Zu viele Milliarden machen Volksbanken Kummer

Bayerns Volks- und Raiffeisenbanken teilen ein Corona-Problem mit den Sparkassen: Die Kunden bringen zu viel Geld.

München - Bayerns Volks- und Raiffeisenbanken ächzen unter der Last immer neuer Milliarden, die sich auf den Kundenkonten sammeln. Im ersten Halbjahr sind die Bankeinlagen ein weiteres Mal um gut 2 Milliarden auf nunmehr über 147 Milliarden Euro angewachsen. Das berichtete Jürgen Gros, der Präsident des bayerischen Genossenschaftsverbands, am Freitag in München.

„Ich gehe davon aus, dass wir wieder ein Jahr haben werden mit belastendem starken Einlagenzufluss“, sagte Gros dazu. Eine Belastung ist eine Mehrung der Kundengelder deshalb, weil Banken Kundengelder, die nicht als Kredite ausgereicht werden, selbst als Einlagen bei anderen Banken deponieren. Dafür werden dann wegen der Minuszinspolitik der EZB Negativzinsen fällig, die in wachsendem Umfang auch an Privatkunden weitergereicht werden. Die Sparkassen leiden unter einem identischen Problem.

Die Corona-Pandemie hatte bereits im vergangenen Jahr die Bankeinlagen bundesweit stark anschwellen lassen, Ursache war der durch Lockdowns und Reisebeschränkungen verursachte Konsumstau. Doch die von manchen Ökonomen erwarteten Nachholeffekte sind nach Einschätzung der Volks- und Raiffeisenbanken nicht in Sicht. Selbst wohlhabende Menschen kauften sich nicht jedes Jahr ein neues Auto, sagte Gros dazu. „Auch die Reisetätigkeit ist nich so ausgeprägt wie in früheren Jahren.“

Der Genossenschaftsverband ist die Dachorganisation der 222 bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken. Die Mehrheit der Kunden muss aber nach Gros Worten keine Negativzinsen zahlen. „In der Regel haben wir Negativzinsen ab sechsstelligen Beträgen, das ist bei unserer Kundengruppe nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme.“ Anders ist das jedoch bei neuen Kunden, von denen manche Häuser bereits Negativzinsen ab dem ersten Euro verlangen.

Ansonsten jedoch sind die genossenschaftlichen Regionalbanken den Angaben nach gut durch die Krise gekommen. „Unsere Bankvorstände haben einen sehr positiven Ausblick auf das nächste halbe Jahr gegeben“, sagte der GVB-Präsident. Gros erwartet für dieses Jahr bessere Ergebnisse als zu Jahresbeginn angenommen. Das Kreditgeschäft wächst nach wie vor sehr stark: Im ersten Halbjahr reichten die VR-Banken 121,3 Milliarden aus, 3,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Bei den Regionalbanken wächst jedoch der Verdruss über die Politik, insbesondere im laufenden Bundestagswahlkampf. Gros kritisierte die politischen Forderungen, Negativzinsen zu verbieten, Dispogebühren und Geldautomatengebühren zu deckeln oder Beratungsprovisionen zu verbieten. „Was mir Sorgen macht, ist die angekündigte Verbotsorgie“, sagte der GVB-Chef. Denn sämtliche neuen Vorschriften ließen die Erträge weiter schrumpfen, die durch die Zinspolitik der EZB in den vergangenen Jahren ohnehin zusammengeschmolzen seien. dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare