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Fahnder mit Beute: Zollbeamte präsentieren den außergewöhnlichen Drogenfund.

Spektakulärer Drogenfund

Zoll macht fette Beute: Halbe Tonne Marihuana in Lkw versteckt

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Eine halbe Tonne Marihuana hat der Zoll in Oberfranken versteckt in einem Lkw entdeckt. Es ist der größte Einzelfund seit 2013. Der Kurier muss nun vor Gericht. Sorgen macht den Fahndern, dass der Profi-Schmuggel seit einigen Jahren wieder zunimmt.

Hof/München Ein schwerer, süßlicher Geruch zieht durch die weiß getünchten Gänge des Münchner Zollfahndungsamtes, vorbei an moosgrünen Türrahmen, fahlen Neonlampen und über graues Linoleum hinweg. Der Duft kommt aus einem Konferenzraum, in dem pralle Beutel voller Marihuanablüten auf einem anderthalb Meter hohen Haufen liegen, bewacht von zwei schnurrbärtigen Bewaffneten in minzgrünen Zolluniformen. Gut 550 Kilo Gras – das Zollfahndungsamt ist an diesem Tag der wohl größte Drogenbunker Oberbayerns.

Die Fahnder von Zoll, Polizei und Staatsanwaltschaft präsentierten gestern Bayerns größten Drogenfund der letzten Jahre: Bereits vergangenen Dezember hatte der Zoll das Marihuana auf einer Autobahnraststätte nahe dem oberfränkischen Hof sichergestellt. Es war in einem Lkw mit serbischem Kennzeichen versteckt. Der 61-jährige Serbe am Steuer und sein Landsmann auf dem Beifahrersitz wurden festgenommen.

Die Drogenkuriere flogen auf, weil den Zöllnern der scheinbar leere Laster auf dem Weg nach Hamburg verdächtig vorkam. Eine Röntgenkontrolle auf der Raststätte brachte dann das Drogenlager zum Vorschein: Hinter einer doppelten Wand zwischen Fahrerkabine und Laderaum steckte die Ware in 16 großen Taschen und einer Vielzahl kleiner Päckchen.

Laut Norbert Drude, Direktionspräsident des Zollkriminalamtes, stammt das Marihuana aus Albanien, einem der Hauptanbauländer der Droge in Europa. Seit einigen Jahren nehme die Zahl der illegalen Großtransporte zu, die von Osteuropa nach Deutschland kommen. Auch die Gesamtmenge steige. „Dahinter stecken organisierte Banden, die sich mit Kleinkram nicht zufrieden geben“, erklärt Drude.

Dass jüngst immer mehr solcher Fälle auftreten, liegt aber nicht nur an steigender Bandenaktivität. Auch die Arbeit der Fahnder habe sich laufend verbessert, betont der Zollamts-Chef. Ebenso funktioniere das Zusammenspiel mit den albanischen Behörden gut, sagt Drude. „Mehr oder weniger gut“, so formuliert es Rudolf Ertl, Vize-Chef des Zollfahndungsamtes München.

Dem geschnappten Drogenkurier wird nun der Prozess gemacht. Bei einer Verurteilung droht ihm eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren. Dem Beifahrer konnten die Staatsanwälte keine Schuld nachweisen. Er ist inzwischen wieder auf freiem Fuß, sein Verfahren wurde eingestellt.

Bleibt noch die Frage, was mit dem ganzen Gras – geschätzter Verkaufswert: fünf Millionen Euro – passiert. „Ganz ordentlich“, nennt Drude die Qualität. In Rauch aufgehen wird das Marihuana tatsächlich: Aber nur in einer Müllverbrennungsanlage. Bis dahin lagert es in der Aservatenkammer der Staatsanwaltschaft Hof. Die sei für solche Mengen eigentlich nicht ausgelegt, sagt ihr Leiter, Reiner Laib. „Wir werden ein bisschen stopfen müssen.“

Mitarbeit: Korbinian Hartmann

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