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Versammelte Sternendeuter: Der Astronom Martin Gutekunst vor seinem privaten Planetarium in Eberfing. In der Hand seine Krippenfiguren der Heiligen Drei Könige, die der Bibel zufolge dem Stern bis zur Krippe nach Bethlehem gefolgt sind.

Zum Dreikönigstag

Gab es den Stern von Bethlehem? Astronom gibt Antwort

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Eberfing – Ein Stern wies den Heiligen Drei Königen den Weg zum Stall, in dem Jesus geboren wurde. So steht es in der Bibel. Ein Eberfinger Astronom erklärt, ob das so gewesen sein kann.

„Stern über Bethlehem, zeig’ uns den Weg. Führ’ uns zur Krippe hin, zeig’ wo sie steht.“ Natürlich hat auch Martin Gutekunst, 60, bei diesen Sätzen gleich eine Melodie im Ohr. Der Astronom aus Eberfing (Kreis Weilheim-Schongau) freut sich schon, wenn dieser Tage die Sternsinger an seiner Türe klingeln. „Das wird schön. Es gehört zum Brauch und unserer Kultur“, sagt er. Als Kind ist Gutekunst selbst bei den Sternsingern mitgelaufen. Heute macht sich der Berufspyhsiker bei den Liedzeilen vom Stern über Betlehem andere Gedanken als die Sternsinger. Gab es den Stern über Bethlehem wirklich?

Gutekunst zählt seine Sternwarte zu den besten drei des Landes

Sterne lassen staunen: Durch das Riesenteleskop lässt Gutekunst auch Besucher schauen.

Diese Frage beschäftigt Astronomen seit Jahrhunderten. Gutekunst hat alle Möglichkeiten, ihr auf den Grund zu gehen. Im heimischen Garten hat er sich seinen Jugendtraum verwirklicht: eine eigene Sternwarte. Das Holz-Konstrukt ist sein eigenes Reich. Er hat es am Reißbrett selbst konstruiert und innerhalb von acht Jahren in unzähligen Arbeitsstunden errichtet. 25 Tonnen Beton für das Fundament, vier Tonnen für die Säule des Teleskops. 2003 konnte er das erste Mal mit dem Teleskop gen Himmel blicken. Jetzt steht der Eberfinger in dem fünf Meter hohen Raum, schaut stolz auf die acht an der Wand hängenden Fotografien von Sternen, die er selbst gemacht hat. „Mit meinem Teleskop kann ich etwa drei Lichtjahre weit blicken“, sagt Gutekunst. Er zählt seine Sternwarte zu den drei besten in ganz Deutschland.

Doch der optimale Standort, die besten Geräte und die größte Erfahrung helfen dem Astronomen in einer Frage nicht weiter. „Ob es den Stern über Bethlehem gab, kann man nicht mehr aufklären“, sagt Gutekunst. Dabei würde er diese Frage liebend gerne beantworten. Zusammen mit seiner Frau Martina – er hat sie natürlich in einem Planetarium kennengelernt – bietet er Führungen an. Immer wieder fragen Besucher nach dem Stern über Betlehem. Dann muss das Ehepaar zugeben: Es gibt keine Theorie, die den Stern über Betlehem hundertprozentig bestätigt.

Gutekunst hat seine eigene Geschichte der Heiligen Drei Könige

Dabei gibt es davon einige. „Am wahrscheinlichsten ist eine Planetenkonjunktion“, sagt Gutekunst und holt ein Blatt mit einigen farbigen Linien hervor. Demnach sind sich Jupiter und Saturn im Jahr 7 vor Christus drei Mal sehr nahe gekommen – in dem Jahr, in dem nach Meinung vieler Wissenschaftler Jesus tatsächlich geboren wurde. Wenn sich Planeten so eng begegnen, sprechen Experten von einer Planetenkonjunktion. Die sorgt für ein helles Leuchten am Himmel und könnte eine Erklärung für den Stern über Betlehem sein. Gutekunst glaubt daran. Seine Geschichte der Heiligen Drei Könige geht daher so: „Es hat sieben Jahre vor Christus im August angefangen, im Oktober ist es noch einmal passiert. Dann haben die Astronomen vorhergesehen, dass im Dezember was Besonderes passiert.“ Tatsächlich trafen sich Jupiter und Saturn im Dezember noch einmal. „Die Babylonier waren sehr gute Astronomen“, sagt Gutekunst.

Und die anderen Theorien? Da wäre eine Supernova, die der berühmte Astronom Johannes Kepler im 16. Jahrhundert und auch viele seiner Kollegen vor allem in der Antike und im Mittelalter als Lösung des Rätsels favorisierten. „Davon müsste man aber heute noch Überreste finden“, sagt Gutekunst. Denn die hinterlässt ein Stern bei der Explosion an seinem Lebensende nun einmal. Auch einen Kometen schließt Gutekunst aus: „Das wäre zu kurzfristig.“ Zwei bis vier Wochen sei ein Komet maximal zu sehen. „Bis die Könige zusammenkamen, losgingen und ankamen, sind mehrere Wochen vergangen“, sagt Gutekunst und schüttelt den Kopf. Bei einem Meteor ginge es noch schneller. „Der blitzt auch auf, kann sehr groß sein, aber ist in wenigen Sekunden vorbei.“

Astronomie macht bescheiden: „Wir sind bloß ein Staubkorn“

Ausschließen lassen sich viele Theorien – einwandfrei nachweisen keine. Damit hat sich Gutekunst abgefunden. „Es gibt in der Astronomie noch andere große Fragen“, sagt er. Indem er selbst Teleskope baut, sie verbessert und forscht, will er ihnen nachgehen. Am liebsten aber sitzt der Eberfinger einfach unter seiner Kuppel im heimischen Garten.

Der Dreikönigstag ist mal wieder so eine Gelegenheit. Dann verbringt er bis zu vier Stunden in seiner Sternwarte. „Das macht sehr bescheiden und hilft, nicht jede Sache so eng zu sehen“, sagt der Astronom und erklärt: „Wir sind bloß ein Staubkorn. Im Vergleich zum Universum sind die Erde und der Mensch eigentlich sehr unbedeutend.“ Als Gutekunst das sagt, blickt er so bescheiden drein, wie er spricht. Dann fügt er hinzu: „Der Himmel wird durch die Luftverschmutzung immer schlechter. Vielleicht bekommt die heutige Astronomen-Generation gerade das Optimum zu sehen.“ Deshalb sitzt Gutekunst gerne in seiner Sternwarte, blickt in Ruhe durch sein Teleskop gen Himmel – und hofft einfach, einen guten Blick auf den sanft schimmernden Saturn zu bekommen.

Kostenlose Führungen für Interessierte

Familie Gutekunst bietet Interessierten kostenlose Führungen an. Die nächste ist am Samstag, 7. Januar, um 19 Uhr in der Escherstraße 12 in Eberfing geplant.

Alles Wissenswerte über den Dreikönigstag finden Sie außerdem hier.

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