+
Ursula Herrmann wurde 1981 entführt und in einer Kiste vergraben. Das Mädchen erstickte.

Zeuge in Herrmann-Prozess: Verdächtiger kein Verbrecher

Augsburg - Im Indizien-Prozess um die Entführung der Schülerin Ursula Herrmann hat der Bruder eines Verdächtigen am Dienstag dessen Verwicklung in die Tat bestritten.

“Mein Bruder war nicht zum Verbrecher veranlagt, dazu hatte er nicht das Format“, sagte der Zeuge vor dem Landgericht Augsburg. Das Gericht prüft im Zusammenhang mit der Entführung Hinweise auf einen Ex-Polizisten als möglichen Täter. Der Mann starb 1996.

Der Bruder des Verdächtigen erklärte, dieser habe am Tattag, dem 15. September 1981, einen Bock in dem Wald geschossen, in dem später das tote Kind gefunden worden war. Dann sei er rund 70 Kilometer zu einem Bekannten gefahren, habe das Tier dort zerlegt und sich anschließend schlafen gelegt. Sein Auto war in unmittelbarer Nähe des Tatorts von Zeugen gesehen worden.

Lesen Sie auch:

Fall Herrmann: Kein Hinweis auf Angeklagten durch DNA-Spuren

Herrmann-Prozess: LKA-Gutachten zum Tonband

Herkunft von Tonbandgerät ungewiss

Herrmann-Prozess: Gericht prüft Aussage von 1982

Herrman-Entführung: Keine Spuren in Erpresserbriefen

Herrmann-Prozess: Gibt es einen Mittäter?

Ex-Polizist als Zeuge im Herrmann-Prozess

Vor Gericht steht ein Ehepaar wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge. Ihm wird die Entführung der Zehnjährigen zur Last gelegt. Der 59-jährige Hauptverdächtige soll Ursula bei Eching am Ammersee von ihrem Fahrrad gerissen und in eine im Wald vergrabene Kiste gesperrt haben. Dort war Ursula wenige Stunden später wegen einer defekten Belüftungsanlage erstickt, aber erst 19 Tage danach bei einer Suchaktion von der Polizei gefunden worden. Bei den Eltern waren Erpresseranrufe und -briefe eingegangen. Die Briefe soll die Ehefrau des Angeklagten zusammengeschnipselt haben. Beide bestreiten die Tat.

Der Fall Ursula Herrmann

Der Fall Ursula Herrmann in Bildern

Der Bruder des verdächtigen Ex-Polizisten sagte, wäre dieser auf Abwege gekommen, hätte er es sicher erfahren. Er sei der väterliche Freund seines jüngeren Bruders gewesen. Dieser habe nach den Anschuldigungen, der mögliche Entführer von Ursula Herrmann zu sein, seine Probleme mit Alkohol zu bewältigen versucht. “Er war weder logistisch noch körperlich zum Verbrecher veranlagt“, sagte der Zeuge. Ein anderer enger Freund des Verdächtigen, ein Ex-Polizist, erklärte im Zeugenstand ebenfalls, der Verdächtige sei in den Entführungsfall nicht verwickelt gewesen. Als dieser zu dem Erdloch von Ursulas Sargkiste geführt wurde, habe er von einem “furchtbaren Anblick“ gesprochen und sich verwundert gezeigt, dass er von seinem nahe gelegenen Jägerhochsitz aus nichts von Vorgängen im Wald bemerkt habe.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach Mord an Mutter: Polizei nimmt auch den Freund des Sohnes fest
Mit enormen Aufwand setzt die Polizei die Puzzlestücke im Fall der getöteten Mutter aus Altenmarkt zusammen. Nachdem die Beamten bereits den Sohn verhaftet haben, nahmen …
Nach Mord an Mutter: Polizei nimmt auch den Freund des Sohnes fest
Mehr Polizeikontrollen bei umstrittenem Flüchtlingszentrum Manching
Das Asylbewerberzentrum in einer Ex-Kaserne im oberbayerischen Manching war schon immer umstritten. Nun will die Polizei dort mehr kontrollieren, weil die Zahl der von …
Mehr Polizeikontrollen bei umstrittenem Flüchtlingszentrum Manching
Verkehrsunfall auf der A8 - Ein Toter und ein Schwerverletzter
Bei einem Unfall auf der Autobahn A8 nahe Leipheim (Landkreis Günzburg) ist am Freitagmorgen ein Mensch gestorben. Ein weiterer wurde schwer verletzt.
Verkehrsunfall auf der A8 - Ein Toter und ein Schwerverletzter
78.000 Zigaretten in einem Auto versteckt
Ein Ehepaar wurde am Donnerstag auf der A8 von der Polizei aufgehalten und genauer unter die Lupe genommen. Dabei flogen die beiden mit einer großen Menge Schmuggelware …
78.000 Zigaretten in einem Auto versteckt

Kommentare