+
Güterzug in Bayern: Ende August geriet ein fast 2000 Tonnen schweres Gefährt außer Kontrolle (Symbolbild).

Katastrophe mit Glück verhindert

Zug in Bayern außer Kontrolle: Verdacht richtet sich gegen Lokführer

  • schließen

Ein Geisterzug raste durch die Oberpfalz – und medial durch ganz Deutschland: Der führerlose Güterzug hat Ende August großes Aufsehen erregt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Lokführer.

Update vom 11. September: Irrenlohe – Zwei Loks, 19 Waggons, insgesamt 1900 Tonnen schwer, rauschten am 22. August 2019 durch die Oberpfalz. Die Situation erinnerte an den Film „Unstoppable“ – in dem US-Streifen ist Star-Schauspieler Denzel Washington der heldenhafte Lokführer, der zusammen mit einem Kollegen das „Biest“ (so heißt der Zug im Film) schließlich stoppen kann.

So viel Glück hatten die beiden Lokführer des Güterzugs auf dem Weg von Cheb/Eger nach Wiesau (Kreis Tirschenreuth) nicht. Ihr Zug ratterte ohne Bremsen über 90 Kilometer auf der Strecke bergab, fuhr durch Wiesau durch und weiter an Marktredwitz und Weiden vorbei, ehe er schließlich bei Irrenlohe (nördlich von Schwandorf), wo das Gelände flacher wird, sanft ausrollte. Die beiden Lokführer an Bord waren hilflos. Ein Notfallmanager der Deutschen Bahn fuhr den Güterzug dann in Schrittgeschwindigkeit auf ein Abstellgleis. Diese Fahrt verlief glimpflich, weil Fahrdienstleiter der DB die Strecke vom Gegenverkehr freihielten. 

Güterzug: Fahrlässiges Verhalten der beiden Lokführer?

Doch den Lokführern drohen strafrechtliche Konsequenzen. „Es wird ein Ermittlungsverfahren geführt“, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Weiden, Gerd Schäfer unserer Zeitung. Der Verdacht richte sich gegen die beiden Lokführer, denen die Gefährdung des Bahnverkehrs und ein gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr zur Last gelegt werden könnte – sofern es zum Verfahren kommt. Strafbar wäre das nach Paragraph 315 des Strafgesetzbuches. Entscheidend werde sein, ob es wirklich zu konkreten Gefährdungssituationen gekommen ist, sagte Schäfer. Die Bundespolizei Waldmünchen, die die Ermittlungsarbeit durchführt, wird dazu auch die Fahrdienstleiter befragen. 

In 14 Tagen könnte das abgeschlossen sein, schätzt der Pressesprecher. Außer Frage steht offenbar der Fehler, den die beiden Lokführer begangen haben. Sie sollten den Holzzug im Auftrag des Freilassinger Unternehmens K-Rail nach Wiesau bringen. Beim Ankuppeln der Loks missachteten sie Vorschriften. So wurde eine vorschriftsmäßige Bremsprüfung höchstwahrscheinlich unterlassen. So rollte der Zug mit einem geschlossenen Luftabsperrhahn in der Hauptbremsleitung bergab. Nach Angaben von K-Rail wurden beide Lokführer fristlos entlassen. Während hier eine Katastrophe verhindert werden konnte, passierte Anfang 2016 ein schlimmes Unglück: Wie eine Reporterin das Zugunglück von Bad Aibling erlebte, lesen Sie hier.

Güterzug rauscht ungebremst durch die Gegend - Politik schlägt Alarm

Update vom 29. August: Nachdem ein tonnenschwerer Güterzug mit Tempo 100 km/h ungebremst durch die halbe Oberpfalz rollte, fordert die SPD nun eine schnelle Aufklärung des gefährlichen Vorfalls. Die verkehrspolitische Sprecherin Inge Aures kritisiert, dass die Öffentlichkeit nicht direkt, sondern erst Tage später informiert worden sei. Es habe sich nicht um eine Bagatelle gehandelt, sagte sie am Donnerstag. Der Vorfall müsse sehr ernst genommen werden. Von der Staatsregierung will sie wissen, wie und wann diese davon erfahren hat und welche Konsequenzen sie zieht.

Ein Güterzug rauschte führerlos durch die Oberpfalz (Symbolbild). 

Am 22. August war der aus dem tschechischen Eger kommender Güterzug ungebremst durch die Oberpfalz gerollt - die beiden Lokführer konnten das Fahrzeug nicht stoppen. Ein Unfall konnte nur verhindert werden, weil mehrerer Fahrdienstleiter schnell eingegriffen und die die Signale entlang der Strecke auf Grün stellten. Der Güterzug konnte nicht gebremst werden, da die Lokführer im Vornherein Vorschriften missachtet hatten.

„Reichen die Vorgaben und Richtlinien zur Sicherheit aus, um einen solchen Fall in Zukunft zu verhindern?“, fragt Aures und fordert, das Sicherheitssystem zu prüfen. Nach gut 90 Kilometern rollte der von einem privaten Unternehmen eingesetzte Güterzug im Landkreis Schwandorf schließlich aus und blieb stehen. Die Bundespolizei ermittelt wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr.

Güterzug rollt mit Tempo 100 durch die halbe Oberpfalz

Erstmeldung vom 26. August: Schirnding – Das ging gerade noch mal gut: Wie ein Geisterzug rollte ein tonnenschwerer Güterzug durch die halbe Oberpfalz. Niemand konnte ihn stoppen – und nur mit viel Glück und dank der Reaktionsschnelligkeit einiger Fahrdienstleiter ist kein Unglück geschehen.

Der Geschäftsführer des Unternehmens K-Rail GmbH in Freilassing, Günther Pitterka, spricht von einer „Fehlhandlung zweier Lokführer“, die Vorschriften missachtet hätten. Ein technisches Versagen sei auszuschließen, die Loks seien noch am Donnerstag wieder freigegeben worden und auch seitdem wieder im Einsatz.

Führerloser Güterzug in der Oberpfalz: Bundespolizei ermittelt

Die beiden Mitarbeiter sind indes freigestellt – die Bundespolizei ermittelt wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Auch die Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchung wurde eingeschaltet. Die Behörde entschied allerdings, dass eine formale Untersuchung nicht eingeleitet wird, so Sprecher Gerd Münnich gegenüber unserer Zeitung. Schließlich sei kein schwerer Unfall passiert. Es liege am Eisenbahn-Unternehmen selbst, „die notwendigen Vorbeugungs- und Korrekturmaßnahmen zu ergreifen“.

Der Zug war am Donnerstagnachmittag in Cheb/Eger in Tschechien gestartet, beladen mit Holz. K-Rail war für die Salzburger Eisenbahn Transportlogistik GmbH unterwegs. Ziel war Wiesau in der Oberpfalz. Zwei Diesel-Lokomotiven unterschiedlicher Bauart – ein Siemens-Euro-Runner ER 20 und eine Güterzuglok von Vossloh G 1700 – wurden vorgespannt. Beim Aneinander-Kuppeln der Loks und dem Verbinden der Bremsschläuche muss den Lokführern ein Fehler unterlaufen sein – welcher, ist Gegenstand von Ermittlungen. Auch die zwingend vorgeschriebene Bremsprobe wurde nicht durchgeführt – nach Lage der Dinge ein schweres Versäumnis. 

Jedenfalls ließ sich der Zug, einmal ins Rollen gekommen, auf der nach Schirnding stets abschüssigen Strecke nicht mehr stoppen. Die beiden Lokführer auf der vorderen Lokomotiven fuhren die ganze Zeit mit, konnten ihren Zug aber nicht stoppen. „Wir werten das als gefährliches Ereignis“, sagt ein Bahnsprecher.

Güterzug rast durch Bayern: Fahrdienstleiter haben „super reagiert“

Nach Darstellung der Bahn konnte ein Unglück nur durch das reaktionsschnelle Handeln der acht Fahrdienstleiter von DB Netz entlang der Strecke verhindert werden. Sie stellten die Fahrstraße auf grün. Das heißt, alle Signale wurden so geschaltet, dass kein entgegen kommender Zug die Strecke befahren konnte. „Die haben super reagiert“, heißt es Bahn-intern.

Tatsächlich rollte der Zug mit Tempo 100 km/h durch mehrere Bahnhöfe, unter anderem Markredwitz und Weiden, ehe er dann in der flachen Gegend sanft ausrollte und zwischen Nabburg und Schwarzenfeld zum Stehen kam. Insgesamt war der Geisterzug etwa 94 Strecken-Kilometer unterwegs, heißt es im Online-Forum „Drehscheibe“, wo der Vorfall rege diskutiert wird. Gegen 18 Uhr konnten alle Gleissperrungen aufgehoben werden. Und die Bahn-Leute schnauften mutmaßlich tief durch.

Dirk Walter

Am Watzmann ereignete sich am Samstag ein schlimmer Bergunfall. Beim Abstieg stürzte ein Bergsteiger aus dem Raum Regensburg - und fiel 150 Meter.

In einem Wohngebiet in Kümmersbruck (Lkr. Amberg-Sulzbach) ist bei Bauarbeiten eine Bombe entdeckt worden. Wenige Tage später entdeckten Spezialisten eine zweite Bombe. Ein anderer Unfall konnte durch das Eingreifen von zwei Männern verhindert werden. Die beiden Landschaftsgärtner stoppten auf der A94 bei Mühldorf eine Geisterfahrerin. Wie merkur.de* berichtet, ist ein 13-Jähriger über einen unbeschrankten Bahnübergang geradelt, blieb jedoch dank der schnellen Reaktion des Lokführers unverletzt.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mann (18) stirbt nach schwerer Bauchverletzung auf der Straße: Mutmaßliche Tatwaffe sichergestellt
Er lag auf der Straße: Ein 18-Jähriger verstirbt nach einer schweren Bauchverletzung, nun fahndet die Polizei nach einem unbekannten Täter. 
Mann (18) stirbt nach schwerer Bauchverletzung auf der Straße: Mutmaßliche Tatwaffe sichergestellt
Schrecklicher Unfall: Arbeiter in Getreidesilo verschüttet - Hilfe kommt zu spät
Tragische Nachrichten aus Massing in Niederbayern: Ein Lagermitarbeiter fiel beim Arbeiten in ein Getreidesilo. Jede Hilfe kam zu spät: er konnte nur noch tot geborgen …
Schrecklicher Unfall: Arbeiter in Getreidesilo verschüttet - Hilfe kommt zu spät
Tragischer Unfall mit Lkw: Baby stirbt nach Notkaiserschnitt
Ein besonders tragischer Verkehrsunfall ereignete sich im Unterallgäu: Werdende Eltern krachten in einen Lkw. Ihr Baby verstarb später im Krankenhaus. 
Tragischer Unfall mit Lkw: Baby stirbt nach Notkaiserschnitt
Nach „Kuchengipfel“: Verbot bleibt - Kita begründet Entscheidung 
In einem Kindergarten in Bissingen dürfen Eltern keinen Geburtstagskuchen mehr mitbringen. Die Eltern sind empört - trotzdem bleibt das Verbot. 
Nach „Kuchengipfel“: Verbot bleibt - Kita begründet Entscheidung 

Kommentare