Das sind die Zukunftspläne des Vanessa-Mörders

Augsburg - Der Mörder der kleinen Vanessa aus Gersthofen hat konkrete Pläne, wie sein Leben nach der Haft aussehen könnte: Er will Konditor werden – und nach Nürnberg ziehen.

Noch ein Monat – dann will das Landgericht Augsburg darüber entscheiden, ob der Mörder der kleinen Vanessa (12) aus Gersthofen nach zehn Jahren Jugendhaft wieder frei kommt. Gestern ging es vor der Jugendkammer bereits sehr konkret um das Leben, das Michael W. (29) außerhalb der Gefängnismauern erwarten würde.

Zwar schickte Richter Lenart Hoesch die Öffentlichkeit nach draußen, als JVA-Mitarbeiter und Kripo-Beamte über die Vorkehrungen für eine eventuelle Freilassung berichteten. Doch die tz berichtete, dass der aus Ostdeutschland stammende Masken-Killer Michael W. Schwaben verlassen will. Er war nach der Wende mit seinen Adoptiveltern nach Bayern gezogen. Im Großraum Nürnberg will der 29-Jährige den Neustart wagen – und keinen Kontakt mehr zu seiner Adoptivmutter und ihrem neuen Partner aufnehmen. Sie hatten seinem ungehemmten Horrorfilm-Konsum keinen Einhalt geboten. Bei der Tat am Rosenmontag 2002 stellte er eine der gesehenen Szenen nach.

In der Justizvollzugsanstalt Ebrach, wo W. einen Großteil seiner Haftstrafe verbüßte, machte er eine Lehre zum Maler, die er mit der Note 1,3 abschloss. Dem Gutachter Helmut Kury verriet W., dass er „draußen“ noch eine Konditorlehre dranhängen möchte. „Das würde ihm Spaß machen.“ Allerdings hat das Landgericht Regensburg (zuständig für die JVA Straubing, wo W. zuletzt untergebracht war) für den Fall einer Entlassung bereits sehr restriktive Anordnungen erlassen: Er muss eine elektronische Fußfessel tragen, sich zweimal pro Woche einer Psychotherapie unterziehen, sich wöchentlich bei der Polizei melden. Richter Lenart Hoesch zitierte aus dem Beschluss: „Er darf keinen Alkohol zu sich nehmen, keinen Kontakt zu den Eltern von Vanessa und zu Kindern unter 18 aufnehmen.“ Zudem würde er fünf Jahre einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt bekommen. Verstößt er auch nur gegen eine der Auflagen, käme er sofort wieder in Haft – gesetzt den Fall, das Landgericht Augsburg verhängt am 9. Oktober nicht die nachträgliche Sicherungsverwahrung.

Dass die Verhandlung gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, hatte neben den Persönlichkeitsrechten des Mörders noch einen anderen pikanten Grund: Die Einrichtung für betreutes Wohnen bei Nürnberg, die W. aufnehmen würde, fürchtet die Reaktion der Öffentlichkeit. Richter Hoesch: „Sie könnte abspringen, wenn bekannt wird, dass W. dort untergebracht ist.“ Den Großraum Nürnberg hat W. deshalb gewählt, um die Therapiesitzungen mit einer Psychologin der JVA Erlangen fortsetzen zu können. Zu ihr hat er Vertrauen gefasst, mit ihr arbeitet er die Motive für seine unbegreifliche Tat auf. Allerdings sind sich alle Gutachter einig, dass bei Ärger im Job, Mobbing durch Kollegen oder erneutem Konsum von Horrorfilmen die Rückfallgefahr bei W. sprunghaft steigen würde. Gutachter Kury sagt: „Dann ist die Situation problematisch, dann würde er nicht irgendeine Körperverletzung begehen, sondern eine schwere Straftat.“  

mm

Rubriklistenbild: © Haag

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