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Das Zugunglück bei Bad Aibling – zwei Monate danach starb ein 46-jähriger Mann. Er ist das zwölfte Todesopfer.

39-Jähriger sitzt nach Zugunglück in U-Haft

Bad Aibling: Das berichtet ein Kollege des Fahrdienstleiters

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Bad Aibling - Die Tragödie von Bad Aibling nimmt kein Ende: Es gibt ein 12. Todesopfer, der Fahrdienstleiter sitzt in U-Haft. Ein Kollege von ihm unternimmt Erklärungsversuche. 

Ein Fahrdienstleiter, der bis kurz vor der Kollision zweier Meridianzüge mit dem Handy spielt – dieses neue Ermittlungsergebnis der Traunsteiner Staatsanwaltschaft lässt auch bei der Deutschen Bahn aufhorchen. Dort hat man sich bislang im Stillen um den betroffenen 39-jährigen Bahnbediensteten gekümmert, ihm wohl auch signalisiert, dass es für ihn eine existenzwahrende Perspektive gebe – wenn das Zugunglück eines Tages auch strafrechtlich bewältigt ist. 

Doch Daddeln am Handy während der Arbeitszeit – das sei klar verboten, sagte ein DB-Sprecher für Infrastruktur gegenüber unserer Zeitung. Glasklar heiße es in der Fahrdienst-Vorschrift mit der Regelwerks-Nummer 408, Mitarbeiter im Bahnbetrieb, also auch Fahrdienstleiter, „dürfen Ton-, Funk-, Fernseh- oder Datenverarbeitende Geräte nur betreiben, wenn diese für das Verrichten der ihnen übertragenen Tätigkeiten erforderlich ist“. Bei einem Computerspiel aber sei das definitiv nicht der Fall. Ob die Fürsorgepflicht der DB auch nach einer längeren Haftstrafe noch greifen wird, war bis Mittwoch unklar – fahrlässige Tötung kann mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden.

Konsequenzen aus dem Unglück will die Deutsche Bahn nicht ziehen, bisher jedenfalls nicht. Allen Fahrdienstleitern in Deutschland die bloße Mitnahme eines Handys an den Arbeitsplatz zu verbieten, komme nicht in Frage. Dann könne auch niemand in der Pause telefonieren, wäre für Frau oder Kinder nicht erreichbar. Das wolle niemand, sagte der Bahnsprecher. Außerdem: Wie solle man das kontrollieren? Eine Videoüberwachung am Arbeitsplatz scheide völlig aus, auch gebe es schon aus Kostengründen keine Pläne, jedes noch so kleine Stellwerk aus Prinzip mit Doppelbesetzung auszustatten, damit ein Bahnbediensteter den anderen kontrolliere.

Tragödie von Bad Aibling: Das sagt ein Kollege des Fahrdienstleiters

Ein Fahrdienstleiter aus Oberbayern, mit dem unsere Zeitung seit dem Zugunglück in Kontakt steht, zeigte sich betroffen über den Kollegen. Der Mann will anonym bleiben, sein Name ist unserer Redaktion bekannt. „Im Gegensatz zum schillernden Fluglotsen hat unser Job ja leider wirklich kein tolles Image“, erklärte er – die Arbeit gelte als „bieder, langweilig und angestaubt“. In Wahrheit sei es aber ein spezialisierter, verantwortungsvoller Beruf mit „nicht übermäßiger“ Bezahlung.

Der Fahrdienstleiter monierte auch, dass die Ausbildung nachgelassen habe. Früher habe sich jemand auf einer „Stufenleiter“ hochgearbeitet – vom Schrankenposten über den Weichenwärter bis zum „König“ Fahrdienstleiter. Man sei mit Herzblut Eisenbahner gewesen. Heute würden auch Anfänger „von der Straße weg“ genommen, 90 Tage eingearbeitet und sie könnten nach einer mehrwöchigen Einweisung am Stellwerk dann anfangen. Das müsse die Bahn überdenken. Allerdings sei der betroffene Kollege in Bad Aibling ja ein Mann mit langjähriger Erfahrung gewesen.

Zugunglück von Bad Aibling: Das sagt ein Opfer

Bernhard G., dem beim Zugunglück das linke Bein zertrümmert wurde und der inzwischen in der Reha ist, zeigte sich erschüttert. Zur „tz“ sagte er: „Wegen so einem blöden Handyspiel ist jetzt mein Fuß kaputt und so viele Menschen trauern um ihre Liebsten.“ Der 36-Jährige wird zwar kommende Woche entlassen, doch es kann noch bis zu zwei Jahre dauern, bis er wieder laufen kann.

Just gestern, am Tag nach den Enthüllungen der Staatsanwaltschaft, ist in einem Münchner Klinikum ein weiterer Fahrgast gestorben. Der 46-Jährige aus dem Landkreis Rosenheim war beim Zugunglück schwer verletzt worden. Er ist wahrscheinlich das zwölfte Todesopfer des Zugunglücks – doch die Todesursache steht noch nicht zweifelsfrei fest.

Am Mittwoch ist ein zwölftes Opfer des Unglücks bei Bad Aibling in München gestorben

Just am Mittwoch, am Tag nach den Enthüllungen der Staatsanwaltschaft, ist in einem Münchner Klinikum ein weiterer Fahrgast gestorben. Der 46-Jährige aus dem Landkreis Rosenheim war beim Zugunglück schwer verletzt worden. Er ist wahrscheinlich das zwölfte Todesopfer des Zugunglücks – doch die Todesursache steht noch nicht zweifelsfrei fest.

Schweres Zugunglück bei Bad Aibling - Die Bilder

Die Leiche des Mannes wird heute im Rechtsmedizinischen Institut in München obduziert – eine Routinemaßnahme, wie Stefan Sonntag vom Polizeipräsidium Oberbayern-Süd sagte. Theoretisch könne der Mann auch an einem Herzinfarkt oder einem Keim gestorben sein. Dies herauszufinden, sei wegen versicherungstechnischer Fragen von Bedeutung.

dw

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