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Trümmerfeld: Bei dem Zugunglück kamen zwölf Menschen ums Leben.

Prozess zu Zugunglück 

Die neun Minuten vor der Tragödie von Bad Aibling

Bad Aibling - In sieben Tagen beginnt der Prozess gegen den Fahrdienstleiter, der das Zugunglück von Bad Aibling verursacht hat. Die Anklageschrift ist das Protokoll einer verhängnisvollen Fehlerkette. 

Am 9. Februar 2016 beginnt Michael P. um 4.45 Uhr seine Schicht im Stellwerk Bad Aibling. Zwei Stunden später prallen auf der Strecke Holzkirchen-Rosenheim zwei Meridian-Züge fast ungebremst ineinander. 

Kurz darauf später steht fest: Die Tragödie, bei der zwölf Menschen ihr Leben verloren und 89 verletzt wurden, wurde durch menschliches Versagen verursacht. Immer wieder wird in den folgenden Wochen und Monaten versucht zu rekonstruieren, was zwischen 4.45 und 6.47 Uhr passiert ist. Endgültig wird diese Fragen das Landgericht Traunstein klären. 

Kommenden Donnerstag beginnt der Prozess gegen den 39-jährigen Michael P. Nun liegt die Anklageschrift vor. Sie ist das Protokoll einer verhängnisvollen Kette von Fehlern.

5.11 Uhr

Fahrdienstleiter Michael P. startet im Stellwerk Bad Aibling auf seinem Handy das Computerspiel „Dungeon Hunter 5“ – ein Mittelalter-Rollenspiel, bei dem sich der Spieler durch eine Fantasy-Welt kämpfen muss. Die Fahrdienstvorschrift untersagt die Nutzung von privaten Mobiltelefonen im Stellwerk. P. hat 20 Jahre Berufserfahrung. Er kennt das strikte Verbot, das er an diesem Morgen ignoriert.

6.38 Uhr

P. spielt noch immer „Dungeon Hunter 5“, er rekrutiert einen Krieger. Kurz unterbricht er sein Spiel, um dem Meridian 79506 aus Rosenheim das Signal für freie Einfahrt in den Bahnhof Kolbermoor und gleichzeitig freie Ausfahrt in Richtung Bad Aibling zu geben. Das Signal ist falsch – P. ist beim Nachsehen im Kreuzungsplan um eine Zeile verrutscht. Er geht davon aus, dass sich der Meridian 79506 und der Meridian 79505 im Bahnhof Bad Aibling kreuzen – und nicht wie vorgesehen im Bahnhof Kolbermoor. Deshalb gibt er dem entgegenkommenden Zug 79505 Signal zur Einfahrt auf Gleis 2 in Bad Aibling.

6.40 Uhr

Michael P. bemerkt seinen Fehler und ändert die Einfahrt des Zuges 79505 in Bad Aibling auf Gleis 1. In der selben Minute kauft er in seinem Onlinespiel etwas im Internet. Zeitgleich erreicht der Meridian aus Rosenheim den Bahnhof Kolbermoor. Laut Fahrplan müsste er dort fünf Minuten warten bis zur Weiterfahrt Richtung Bad Aibling – bis zum Eintreffen des Meridians 79505. Doch P. hatte das Signal für freie Ausfahrt an diesem Tag ja bereits gesetzt. Das ist ihm nicht mehr bewusst, als er bemerkt, dass er in der Zeile verrutscht war.

6.42 Uhr

Der Meridian 79505 aus Holzkirchen kommt im Bahnhof Bad Aibling an.

6.43 Uhr

P. gibt dem Meridian 79505 freie Ausfahrt aus Bad Aibling. Dafür braucht er ein Sondersignal. Denn das normale grüne Signal kann er nicht mehr setzen, weil er dem Zug aus Kolbermoor bereits die Weiterfahrt auf der eingleisigen Strecke freigegeben hatte.

6.45 Uhr

Der Meridian 79506 verlässt den Bahnhof Kolbermoor in Richtung Bad Aibling. Michael P. beendet sein Handyspiel.

6.46 Uhr

P. bemerkt, dass er den beiden entgegenkommenden Zügen freie Fahrt für die eingleisige Strecke gegeben hat. Er will das Ausfahrtssignal für den Meridian 79506 in Rosenheim wieder auf Rot stellen – doch der Zug hat den Bahnhof bereits verlassen. Über das Mobilfunknetz der Bahn setzt er einen Notruf ab: „Achtung Betriebsgefahr zwischen Kolbermoor und Bad Aibling. Züge sofort anhalten.“ Kurz darauf sendet er einen zweiten Notruf mit demselben Text. Doch beide Male drückt er eine falsche Taste. Die Notrufe erreichen nicht die beiden Zugführer, sondern nur das Streckenpersonal.

6.47 Uhr

Die beiden Züge kollidieren zwischen Bad Aibling und Kolbermoor. Die Unglücksstelle liegt in einer Kurve – beide Zugführer konnten sich erst kurz vor dem Zusammenprall sehen. Sie hatten keine Chance mehr, rechtzeitig zu bremsen.

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