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Ihn lässt die Kälte kalt. Die meisten Storchennester sind bereits besetzt. Hauptsache, im Umkreis gibt es genügend Nahrung. Nur die Lust am Balzen vergeht ihm bei den Minusgraden.

Zu kalt, um zu brüten

Eieiei! Zugvögel ändern ihren Flugplan

München - Der Winter will nicht weichen. Doch viele Zugvögel sind bereits wieder zum Brüten da – und werden kalt erwischt. Manch einer dreht deshalb einfach wieder ab.

Die innere Uhr tickt unbarmherzig. Sie befiehlt: zurück ins Heimatrevier! Denn wer zuerst kommt, kann sich noch die besten Brutplätze aussuchen. Millionen von Zugvögeln haben sich auf den Weg gemacht, aus dem warmen Süden zurück nach Deutschland. Nur um festzustellen: Der Winter ist ja immer noch da. Nach den milden Temperaturen im Januar und Anfang März ist das Thermometer zurück im Keller. Die Vögel reagieren unterschiedlich darauf. Zurückfliegen kommt nicht in Frage. „Kein Vogel würde umkehren“, sagt Heinz Sedlmeier vom Landesbund für Vogelschutz. „Das wäre viel zu anstrengend und reine Energieverschwendung.“

Einige Arten wie der Kiebitz weichen dennoch in südlichere Gefilde aus und ergreifen die „Wetterflucht“. Sedlmeier erklärt: „Wenn er eine kalte Witterung ausmacht, fliegt er eben woanders hin. Etwa zum Bodensee oder in andere, günstige Regionen.“ Andere Vögel, die nicht so gute Flieger sind, bekommen ein Problem: „Sie können umkommen, wenn es zu kühl ist.“

Wann es soweit ist, den warmen Süden zu verlassen, merken die Tiere mit erstaunlicher Präzision. „Nach manchen kann man die Uhr stellen“, sagt Sedlmeier. „Der Mauersegler kommt beispielsweise immer zwischen 25. und 30. April.“ Dabei orientieren sich die Vögel an der Tageslänge. Auch über tausende Kilometer finden sie zielsicher ins heimatliche Brutgebiet. „Sie können sich am Erdmagnetfeld orientieren, am Sternbild oder der Sonne“, sagt Sedlmeier. Viele folgen auch einfach Flußläufen oder halten sich an markante Geländeformationen.

Der Vogelzug hat in diesem Jahr erstaunlich früh begonnen. Schon im Januar, als in Deutschland sehr mildes Wetter herrschte, waren die ersten Kraniche auf dem Weg nach Norden. Besonders früh machen sich grundsätzlich die Männchen auf den Weg in die Brutgebiete Nordeuropas. „Dabei begeben sie sich in Lebensgefahr, um sich die besten Plätze zu sichern“, erklärt Sedlmeier. Denn wenn sich das Wetter als weniger gut herausstellt, die Nahrung knapp wird und die Kälte Kraft kostet, wird es eng für manch gefiederten Freund. Wer aber sein Revier markieren kann und überlebt, darf sich auf einen fruchtbaren Sommer freuen – und bleibt garantiert nicht einsam: Denn die Weibchen lassen sich nicht nur vom virtuosen Balzgesang anlocken. Sprich: Der Vogel mit der schönsten Hütte, bekommt selbige meist auch voll.

„Die Feldlerche ist schon da“, sagt Sedlmeier. Auch der exotisch klingende Zilpzalp sollte bald im Anflug sein. Er verdankt seinen lautmalenden Namen seinem markanten Gesang.

Von den frostigen Temperaturen unbeeindruckt bleiben die Störche. Sie lassen die Minusgrade kalt. „Viele Nester sind schon besetzt“, meldet Matthias Werner von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt. Die Störche balzten zwar seit der Rückkehr der Kälte weniger, aber wichen nicht zurück, sondern blieben auf den Nestern. Einige Graureiher brüten bereits.

Doch Besserung ist in Sicht. In den nächsten Tagen wird es deutlich wärmer. Schon übernächste Woche soll das Thermometer bis auf 15 Grad klettern. Die Vögel können sich also getrost auf den Rückflug in die Heimat machen. Es sind noch jede Menge Brutplätze frei!

Von Tassilo Pritzl

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