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Riskante Reise: Immer häufiger greift die Bundespolizei Flüchtlinge auf, die sich auf Güterzügen verstecken. In Österreich sind zwei Menschen ums Leben gekommen.

Drama auf Güterbahnhof hinter bayerischer Grenze

Bewusstlose Flüchtlinge von Lkw überrollt: Neue tragische Details

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München/Wörgl - In Österreich sind zwei Flüchtlinge ums Leben gekommen, als sie versuchten, versteckt auf einem Güterzug von Italien nach Bayern zu kommen. Sie wurden beim Entladen von einem Lkw überrollt – vermutlich waren sie wegen der Kälte bewusstlos.

Die Bundespolizei in München nennt es einen „gefährlichen neuen Trend“: Immer häufiger verstecken sich Flüchtlinge in Italien auf Güterzügen, um über die Grenze nach Deutschland zu kommen. In Bayern hat die Polizei die Kontrollen vor einigen Tagen intensiviert – denn die Reise ist mehr als riskant. 

In Österreich, rund 20 Kilometer vor der bayerischen Grenze, gab es nun den ersten bekannten tragischen Todesfall. Drei Flüchtlinge, die sich unter einem Lkw versteckt hatten, wurden beim Entladen überrollt. Ein Mann und eine Frau kamen ums Leben, ein weiterer Mann liegt schwer verletzt im Koma.

Lkw-Fahrer hatte keine Chance, die Menschen zu bemerken

Der Güterzug war aus Triest über den Brenner unterwegs nach Wörgl. Die Stadt liegt etwas südlich von Kiefersfelden. Dort sollten die tonnenschweren Laster in der Nacht auf Samstag gegen 1 Uhr vom Zug gefahren werden. „Von dem Moment, in dem die Lkw-Motoren gestartet werden, bis zu dem Moment, wenn sie von der Ladefläche rollen, vergehen 15 bis 20 Minuten“, berichtet ein Sprecher der örtlichen Polizei, der an dem Morgen selbst vor Ort war. Das Geräusch ist schwer zu überhören. Trotzdem sind die Flüchtlinge nicht aus ihrem Versteck gekommen. Die Polizei geht davon aus, dass sie durch die Kälte nicht mehr in der Lage dazu waren. „Die Temperaturen lagen im Minusbereich“, berichtet der Polizeisprecher. „Am Brenner werden es sicher Minus zehn Grad gewesen sein.“ Dazu kommt der Fahrtwind. Der Zug war ohne Zwischenstopps mit 80 bis 90 km/h unterwegs. Die Flüchtlinge hatten zwar Anoraks an, sie mussten aber bewegungslos viele Stunden unter den Lastern liegen. „Das ist schwer zu überstehen“, betont der Polizeisprecher. Der Lkw-Fahrer hatte keine Chance, die Menschen zu bemerken. „Der Güterbahnhof ist nicht beleuchtet“, erklärt der Polizeisprecher.

Flüchtlinge waren noch am Leben, als sie überrollt wurden

Zuerst war die Polizei davon ausgegangen, dass zwei der drei Flüchtlinge bereits erfroren waren, als der Zug in Wörgl hielt. Am Montag stellte sich allerdings heraus, dass sie noch am Leben waren, aber nicht mehr in der Lage, ihr Versteck zu verlassen. Die Identität der Opfer ist noch völlig unklar. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, da der Überlebende noch im kritischen Zustand im Koma liegt.

In Bayern ist es bisher noch nicht zu Todesfällen gekommen – vor allem deshalb, weil die Bundespolizei die Kontrollen seit einigen Tagen intensiviert hat. In Rosenheim und München sind allein seit Ende Oktober mehr als 180 Menschen aufgegriffen worden, die sich auf Güterzügen versteckt hatten. Täglich kommen neue Fälle dazu. Auch die Tragödie in Wörgl hat noch keine abschreckende Wirkung gezeigt. 

Allein in München hat die Polizei an den ersten vier Dezembertagen 37 Flüchtlinge aufgegriffen. Von den Kontrollen ist auch der Zugverkehr beeinträchtigt. Die Strecke zwischen Rosenheim und Kufstein muss immer wieder stundenweise gesperrt werden. Meridian setzt in diesen Phasen Ersatzbusse ein.

Lesen Sie hier unsere Reportage zum Thema: „Immer mehr Flüchtlinge verstecken sich auf Güterzügen - Die riskante Reise der Verzweifelten“.

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