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Die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland.

Innenminister Herrmann freut das

So viele Ausländer in Bayern wie nie zuvor

München - Sie kommen aus Nachbarländern, aber auch als Flüchtlinge aus Kriegsgebieten: Noch nie haben Statistiker in Deutschland so viele Ausländer erfasst wie 2014. Den größten Zuwachs hatte Bayern.

Die Zahl der Ausländer in Deutschland hat 2014 einen Höchststand erreicht. Zum Jahresende hielten sich fast 8,2 Millionen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Land auf, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gestern berichtete. Das war die höchste jemals registrierte Zahl seit Einführung des Ausländerzentralregisters 1967. Im Ländervergleich hatte Bayern den größten Zuwachs.

Von 2013 auf 2014 stieg die Ausländerzahl in Deutschland um 6,8 Prozent (519.300 Personen). Damit kommt fast jeder zehnte der 81 Millionen Einwohner aus einem anderen Land. Die Neuzugänge im Register stammen zu fast 60 Prozent aus EU-Mitgliedstaaten. Im Freistaat kamen 112.900 Ausländer hinzu. Das ist ein Plus von 8,6 Prozent. Insgesamt sind nun 1.418.684 Ausländer in Bayern registriert. Der Zuwachs in Oberbayern (8,2 Prozent) entspricht dem im gesamten Freistaat (siehe Grafik).

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) begrüßte gegenüber unserer Zeitung, dass so viele neue Ausländer im Freistaat leben. „Die Zahlen zeigen ganz klar: Bayern bleibt ungebrochen attraktiv.“ Als einen der Gründe sieht Herrmann die niedrige Arbeitslosenquote. Sie liege auch bei Ausländern deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. „Wir haben im Freistaat nach wie vor eine sehr erfolgreiche Integration“, sagte Herrmann. Er wünsche sich, dass auch außerhalb der großen Städte, mehr Migranten leben. Es sei notwendig, „die Räume außerhalb der Ballungszentren für die Menschen aus den EU-Mitgliedstaaten noch attraktiver zu machen“, betonte der Minister.

Auch bei der bayerischen Opposition begrüßt man die Entwicklung. „Für uns ist das eine ganz große Chance“, sagte die SPD-Abgeordnete Isabell Zacharias. „Ohne diesen Zuzug werden wir unsere Wirtschaftskraft nicht erhalten können.“ Allerdings sei die gestiegene Zahl an Ausländern auch eine „große Herausforderung“ – etwa für den Wohnungsmarkt in den Städten oder für das Bildungssystem. Im Ausland erworbene Bildungsabschlüsse müssten schneller anerkannt werden, und Bayerns Schulen müssten sich stärker auf die Kinder der Migranten einstellen.

Die meisten zusätzlichen Menschen in Deutschland kommen aus Rumänien (32,9 Prozent) und Bulgarien (24,8 Prozent). Aus Ungarn kamen 15,6 Prozent und aus Polen 10,5 Prozent mehr Menschen. Der Zuzug aus Euro-Krisenländern schwächte sich hingegen ab: Aus Spanien kamen 8,3 Prozent mehr, aus Griechenland und Italien je 3,9 Prozent mehr Zuwanderer.

Neben den EU-Ausländern sind 2014 aber auch außergewöhnlich viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Die Zahl der Ausländer aus Nicht-EU-Staaten wuchs 2014 um fünf Prozent (212.600 Menschen); 2013 waren es weniger als halb so viele gewesen. Den größten Anteil daran hatten Flüchtlinge aus Syrien, deren Zahl sich auf 61.300 verdoppelte. Wie schon in den Vorjahren ging die Zahl der Menschen mit türkischem Pass zurück – vor allem durch Einbürgerung.

Nach Bayern war Nordrhein-Westfalen (11.000) das Land mit den zweitgrößten Zuwachs an Ausländern. Darauf folgt Baden-Württemberg (80.200). Der prozentuale Anstieg war allerdings in den neuen Ländern stärker, Spitzenreiter war Brandenburg (plus 13,4 Prozent). Den geringsten prozentualen Anstieg verzeichnete Berlin (plus 1,9 Prozent). Im früheren Bundesgebiet einschließlich Berlin sind die meisten Ausländer Türken (19,4 Prozent). In den neuen Bundesländern gibt es mehr Polen, Russen, Vietnamesen, Ukrainer und Rumänen.

Til Huber und Sandra Trauner

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