundenen und angeblich zerstückelten Bauern Rudolf R. aus Neuburg hat das Gericht die Angeklagten freigesprochen.

Im Fall des "zerstückelten Bauern" bleiben nur Spekulationen

Landshut - Im neuen Prozess gegen Angehörige des vor neun Jahren verschwundenen und angeblich zerstückelten Bauern Rudolf R. aus Neuburg hat das Gericht die Angeklagten freigesprochen.

Vier Gerichte beschäftigten sich mit dem Fall bis hinauf zum Bundesgerichtshof, fast ein Jahrzehnt suchte die Kripo nach der Wahrheit. Doch seit Freitag ist klar: Der Tod des im Jahr 2001 verschwundenen Bauern aus Neuburg an der Donau wird wohl nie aufgeklärt. Die wegen Mordes angeklagten und wegen Totschlags bereits einmal verurteilen Angehörigen wurden vom Landgericht Landshut im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen - aus Mangel an Beweisen.

Zwei der Angeklagten - die Ehefrau und der Freund ihrer Tochter - saßen schon rund sechs Jahre im Gefängnis. Doch Zweifel an der Unschuld der 55-jährigen Witwe, ihrer beiden 24 und 26 Jahre alten Töchter und des 27 Jahre alten Freundes bleiben auch jetzt. Schließlich hatten sie einst sogar zugegeben, den 52-jährigen Familienvater zerstückelt und den sieben Hofhunden zum Fraß vorgeworfen zu haben. Die Geständnisse erwiesen sich als hanebüchener Unsinn, denn das Skelett des Landwirts wurde schließlich rund acht Jahre nach dem Verschwinden des Mannes aus der Donau gezogen - unversehrt. Daher musste es einen neuen Prozess geben.

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 Der Fall wird wohl in die deutsche Justizgeschichte eingehen. In der neuen Verhandlung ging es nicht nur um die Frage, was damals mit dem Landwirt geschehen ist. Die Verteidiger wollten auch wissen, wie es zur völlig falschen Geschichte des “verfütterten Bauern“ kam. Es war davon die Rede, dass die Polizeibeamten “unzulässigen Druck“ auf die Beschuldigten ausgeübt hätten. Nur so hätten die später widerrufenen Geständnisse jemals zu Papier kommen können.

Das Landshuter Landgericht sah allerdings keine wesentlichen Ermittlungspannen. Der Vorsitzende Richter Theo Ziegler kritisierte die Polizei nur leicht: Die Angeklagten hätten nicht zunächst nur als Zeugen vernommen werden dürfen, sondern gleich als Beschuldigte, hielt er der Kripo vor. Von illegalen Vernehmungsmethoden wollte Ziegler indes nichts wissen: “Ein gewisser Druck ist erlaubt.“

Doch bei der Frage, was denn nun tatsächlich in jener Herbstnacht 2001 passiert ist, musste auch der Richter passen. Unstrittig ist nur, dass der Bauer damals wie üblich mit seinem Auto ins Wirtshaus gefahren ist und dort acht Halbe - also vier Liter Bier - getrunken hat. Irgendwann nach Mitternacht fuhr der angetrunkene Mann weg. Nach der Theorie der Verteidiger ist den Bauer dann mit seinem Wagen selbst in der Donau gelandet. Es könnte ein Suizid oder ein Unglück gewesen sein. Das Gericht hielt nichts davon: “Wir schließen einen Unfall aus“, betonte Ziegler - einen Selbstmord ebenso.

Nach Überzeugung des Gerichts kam der 52-Jährige wieder zu Hause an. Dort müsse es zu einem Geschehen gekommen sein, das dann zum Tod des Mannes mit anschließender Versenkung der Leiche geführt habe. Doch Ziegler machte keinen Hehl draus, dass auch er keine Details nennen kann. Daher konnte das Gericht die Angeklagten auch nicht mit Sicherheit persönlich für eine Tat verantwortlich machen.

Allerdings ging es in der Familie nicht besonders harmonisch zu. Es gab ständig finanzielle Probleme, man lebte vom Verkauf von Grundstücken. Der Vater war ein Trinker und schimpfte auch schon einmal in der Kneipe über seine “Weiber“. Ziegler beschrieb die Zustände so: “Es herrschte ein raues Klima, Beschimpfungen waren an der Tagesordnung.“

Viele Rätsel gab auch das nahe einer Donau-Stufe aus dem Wasser gezogene Auto mit der Leiche auf. Ein Gutachter erklärte, dass der Wagen nur langsam in den Fluss gerollt ist. Der Schlüssel steckte auch nicht im Zündschloss, den hatte der Bauer in der Hosentasche. Als der Wagen geborgen wurde, hockte der Tote zudem verkehrt herum auf dem Fahrersitz. “Das ist ein Indiz, dass er sich nicht selbst reingesetzt hat, sondern reingesetzt wurde“, betonte Ziegler.

dpa

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