Zugunglück mit elf Toten

Bad Aibling: Polizei warnt vor Problemen mit Bahn-Funkgeräten 

Bad Aibling - Nach neuen Erkenntnissen geht das Bahnunglück in Bad Aibling auf eine tragische Verkettung gleich mehrerer Irrtümer zurück. Ein technischer Defekt gilt als "ausgeschlossen".

Das schwere Zugunglück im bayerischen Bad Aibling ist nach Angaben der Landesregierung auf einen doppelten Irrtum des Fahrdienstleiters zurückzuführen. „Es war eine ganz besonders tragische Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Bild-Zeitung (Dienstag; online Montag). Nachdem der Mann die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig freigegeben hatte, sei ihm noch ein weiterer verhängnisvoller Fehler unterlaufen.

„Der Fahrdienstleiter hat, als er seinen ersten Irrtum bemerkte, einen ersten Warn-Funkspruch an die beiden Lokführer schicken wollen“, schilderte Herrmann weiter. „Er hat - möglicherweise aus Aufregung - jedoch die falsche Taste gedrückt. Der Funkspruch ging an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung. Die haben sich daraufhin bei ihm gemeldet. Daraufhin schickte der Fahrdienstleiter einen zweiten Funkspruch an die Lokführer. Diesmal drückte er die richtige Taste, aber da war es schon zu spät.“

Aufgrund der Ermittlungen, die Innenminister Joachim Herrmann jetzt publik machte, haben Polizei und Staatsanwaltschaft an die Deutsche Bahn AG eine "Warnmeldung" geschickt. Der Konzern wurde vergangenen Dienstag (22. März) über eine potenzielle Fehlerquelle "bei der Abwicklung des Funkverkehrs" informiert. Dies erklärte der Traunsteiner Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese am heutigen Vormittag. Offenbar ist die Bedienung der Funkgeräte, wie der Aiblinger Fall zeige, missverständlich. Eine "Fehlbedienung" sei nicht ausgeschlossen. Wie die Deutsche Bahn reagiert - ob sie nun alle bundesweit eingesetzten Funkgeräte überprüft oder gar austauscht - ist bisher nicht bekannt.

Zugunglück bei Bad Aibling: Höchstwahrscheinlich Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Herrmann zog ein bitteres Fazit: „Wäre der erste Funkspruch bei den Lokführern angekommen, hätte das Unglück womöglich noch verhindert werden können. Das ist ganz besonders tragisch.“ Nun laufe es auf eine Anklage des Fahrdienstleiters wegen fahrlässiger Tötung hinaus. „Es sind mittlerweile auch alle technischen Defekte ausgeschlossen: Die Züge waren technisch völlig in Ordnung, inklusive der Bremsen. Das Funknetz hat funktioniert, ebenso alle Stellwerk-Funktionen.“

Schweres Zugunglück bei Bad Aibling - Die Bilder

Bei dem Frontalzusammenstoß zweier Regionalzüge auf der Strecke Holzkirchen Rosenheim waren am 9. Februar elf Menschen ums Leben gekommen und 85 Passagiere teils lebensgefährlich verletzt worden. Das Bahnunglück gilt als eines der schwersten in der Geschichte der Bundesrepublik.

dw/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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