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Zwei Kräne sind im Einsatz.

Schwere Aufräumarbeiten

Helfer: "Die Wrackteile sind unberechenbar"

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    Katrin Woitsch
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Bad Aibling - Selbst für Experten ist dieser Einsatz eine Herausforderung. Seit Mittwoch sind bis zu 150 Männer und Frauen mit der Bergung der Unfallzüge von Bad Aibling beschäftigt. Aber ein Ende ist in Sicht.

In unserem Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen nach dem Zugunglück von Bad Aibling auf dem Laufenden.

Bernd Reinartz, Ortsbeauftragter des THW in Bad Aibling.

Die beiden Kräne arbeiten sich langsam voran, Meter für Meter. Von beiden Seiten der Unglücksstelle versuchen sie, die zertrümmerten Zugteile auseinander zu ziehen und zu bergen. Die Arbeit ist mühsam – und extrem gefährlich. Denn die Trümmer der beiden Züge, die bei Bad Aibling nahezu ungebremst ineinander gerast sind, haben sich durch die Kollision verkeilt. Sie stehen unter enormer Spannung. „Die Wrackteile sind unberechenbar“, sagt Bernd Reinartz, der Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerks (THW) in Bad Aibling. „Sie können sich jeder Zeit mit Wucht lösen, abrutschen oder kippen.“

Bei Flutlicht und Schnee kämpfen sich die Einsatzkräfte in der Nacht auf Donnerstag voran. Um Mitternacht müssen sie abbrechen – die Arbeit in der Dunkelheit ist zu gefährlich. Am frühen Morgen geht es schon weiter. Rund 50 THW-Kräfte schneiden Zugteile mit schwerem Werkzeug auseinander. Boote bringen Motorsägen, Trennschleifer und Ketten an den schwer zugänglichen Unfallort.

Kräne im Einsatz - aber für Wrackteile ungeeignet

Die beiden Kräne, die die Deutsche Bahn aus Fulda und Leipzig angefordert hat, ziehen die tonnenschweren Wrackteile auseinander. Sie hieven die weniger beschädigten hinteren Waggons wieder auf die Schienen oder auf Rollkonstruktionen; fünf Wagen können bis zum Mittag zu den nächstgelegenen Bahnhöfen geschleppt werden. Immer wieder müssen die Kräne zurückrollen und den Weg für die Abschlepp-Loks freimachen. Was nicht mehr weggerollt werden kann, Trümmer und Wrackteile, muss später auf Tieflader oder Flachbettwagen geladen werden. Wie das funktionieren wird, weiß auch Reinartz noch nicht. „Die Zufahrt zur Unglücksstelle ist für diese Fahrzeuge viel zu schmal.“

Es ist ein Einsatz, wie ihn Reinartz noch nie koordinieren musste. Er ist seit Mittwochmorgen am Unglücksort. „Es die ungünstigste Stelle der ganzen Bahnstrecke“, sagt er. Sie liegt zwischen einem bewaldeten Hang und dem Mangfall-Kanal. Das Gleisbett ist sehr schmal, außerdem liegt die Unglücksstelle in einer Kurve. „Wir können nicht abschätzen, wie der Einsatz weiter verläuft“, sagt Reinartz. Wrackteile könnten den Hang hinunterrutschen, wenn die beiden Züge voneinander gelöst werden. „Dieses Gewicht können wir nicht sichern.“

Dabei sind die Spezialkräne für sehr komplizierte Einsätze gemacht. Der schwerere von beiden, Typ Multitasker 1200, wiegt 111 Tonnen und kann bis zu 160 Tonnen heben. Besonders wertvoll macht ihn, dass er in fast jeder Lage arbeiten kann – sein Teleskoparm kann parallel zum Gleis ausgefahren werden, Oberleitungen oder Bäume sind also kein Problem. Die Deutsche Bahn besitzt drei dieser Kräne und zwei kleinere – sie sind nur für Notfälle reserviert.

Sonntag als Ziel

Noch ist unklar, wie lange es dauern wird, alle Trümmer zu bergen. „Ich hoffe, dass wir die Gleise spätestens bis Samstag frei bekommen“, sagt Reinartz. Einige der Helfer sind seit Dienstag im Einsatz. Zeit zum Nachdenken hatten sie bisher kaum. Unter Stress, sagt Reinartz, werden Emotionen ausgeblendet. Er weiß nicht mal, ob unter den Opfern Bekannte von ihm sind.

Donnerstag, punkt 12 Uhr, gab es eine Schweigeminute an allen Bahnhöfen in Bayern. Per Durchsage wurden die Fahrgäste gebeten, für ein paar Momente der Verstorbenen zu gedenken – und für die Verletzten zu beten. In den Zügen und Bussen des französischen Betreibers Transdev, zu der die Bayerische Oberlandbahn (BOB) gehört, wurde der Opfer weltweit gedacht.

Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist noch unklar. Die dritte Blackbox ist noch verschollen. Sie könnte Aufschluss über Geschwindigkeit und Bremsung geben. Ein Polizeisprecher sagte, möglicherweise komme man morgen an die Box heran.

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