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Sicherheit bei der Bahn muss auch fürs Personal gelten. Die Zahl der Übergriffe steigt aber.

Übergriffe auf Bahnpersonal

„Zufriedene Fahrgäste sind keine Aggressoren“

München - Bei der Bahn nehmen die gewaltsamen Übergriffe auf das Bahnpersonal immer mehr zu. Ein Interview mit dem Betriebsrat der DB Fernverkehr.

1200 Übergriffe sind im Jahr 2013 als strafrechtlich relevant eingestuft worden – im Vorjahr waren es 1000. Wir sprachen mit Vinzenz Horvat, Vorsitzender des Betriebsrates der DB Fernverkehr AG am Standort München, und seinem Stellvertreter Jürgen Reiter.

Herr Horvat, haben Sie persönlich einen Anstieg der Überfälle gespürt?

Der Sicherheitsbericht ist eine deutschlandweite Datenerhebung. Die Steigerung um 200 Übergriffe ist sicherlich nicht zu unterschätzen, persönlich bemerke ich aber nicht, dass bei verbalen Übergriffen die Tendenz steigt.

Welcher Fahrgast ist typischerweise ein Aggressor?

Jeder Fahrgast ist anders, daher kann man das nicht kategorisieren. Da ist der Geschäftsmann, der von Termin zu Termin hechtet und permanent gestresst ist. Wenn dann noch die Kaffeemaschine im Zug defekt ist, reißt ihm der Geduldfaden. Dann gibt es natürlich noch andere, zum Beispiel den betrunkenen Fahrgast, der kein Ticket hat und die Fahrpreisnachberechnung nicht einsehen will. Egal welcher Typ – unser Personal kriegt immer die Wut eines erbosten Fahrgastes zu spüren.

Liegt das an der Uniform?

Indirekt, ja. In der Wut bündeln sich im Gemüt des Fahrgasts die negativen Erfahrungen mit der Bahn. Der Repräsentant in Form des Bahnangestellten ist der Leidtragende. Er kriegt den ganzen Frust ab. Wir müssen zusehen, dass die Bahn ihr schlechtes Image überarbeitet. Zufriedene Fahrgäste wären keine Aggressoren.

Herr Reiter, die Bahn bringt Übergriffe auf ihr Personal konsequent zur Anzeige. Mit welchen Tatbeständen?

Das reicht von Beschimpfungen bis zur Handgreiflichkeit. Beschimpfungen kann man aber nicht zahlenmäßig erfassen. Das steckt der Mitarbeiter so weg. Betrunkene hantieren beispielsweise gerne mit Bierflaschen und werfen diese nicht selten auf unsere Mitarbeiter. Letztes Jahr hatten wir einen besonders schweren Fall: Eine Mitarbeiterin wurde von einem bisher unbekannten Mann auf das Gleis gestoßen. Der einfahrende Zug konnte gerade noch rechtzeitig abbremsen.

Nach einer solchen Situation hat man sicher einen Schock. Hilft die Bahn den Geschädigten?

Aber natürlich. Wir seitens des Betriebsrates bieten kostenlose psychologische Betreuung nach traumatisierenden Erlebnissen an. Das ist zum Glück die Ausnahme – wir wollen es gar nicht erst so weit kommen lassen. Schon in der Ausbildung erfahren unsere Mitarbeiter, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen. Wir als Betriebsrat bieten allen Mitarbeitern die Möglichkeit, an einem kostenlosen Selbstverteidigungskurs teilzunehmen. Sollte ein Mitarbeiter einmal ein Problem haben, kann er sich auch anonym bei einer kostenlosen Hotline melden.

Das Interview führte Alexander Gropp

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