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Landwirte mit Leib und Seele. Familie Sappl (oben) bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb im Kreis Weilheim-Schongau. Im Winter sind die Kühe samt Nachzucht im Stall, im Sommer auf der Weide. Sappls planen einen neuen Kuhstall. Eine Investition, die genau überlegt sein will.

Situation der Milchviehhalter

Die Zukunft hängt vom Milchpreis ab

Pähl/Antdorf – Er ist überlebenswichtig. Der Milchpreis, den die bayerischen Milchviehhalter von den Molkereien bekommen, ist die Grundlage für die Investitionen der Zukunft. Viele Milchbauern sind auf weitere Einnahmequellen angewiesen.

Kaum etwas ist die vergangenen Jahre so leidenschaftlich diskutiert worden, wie der Milchpreis für die bayerischen Bauern. Von diesem Preis hängt die Stimmung einer ganzen Region ab, ist sich Landwirt Moritz Sappl (60) sicher. Schon seit 700 Jahren bewirtschaften seine Vorfahren den Leonhardthof in Gröben bei Antdorf (Kreis Weilheim-Schongau). Die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern: Sohn Moritz junior (22) will den Hof übernehmen. Zusammen mit seinem Vater plant er, den landwirtschaftlichen Betrieb zu erweitern und einen neuen Kuhstall zu bauen. Bis zu 1,5 Millionen Euro könnte der neue Stall kosten. Um solch eine Investition stemmen zu können, müsse allerdings das künftige Einkommen des Hofenerben gesichert sein. Und genau da sehen die Milchbauern Probleme.

Rund 25 Kilometer vom Hof der Sappls entfernt bewirtschaftet Georg Popp zusammen mit seiner Frau Irene einen Milchviehbetrieb. Die Popps haben bereits vor 15 Jahren investiert und einen Milchviehstall aus Holz gebaut, in dem rund 60 Milchkühe Platz haben. „Die Basis für die Finanzierung damals war der Milchpreis von 67 Pfennig“, erzählt Popp. „Es hat sich schnell herausgestellt, dass die Finanzierung nicht haltbar ist.“ Zwar liegt der Milchpreis heute bei rund 38 Cent, jedoch hätten sich auch die Nebenkosten bei der Milchviehhaltung die letzten 15 Jahre erheblich erhöht. Ein großes Problem sei der Pachtpreis von Flächen, sagt Georg Popp. „Für eine Pachtfläche, für die ich vor vier Jahren 120 Euro im Jahr bezahlt habe, musste ich heuer 450 Euro bieten und hab den Grund trotzdem nicht bekommen“, berichtet Popp. Der Grund liegt seiner Meinung nach bei den Biogasbetrieben, die die Pachtpreise nach oben treiben.

Einen Tiefpunkt erreichte der Milchpreis 2009 mit 21 Cent pro Liter. Die Landwirte im Süden Bayern reagierten mit einem großangelegten Milchstreik. Tausende Liter Milch schütteten deutsche Bauern auf ihre Äcker. Die Ausgaben für Futter, Treibstoff oder Dünger waren teilweise doppelt so hoch wie die Einnahmen durch den Milchverkauf. Georg Popp konnte sich nicht mehr rein auf die Einnahmen aus der Milchproduktion verlassen. Er baute sich weitere Standbeine auf. „Ich verkaufe Brennholz, übernehme Grünpflegearbeiten für Firmen, mache Winterdienst und habe nebenbei einen Agrarhandel“, erzählt der Landwirt.

Auch sein Kollege Moritz Sappl verlässt sich nicht mehr allein auf die Einnahmen durch den Milchverkauf und übernimmt zusätzlich Grünpflegearbeiten. Sappl und Popp sind Mitglieder im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), von dem der große Streik 2009 initiiert wurde. „Ein Milchpreis von 50 Cent im Süden wäre rentabel zum Wirtschaften“, sagt Hans Foldenauer, der Sprecher des BDM. Moritz Sappl ist sich hier mit dem BDM einig. Er sieht die Probleme bei der Politik und fordert, die Milchabgabemenge nach unten zu regulieren. „Wenn wir nur zwei bis vier Prozent weniger Milch liefern, wäre ihr Stellenwert und somit der Preis, den die Molkereien bezahlen, wieder ein anderer“, ist sich Sappl sicher. „Es geht nur über die Menge.“ Stattdessen aber läuft die Milchquote am 1. April 2015 aus. Laut des BDM hängen in Deutschland bis zu 250 000 Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich von der Milchviehhaltung ab.

Von Christian Chymyn

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