Mordprozess: Täter lies Opfer von Zug überfahren

Ansbach - Ein Automechaniker hat Zeugenaussagen zufolge einen Zechkumpanen zusammengeschlagen und anschließend auf Bahnschienen von einem Zug überrollen lassen.

Die damalige Partnerin des 34-jährigen Mannes räumte zu Prozessbeginn am Montag vor dem Landgericht Ansbach ein, das leblose Opfer auf Weisung des Angeklagten im August 2002 im Kofferraum ihres Autos zu den Schienen transportiert zu haben. In der Nähe von Lehrberg (Landkreis Ansbach) habe der Angeklagte den 49-Jährigen dann auf die Bahngleise gelegt und gewartet, bis ein Zug gekommen sei.

Die Ermittlungsbehörden hatten den Fall damals als Suizid eingestuft. Heute jedoch ist die Staatsanwaltschaft der Ansicht, der 34-Jährige habe mit der Tat vertuschen wollen, dass er sein stark betrunkenes Opfer zuvor verprügelt und ausgeraubt hatte. “Er schlug dem völlig arglosen Gelegenheitsarbeiter mehrfach ins Gesicht“, sagte Staatsanwalt Jürgen Krach am ersten Tag des Mordprozesses. Das Opfer sei bewusstlos zusammengebrochen. Der mutmaßliche Täter habe daraufhin die Schlüssel des Wehrlosen gestohlen und versucht, in dessen nahe gelegenes Haus einzubrechen, was bellende Hunde vereitelten.

Das Paar fuhr daraufhin zunächst vom Tatort weg, um bald darauf zurückzukehren. “Ich hab gesagt, wir müssen noch mal schauen, was mit dem ist, wir können den da nicht liegen lassen“, berichtete die Frau. Ihrer Schilderung der Tatnacht zufolge hat der Angeklagte, der bereits zweimal wegen Raubes im Gefängnis saß und zum damaligen Zeitpunkt drogenabhängig war, den leblosen Körper des Opfers aus dem Gebüsch geholt und im Kofferraum verstaut.

Ein weiterer Zeuge sagte aus, der 34-Jährige habe im Gefängnis nicht nur mit seinen Kontakten in die Neonazi-Szene, sondern auch mit dieser Tat geprahlt. “Da hat er gesagt, er hat jemanden geschlagen und auf die Gleise gelegt.“ Auch zu einem anderen Zeugen soll der Angeklagte gesagt haben: “Ich habe schon einen umgebracht.“

Ob das 49 Jahre alte Opfer noch lebte, als es von dem Zug überrollt wurde, blieb am Montag unklar. “Ich bin davon ausgegangen, dass er schon tot ist“, sagte die Fahrerin des Wagens. Die Anklage verwies jedoch darauf, der 34-Jährige habe den Mann “noch atmend“ auf die Schienen gelegt.

dpa

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