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Sie überstanden eine Organtransplantation: Die Schiedsrichter Benjamin Findl (l.) und Stefan Loser.

Gemeinsame Krankengeschichte

Zwölf Jahre nach Organtransplantation: Merkur Cup führt diese Schiris wieder zusammen

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Stefan Loser und Benjamin Findl sind nicht nur leidenschaftliche Schiedsrichter, sie verbindet auch ein gemeinsames Schicksal. Zusammen haben sie eine Organtransplantation überstanden. Beim Merkur-Cup-Finale in Puchheim trafen sie sich nach zwölf Jahren wieder.

Puchheim - Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so still war es plötzlich im Puchheimer Stadion im Kreis Fürstenfeldbruck, als Uwe Vaders, Gesamtleiter des Merkur Cups, bei der Eröffnung des oberbayerischen Finalturniers der U11-Mädchen den Zuschauern vom Schicksal der beiden Schiedsrichter erzählte. „Ihr beide habt eine Leber- und Nierentransplantation hinter euch“, sagte er zum 27-jährigen Stefan Loser aus Grafrath und zum 15-jährigen Benjamin Findl aus Röhrmoos. „Beide habt ihr es überstanden und geht mit Freude durchs Leben.“ Die beiden Spielleiter haben sich von ihrem Schicksal nicht unterkriegen lassen. Sie beweisen vielmehr, dass man auch nach einer Organtransplantation sportlich, leistungsfähig, ehrgeizig und ausdauernd sein kann.

Das Schicksal hatte sie vor zwölf Jahren auf dem Krankenbett zusammengeführt. In einer Spezialklinik in Hamburg-Eppendorf sahen sich der damals vierjährige Benjamin und der 15-jährige Stefan zum ersten Mal. Beide litten an einer sogenannten polyzystischen Leber- und Nierenerkrankung. Und beide brauchten eine Spender-Niere und -Leber, um weiterleben zu können. Während des mehrwöchigen Klinikaufenthalts wurden sie zu Schicksalsgenossen.

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Kontakt auch wegen Altersunterschied auseinandergebrochen

Wieder zu Hause verloren sich Findl und Loser aus den Augen, obwohl ihre Wohnorte nur 35 Kilometer auseinander lagen. Der Altersunterschied war wohl zu groß, um auch später noch Kontakt zu pflegen. Der inzwischen erwachsene Loser arbeitet im Bauhof in Fürstenfeldbruck - Findl geht in Weichs (Landkreis Dachau) auf die Realschule. Doch zufällig haben beide dasselbe Hobby: Sie sind Fußball-Schiedsrichter geworden. Stefan Loser hat seine Schiedsrichterprüfung vor sechs Jahren erfolgreich abgelegt, Benjamin Findl vor drei Jahren. Außerdem spielt der 15-Jährige auch noch aktiv in der C-Jugend der SpVgg Röhrmoos Fußball.

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Dass sich die beiden nun ganz unverhofft wieder trafen, machte die Schiedsrichter-Besetzung beim Merkur-Cup-Finale in Puchheim möglich. Zwölf Jahre hatten sie sich nicht mehr gesehen. „Als wir uns da in der Umkleidekabine gegenüberstanden, habe ich Stefan nicht erkannt“, gestand Benjamin Findl. „Ich war ja damals noch so klein.“ Stefan Loser dagegen sagt: „Auch wenn der Beni inzwischen groß geworden ist, habe ich ihn gleich wiedererkannt.“ Über ihr gemeinsames Schicksal verloren die beiden jedoch nur wenige Worte. Nach einem kurzen Hallo unterhielten sie sich lieber ganz professionell über den Ablauf und ihren Einsatz beim Fußball-Turnier.

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Beide versicherten, dass ihnen die Leitung von Spielen als Schiedsrichter großen Spaß bereitet. „Das Wichtigste für mich ist, dass ich unter Leuten bin“, sagt Stefan Loser, der im vergangenen Jahr mit der höchsten Auszeichnung, die der Bayerische Fußballverband an U30-Vereinsmitarbeiter zu vergeben hat, geehrt wurde. „Das war für mich bisher das größte Erlebnis.“ Und damit auch sein Schicksalsgenosse das Wiedersehen so schnell nicht vergisst, schenkte Stefan Loser ihm einen Vereinswimpel seines Heimatvereins, der SpVgg Wildenroth.

Dieter Metzler

Der FFC Wacker entscheidet das Turnier für sich:


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