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Tourismus in Bayern: Die CSU fordert mehr Qualität.

Zwang zum Stern: Druck auf Hoteliers

München - Der Tourismus in Bayern boomt, als hätte es nie eine Krise gegeben. Laut Erwin Huber (CSU) liegt dennoch einiges im Argen. Die Hoteliers sollen in die Gänge kommen, fordert er. Um mehr Druck auszuüben, könne man Zuschüsse an eine Bedingung knüpfen.

Krise? War da was? Fast vergessen. Jetzt ist wieder Zeit für Rekorde: Noch nie konnten die bayerischen Übernachtungsbetriebe in der ersten Jahreshälfte so viele Touristen verbuchen wie heuer, jubiliert Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Die alte Rekordmarke aus dem Jahr 2008 wurde um eine Viertelmillion getoppt. Das „Krisenjahr“ 2009 ausgenommen, feiert die Branche ein Rekordjahr nach dem anderen.

Dennoch beklagten die Hoteliers lange und lautstark unfaire Wettbewerbsbedingungen, vor allem in den Grenzregionen. „Sollte sich an den Rahmenbedingungen nichts ändern, werden viele Betriebe den Winter nicht überleben“, behauptete Siegfried Gallus, Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, im April 2009. Die Politik reagierte, senkte den Mehrwertsteuersatz von 19 auf sieben Prozent und erntete dafür heftige Kritik. Spätestens jetzt, fordert Erwin Huber, müsse die Branche in die Gänge kommen. Denn trotz Rekord auf Rekord gebe es „dringend Nachholbedarf“.

Hotelbetten gebe es genug. Nur: „Es fehlt an der Qualität.“ Im Schnitt kämen die Häuser lediglich auf eine Auslastung von rund 35 Prozent. Campingplätze seien nur zu rund 40 Prozent ausgebucht. Zu wenig für den CSU-Wirtschaftsexperten.

Auch beim Ski-Tourismus sieht Huber Probleme. „Wir haben 760 bis 800 Schlepplifte in unseren Bergen. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Und völlig unverständlich sei, dass 62 Prozent der Betriebe nicht online buchbar sind. „Wer nicht im Internet ist, den gibt es nicht.“

Und es gibt noch eine weitere Sache, die Huber ärgert: Nur rund 20 Prozent der Übernachtungsbetriebe hätten sich bislang nach dem Sterne-System klassifizieren lassen. „Enttäuschend“, sagt Huber - und denkt laut über eine neue Verordnung nach. „Wer Geld vom Staat will, der muss die Klassifizierung machen - das wäre eine Möglichkeit.“

Huber sieht die Branche in der Pflicht, heute mehr denn je. Vor allem wegen der angezählten Entscheidung, die Mehrwertsteuer zu senken. Selbst FDP-Generalsekretär Christian Linder hatte den Steuerrabatt als verfrüht bezeichnet. Jetzt will Huber Erfolge sehen, um die Entscheidung zu rechtfertigen.

„Habt den Mut, jetzt zu investieren“, ruft er den Hoteliers zu. Machen wir doch, rufen die zurück. Der Hotelverband listet 519 Betriebe auf, die „nachweislich 105 Millionen Euro investiert haben“, berichtet Pressesprecher Frank-Ulrich John. 100 Millionen, sagt Huber, wären aber viel zu wenig. „Wer eine solche Ermäßigung bekommt, muss einen deutlich größeren Schub auslösen.“

Huber weiß, dass es keine belastbaren Zahlen gibt. Rund 11 500 Betriebe im Freistaat profitieren vom Steuerrabatt. Lediglich 519 davon gaben dem Verband Rückmeldung. Nach dessen Prognose werden die Hotels in diesem Jahr mehr Geld investieren, als dem Staat Steuergelder verloren gehen. Doch auch dafür gibt es noch keinen Beleg.

Thomas Schmidt

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