Gute Nacht, Partnachklamm: Abseits der offiziellen Öffnungszeiten ist die Klamm bei Garmisch-Partenkirchen seit Kurzem gesperrt. Aus Haftungsgründen, wie die Gemeinde erklärt. Wanderer und Bergsteiger müssen Umwege in Kauf nehmen.

Was die Bergwacht empfiehlt

Wanderer sauer: Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen nachts geschlossen

  • schließen

Für Wanderer warten im September die goldenen Tage. Mit der Partnachklamm bleibt ein Nadelöhr für Touren rund um die Zugspitze vorerst nachts geschlossen. Viele Bergsteiger ärgert das.

Garmisch-Partenkirchen – Als die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen vor einigen Tagen auf ihrer Facebook-Seite einen Hinweis mit der Überschrift „Gute Nacht Partnachklamm“ veröffentlichte, rief das einen Sturm der Entrüstung hervor. Der Grund: Die Partnachklamm ist seit einer Woche nachts geschlossen. Wanderer, die vor 8 Uhr morgens oder nach 19 Uhr abends ankommen, stehen vor versperrten Gittertüren.

Das ärgert viele Bergsportler, denn die Klamm ist ein Nadelöhr auf dem Weg für eine ganze Reihe von Routen in Richtung Zugspitze oder ins Oberreintal. Und gerade bei längeren Touren wollen viele Bergsteiger eigentlich schon deutlich früher starten. Jetzt stehen sie frühmorgens sowie nach dem mühsamen Abstieg vor verschlossenen Toren.

Veranlasst hat die Schließung die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen, die für die Verkehrssicherung an der Klamm verantwortlich ist. Das Problem sei die Haftung für Unfälle, erklärt Sprecherin Ute Leitner. Würden die Eingänge offen bleiben, wenn keine Mitarbeiter mehr vor Ort sind, greife die Versicherung nicht. Das habe ein Gutachten ergeben. Zwar habe das Verbot schon vorher bestanden, heißt es aus der Gemeinde. Aber erst jetzt wird es auf Druck der Versicherung durchgesetzt. Da hilft es auch nichts, dass die Wandersaison gerade voll im Gange ist.

Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen: Auch im Gemeinderat gibt es Stimmen gegen die Sperrung

„Wir wissen, dass das für Wanderer keine zufriedenstellende Lösung ist“, sagt Leitner. „Wir sind selbst nicht glücklich damit.“ Deshalb gebe es derzeit Gespräche mit der Versicherung darüber, wie auch nachts ein Schadensfall abgedeckt werden könne. In der Hoffnung, dass die Sperren bald wieder aufgehoben werden können. Bis dahin geht es nur tagsüber durch die Klamm, das kostet für einen Erwachsenen fünf Euro. Ein einfaches Schild mit der Aufschrift „Betreten auf eigene Gefahr“, wie von vielen Facebook-Nutzern gefordert, sei jedenfalls auch keine Lösung, sagt Leitner. „Das ist juristisch leider ohne Belang.“

Auch der Gemeinderat hat nun über den Zugang zu dem einmaligen Naturdenkmal diskutiert. Mehrere Gemeinderäte sprachen sich gegen die Sperrung aus. Der örtliche Förster Walter Echter befürchtet, dass es vermehrt zu Notrufen kommen könnte, wenn erschöpfte Wanderer abends noch einmal für einen Umweg aufsteigen müssen. „Schon jetzt gibt es in dem Bereich jede Woche mindestens zehn Alarmierungen.“

Viele Wanderer verstehen die Einschränkung schon deshalb nicht, weil andere Klammen ihre Tore nachts nicht schließen. Die Gießenbachklamm bei Kiefersfelden etwa, oder die Starzlachklamm im Allgäu – durch beide kann auch nach den üblichen Besucherzeiten noch gegangen werden. Probleme habe es deshalb noch nie gegeben, heißt es von den Verantwortlichen. Die nur wenige Kilometer von der Partnachklamm gelegene Höllentalklamm sperrt ebenfalls nicht ab. Dort ist die Alpenvereinssektion Garmisch-Partenkirchen verantwortlich. Thomas Bucher vom DAV-Dachverband erklärt, dass sich nach seinen Informationen die Versicherungslage ändere, sobald kein Eintritt mehr verlangt wird. Dann greife die normale Haftpflichtversicherung des DAV, falls ein Schaden an einem Weg die Ursache für einen Unfall sei.

Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen: Das empfiehlt die Bergwacht Wanderern

Die Breitachklamm bei Oberstdorf ist abends hingegen ebenfalls gesperrt. Dort heißt es im Sommer: letzter Einlass 17 Uhr. Danach ist aus „Sicherheits- und Haftungsgründen“ dicht, wie Peter Rupprecht vom Breitachklammverein mitteilt.

Die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen mahnt Wanderer rund um die Partnachklamm, den „zeitlichen Mehraufwand“ bei der Tourenplanung zu berücksichtigen. Als rund um die Uhr begehbare Alternativrouten gibt die Bergwacht die Wege über die Laubhütte oder das Graseck ins Reintal an, sowie über die Partnachalm – sie alle sind aber deutlich zeitintensiver.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Eine Bluttat in besten Kreisen: Eliteschüler tötet seine eigene Mutter
Uli W. hat eingeräumt, seine Mutter Ute (53) umgebracht zu haben. Ein Richter hat am Freitag Haftbefehl erlassen,der 20-Jährige sitzt jetzt in U-Haft.
Eine Bluttat in besten Kreisen: Eliteschüler tötet seine eigene Mutter
Nach Mord an Mutter: Polizei nimmt auch den Freund des Sohnes fest
Mit enormen Aufwand setzt die Polizei die Puzzlestücke im Fall der getöteten Mutter aus Altenmarkt zusammen. Nachdem die Beamten bereits den Sohn verhaftet haben, nahmen …
Nach Mord an Mutter: Polizei nimmt auch den Freund des Sohnes fest
Mehr Polizeikontrollen bei umstrittenem Flüchtlingszentrum Manching
Das Asylbewerberzentrum in einer Ex-Kaserne im oberbayerischen Manching war schon immer umstritten. Nun will die Polizei dort mehr kontrollieren, weil die Zahl der von …
Mehr Polizeikontrollen bei umstrittenem Flüchtlingszentrum Manching
Verkehrsunfall auf der A8 - Ein Toter und ein Schwerverletzter
Bei einem Unfall auf der Autobahn A8 nahe Leipheim (Landkreis Günzburg) ist am Freitagmorgen ein Mensch gestorben. Ein weiterer wurde schwer verletzt.
Verkehrsunfall auf der A8 - Ein Toter und ein Schwerverletzter

Kommentare