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Zu feucht für den Käfer

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Von: Dominik Göttler

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Angebohrt: Ein Stück Rinde einer Fichte, die vom Borkenkäfer befallen wurde. Im vergangenen Jahr fiel deutlich weniger Schadholz an.
Angebohrt: Ein Stück Rinde einer Fichte, die vom Borkenkäfer befallen wurde. Im vergangenen Jahr fiel deutlich weniger Schadholz an. © Lino Mirgeler/DPA

Verschnaufpause für Bayerns Wälder nach den Trockenjahren: Der Borkenkäfer kommt mit dem feuchten Wetter nicht zurecht.

München – Aufatmen im Staatswald. Im vergangenen Jahr war so wenig Holz vom Borkenkäfer geschädigt wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das teilten die Bayerischen Staatsforsten am Wochenende mit. Mit rund 710 000 Festmetern lag die Menge an Käferholz deutlich unter dem Wert der Vorjahre: Im Vergleich zum Hitzejahr 2019 sank die Zahl sogar um mehr als die Hälfte.

Dass der gefräßige Käfer sich vergangenes Jahr in Bayerns Wäldern nicht so stark ausbreiten konnte, liegt vor allem an der Witterung, wie Ludwig Straßer aus der Waldschutzabteilung der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft erklärt. „2021 war es deutlich kühler als in den Jahren zuvor und es hat mehr geregnet“, sagt er. Und das schmeckt dem Borkenkäfer gar nicht. Denn dessen Larven sind auf Wärme angewiesen, sie entwickeln sich deutlich langsamer, wenn es kühler ist. „Bei hoher Feuchtigkeit drohen ihnen außerdem Pilzkrankheiten“, sagt Straßer.

Nach mehreren Trockenjahren, die für den Käfer wie eine Brutkammer wirken, hat der viele Niederschlag außerdem die gestressten Fichten wieder robuster werden lassen. Die befällt der Borkenkäfer am liebsten. Doch wenn die Bäume genügend Harz bilden können, kann der sich einbohrende Käfer ausgeschwemmt werden. „Oder die Larven ertrinken im Harz“, erklärt Straßer. Dieser natürliche Abwehrmechanismus funktioniert aber nur, wenn die Käfermassen nicht zu groß werden.

Allerdings gilt die Entwarnung nicht für ganz Bayern. Die Staatsforsten stellten ein deutliches Nord-Süd-Gefälle fest. Während die Schäden etwa in Oberbayern verhältnismäßig niedrig ausfielen, bleibt etwa der Frankenwald einer von Bayerns Borkenkäfer-Hotspots. Und das nicht nur im Staatsforst, sondern auch im Privatwald. „Eigentlich hatten wir im vergangenen Jahr Glück mit dem Wetter“, sagt Hans Ludwig Körner, Geschäftsführer vom Bayerischen Waldbesitzerverband. „Aber in Franken haben wir Mitglieder, bei denen der gesamte Wald zerstört ist. Da gehen Lebenswerke einfach unter.“ Langfristig helfe da nur der schon seit Jahren laufende Umbau hin zu stabilen Mischwäldern, der von der Staatsregierung mit viel Geld gefördert wird. Denn auch, wenn es im vergangenen Jahr eine kleine Verschnaufpause gab: „Der Trend zu wärmerer und trockenerer Witterung wird sich fortsetzen“, sagt Ludwig Straßer.

Welche Borkenkäfermengen die Waldbesitzer in diesem Jahr erwartet, sei allerdings noch nicht wirklich abzusehen. „Momentan sieht es sehr gut aus, wir hatten gute Niederschläge in den vergangenen Wochen“, sagt Straßer. Er weiß aber auch: „Das kann schnell kippen.“

Die Staatsforsten geben sich zuversichtlich: „Aufgrund der geringeren Schäden und der geplanten kontinuierlichen Aufarbeitung in den bayerischen Staatswäldern rechnen wir auch 2022 mit deutlich niedrigeren Schadzahlen als in den letzten Jahren – sofern auch das Wetter mitspielt“, sagt Sprecher Jan-Paul Schmidt. Mit Blick auf den Holzmarkt stellt er zudem klar, dass trotz niedrigerer Schadensmengen in den bayerischen Staatswäldern ausreichend Nadelholz vorhanden sei, um die weiterhin hohe Nachfrage bedienen zu können.

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