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Der Railjet ist das neue Aushängeschild der Österreichischen Bundesbahn und fährt zunächst einmal, später fünf Mal am Tag von München nach Wien und zurück.

Fahrplanwechsel bei der Bahn

Zugfahren wie im Flugzeug

München - Der Fahrplanwechsel bei der Bahn am Sonntag bringt den Passagieren rund um München einige Neuerungen, bei der S-Bahn werden neue Nachtzüge eingeführt. Auch die Ticketpreise ziehen wieder an.

Wenn es gegen den Autoverkehr geht, halten selbst Bahn-Konkurrenten zusammen. Kein Wort der Schadenfreude kommt Bastian Goßner, Sprecher der Bayerischen Regiobahn (BRB), über die Lippen, wenn er auf die missliche Lage der Deutschen Bahn angesprochen wird. Die BRB als Tochtergesellschaft der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) fährt ab Sonntag mit nagelneuen, modernen weiß-blauen Dieseltriebzügen auf der Strecke Augsburg-Geltendorf-Weilheim-Schongau. Sie lösen die alten Schienenbusse der Deutschen Bahn ab, die dort noch größtenteils verkehrten. Die DB wiederum wollte die Fahrgäste rund um Augsburg ebenfalls mit einem neuen Fahrzeug verwöhnen – doch der sogenannte Fugger-Express erhielt bisher keine Zulassung. Überall im Bundesgebiet wurden Züge und Loks zusammengebettelt, um die versprochenen Verbesserungen einhalten zu können. Ein Überblick über die Neuerungen in und um München:

München-Augsburg: Trotz der „ärgerlichen Fahrzeugprobleme“, wie es DB Regio-Chef Norbert Klimt ausdrückt, bietet die DB ab sofort einen Halbstundentakt zwischen der Landeshauptstadt und der Schwaben-Metropole, die Zahl der Züge wird von 50 auf 77 erhöht. Erst im Sommer, so munkelt man, werden die modernen Triebwagen von Hersteller Alstom einsatzbereit sein. Dafür geht in St. Afra bei Mering ein neuer Haltepunkt in Betrieb, der 1003. in Bayern.

Augsburg-Schongau: Den Bahnhof St. Afra steuert auch die Bayerische Regiobahn an, allerdings biegt sie dann auf die Ammerseebahn nach Weilheim und weiter nach Schongau ab. Probleme gab es bei den Testfahrten keine, obwohl Hersteller kurioserweise ebenfalls Alstom ist. „Es ist kein ganz neuer Zug, sondern ein bewährtes Fahrzeug, das es bereits 300 Mal in Deutschland gibt“, so Goßner. Mit den modernen Triebwagen bringt die BRB 18 Prozent mehr Zugleistung auf die Schiene, künftig geht es stündlich von Augsburg ohne Umsteigen nach Schongau und im Berufs- und Schülerverkehr abschnittsweise sogar halbstündlich. Dank des fertiggestellten viergleisigen Ausbaus zwischen Augsburg und Mering kann der Stundentakt regelmäßiger als früher gehalten werden. Nur in Weilheim wird jeder zweite Anschlusszug verpasst, weil in Raisting ein Ausweichgleis fehlt. „Aber da sind wir schon in Gesprächen mit der DB Netz“, sagt Goßner.

S-Bahn: Nach dem Ende des Tempolimits können wieder alle Züge planmäßig verkehren, auch die gestrichenen Züge auf der S 2 Dachau- Ostbahnhof und der S 5 Deisenhofen-Germering fahren wieder. Ab Anfang Januar sollen auch die S-Bahn-Türen wieder automatisch schließen, wenn alle erweiterten Lichtschranken in Betrieb sind – das Frieren im Zug ist dann Vergangenheit. Neu sind tägliche Nachtzüge: Partygänger haben die Möglichkeit, je nach Richtung zwischen 1:20 und 1:55 Uhr (Abfahrt Marienplatz) noch nach Hause zu kommen.

München-Wien: Ein Höhepunkt im Fahrplanwechsel ist der neue Railjet der Österreichischen Bundesbahn. Dieser neue Zug soll „der ICE des Alpenlandes werden“, sagt Erich Forster, Leiter Personen-Fernverkehr bei der ÖBB. Besonderheit des lokbespannten Zuges, der mit allen Stromsystemen zurechtkommt und 230 km/h schnell ist, ist eine Premium-Klasse wie im Flugzeug – es gibt dort also neben Zweiter und Erster quasi noch eine Luxus-Klasse. Dort warten für 25 Euro Aufpreis bequeme Sessel und Verpflegung inklusive. „Da kann man mal die Füße hochlegen“, sagt Forster, der optimistisch mit einer 50-Prozent-Auslastung rechnet. Ab Sonntag wird erst ein Railjet täglich von München nach Wien und zurück fahren, dazu ein ICE und vier Eurocity-Züge. Im Laufe des nächsten Jahres sollen Letztere durch Railjets ersetzt werden. Insgesamt sind diese sechs Züge eine Verdoppelung des jetzigen Angebots.

Zudem gibt es weitere neue Verbindungen nach Österreich, darunter eine tägliche Verbindung von München über Mühldorf nach Linz in Europas Kulturhauptstadt 2009. Dazu gibt es neu täglich einen direkten ICE München-Lübeck sowie München-Dresden.

Fahrpreise: Zum Fahrplanwechsel wird Bahnfahren bei der DB erneut teurer, im Schnitt um 3,9 Prozent. Das beliebte Bayernticket kostet am Automaten künftig einen Euro mehr und damit 28 (Gruppe) bzw. 20 Euro (Single). Die BOB wird im Schnitt nur um 2,5 Prozent teurer.

Boris Forstner

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