+
Neue Wohnmodule der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf.

Das sind die Vorwürfe

Asylbewerberheim: Mitarbeiter verklagt

Zirndorf - Das Kind einer Asylbewerber-Familie in Zirndorf hat sich eine schwere Blutvergiftung zugezogen. Jetzt wurden Mitarbeiter der Aufnahmeeinrichtung verklagt - auch wegen Körperverletzung.

Das Gesicht des Kleinkinds war bereits von Schmerzen gezeichnet, den Notarzt wollte aber niemand rufen: Mitarbeiter der Zentralen Aufnahmeeinrichtung (ZAE) in Zirndorf sollen einer Asylbewerber-Familie nicht geholfen haben, als deren eineinhalb Jahre alter Junge lebensbedrohlich erkrankt war.

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth habe Anklage gegen zwei Pförtner wegen vorsätzlicher Körperverletzung und gegen eine Angestellte wegen unterlassener Hilfeleistung erhoben, sagte Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke am Freitag und bestätigte damit einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Einem Arzt wird außerdem vorgeworfen, das Kind nicht sorgfältig genug untersucht zu haben.

Schwarze Flecken auf der Haut des Jungen

Der Fall selbst liegt bereits fast zwei Jahre zurück. Die Eltern hatten im Dezember 2011 in den Morgenstunden auf der Haut ihres Jungen schwarze Flecken entdeckt. Zudem wirkte er stark abwesend. Der Bitte, einen Mediziner oder Rettungswagen zu rufen, waren die Pförtner den Ermittlungen zufolge nicht nachgekommen. Die Eltern wurden zu einem Raum mit der Aufschrift „Arzt“ geschickt.

Statt auf einen Mediziner traf die Roma-Familie dort nur auf eine Angestellte. Obwohl die schwarzen Flecken mittlerweile größer geworden waren, wollte auch sie nicht helfen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass etwa eine Stunde verging, ehe es der Familie gelang, einen Krankenschein zu erhalten. Eine Mitarbeiterin des Sozialamts in der ZAE stellte diesen schließlich aus.

Ein Autofahrer brachte die Familie in die Klinik

Auch mit dem amtlichen Dokument war die Odyssee nicht zu Ende: „Die Pförtner haben den Rettungsdienst trotzdem nicht gerufen“, berichtete Antje Gabriels-Gorsolke. Die Familie sei mit einem Stadtplan zu Fuß zum Kinderarzt geschickt worden.

Erst durch die Hilfe eines Autofahrers, der die Familie mit dem regungslosen Kind auflas, kam der Junge in ärztliche Behandlung. In einem Krankenhaus wurde eine lebensbedrohliche Blutvergiftung diagnostiziert. Der Bub musste mehrere Monate behandelt werden. Er habe bleibende Schäden davon getragen, sagte die Oberstaatsanwältin.

Die Ermittlungen richten sich auch gegen einen Mediziner des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes. Er war bereits in der Nacht zuvor gerufen worden, weil die Eltern bei ihrem Kind Fieber vermuteten. Er soll den Jungen aber nur oberflächlich untersucht und kein Fieber gemessen haben. Er ist wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Wann der Fall vor dem Amtsgericht Fürth verhandelt wird, steht noch nicht fest.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Radlerin missachtet Vorfahrt - Frau stirbt, Auto überschlägt sich
Bei einem schweren Unfall in Zirndorf ist am Mittwoch eine Seniorin ums Leben gekommen. Sie war mit ihrem Fahrrad unterwegs, als sie ein Auto übersah.
Radlerin missachtet Vorfahrt - Frau stirbt, Auto überschlägt sich
Mit ewigem Eis auf Zugspitze kann es schon 2080 zu Ende gehen
Schon 2080 könnte das ewige Eis auf der Zugspitze komplett geschmolzen sein. Das zeigen Berechnungen des Landesamts für Umwelt. Lässt sich das hinauszögern – oder …
Mit ewigem Eis auf Zugspitze kann es schon 2080 zu Ende gehen
Autofahrer wird von Krankenwagen eingeparkt - und fährt ihn weg
Ein Autofahrer ist in Fürth ausgerastet, weil Sanitäter seinen Wagen zugeparkt hatten. Er schnappte sich die Schlüssel und fuhr das Rettungsfahrzeug weg. Dabei beließ er …
Autofahrer wird von Krankenwagen eingeparkt - und fährt ihn weg
Polizei zerschlägt mutmaßlichen Schlepper-Ring
Mehrere Jahre waren die Ermittler der Bande auf der Spur. Nun haben sie 18 Verdächtige festgenommen, die als Schlepper Flüchtlinge nach Europa brachten. 
Polizei zerschlägt mutmaßlichen Schlepper-Ring

Kommentare