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Vorsicht, wenn ein Mann zu viel verspricht und zu charmant ist

Zwei Rentnerinnen erzählen

Warum zwei Frauen einem Betrüger auf den Leim gingen

München - Sie träumten vom Glück. Doch was als Romanze begann, endete für zwei Rentnerinnen aus Oberbayern in einem Albtraum. Bärbel D. und Maria K. (Namen geändert) gingen einem Betrüger auf den Leim. Er brachte sie um mehr als 170.000 Euro. Uns haben sie ihre Geschichten erzählt.

Der Anruf traf Maria K. (65) wie ein Schlag. Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine Frauenstimme. „Ich glaube, wir haben einen gemeinsamen Bekannten“, sagte die Fremde. Und mit einem Mal geriet Maria K.s neues Leben, geriet ihr neu gefundenes Glück völlig aus den Fugen.

Die Stimme von damals, das war Bärbel D. Der gemeinsame Bekannte: Bernhard G. (64, Name geändert). Die heute 67-Jährige hatte mit dem Versicherungsmakler aus dem nördlichen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen schon einige böse Erfahrungen gemacht.

Zwei Jahre nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes fühlte sich Bärbel D. bereit, sich wieder auf einen neuen Mann einzulassen. Ihre Stiefschwester, die mit Hilfe eines Partnerportals im Internet Kontakte suchte, machte sie auf Bernhard G. aufmerksam. Anfang Januar 2006 trafen sich die damals noch im Postdienst beschäftigte Witwe, die in einem kleinen Dorf in der Hallertau lebt, und G. zum ersten Mal. Sie verstanden sich auf Anhieb. „Ich war nicht verliebt“, sagt D. Aber: „Ich habe gewisse Vorstellungen gehabt. Die hat er erfüllt.“

Der angeblich geschiedene Mann sei gebildet, rücksichtsvoll und aufmerksam gewesen, habe sich interessiert und fürsorglich gezeigt, auch im Umgang mit Bärbel D.s behinderter Tochter. „Da bin ich empfänglich.“ Mehrmals am Tag rief er an, schickte SMS und ließ sie wissen: „Schön, dass es Dich gibt.“ Auf Reisen nach Berlin und Budapest, Warschau und Wien, London, Prag oder Marienbad verwöhnte der Charmeur seine Begleiterin nach allen Regeln der Kunst, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. „Ich bin mir vorgekommen wie die Königin von Saba“, sagt D. „Es war immer einfach toll.“

Wo sie mit ihrem neuen Partner auch auftauchte, als Trauzeuge bei der Hochzeit ihrer besten Freundin oder bei der Familie ihres verstorbenen Mannes, hinterließ er einen tadellosen Eindruck. „Alle waren von ihm begeistert.“ Die Skepsis, mit der eine ihrer drei Töchter dem neuen Mann an ihrer Seite begegnete, prallte an der Mutter ab. „Ich habe wirklich geglaubt, die Stecknadel im Heuhaufen gefunden zu haben“, erzählt sie.

Gelegentlich aufflackerndes Misstrauen, etwa weil sie seine Wohnung ebenso wenig kennen lernen durfte wie seine drei Töchter, habe sie „weggedrückt, weil ich es einfach nicht glauben wollte“. Alle Warnsignale ignorierte sie. Auch als Bernhard G. 2007 plötzlich „ein riesiges Problem“ hatte und sie um finanzielle Hilfe bat. Sie gab ihm 25 000 Euro, er unterschrieb einen Schuldschein. „Das schien eine saubere Sache zu sein.“

Die ersten Geldgeschäfte, die der Anlageberater für seine neue Partnerin tätigte, brachten die versprochenen Renditen. So ließ sie sich 2008 überreden, ein Tagesgeldkonto in Tirol zu eröffnen, auf das sie fortan regelmäßig größere Beträge einzahlte. Dann wollte er sie überreden, ihre drei Häuser zu verkaufen. „Das ist doch Ballast. Das tut sich heute keiner mehr an.“ In dem Moment habe sie ganz hinten drin geahnt: „Irgendwas stinkt da.“ Deshalb drängt sie darauf, Belege und Aufstellungen des Kufsteiner Kontos zu sehen. Er vertröstete sie, hielt sie mit fadenscheinigen Ausreden hin.

„Irgendwann habe ich eine scheiß Angst bekommen“, sagt D. Die Treffen wurden weniger. Zwar fuhren sie noch nach Straßburg und Colmar, aber der Reise ins Elsass fehlte die Unbeschwertheit früherer Touren. Zu dieser Zeit versprühte Bernhard G. seinen Charme längst bei anderen Frauen, wie D. später erfahren sollte. Übers Internet suchte er weiter „eine Frau fürs Leben“.

Maria K., gelernte Hotelfachfrau und seit 20 Jahren geschieden, gefiel das. Anfang Januar 2010 lernte sie den agilen Senior, der ihr in natura nicht ganz so adrett erschien wie in seiner Internetpräsenz, persönlich kennen. Er besuchte sie anfangs häufig in ihrem Wohnort im Starnberger Fünf-Seen-Land, blieb auch über Nacht. „Ich hatte keinen Grund, daran zu zweifeln, dass er, wie er behauptete, von seiner Frau getrennt ist“, sagt K. Sie genoss die Aufmerksamkeiten ihres neuen Partners sehr.

Der 64-Jährige ging nach dem bekannten Schema vor. Er machte mächtig Eindruck, kam überall gut an. „Du siehst richtig glücklich aus“, bekam K. von ihrer Schwiegertochter zu hören, als sie mit ihm die Taufe ihres Enkelsohnes feierte. Erst als sie selbst nicht mehr arbeitete, störte es sie ein wenig, dass seine Besuche seltener wurden, er immer weniger Zeit hatte. Meist nannte der Geschäftsmann auswärtige Tagungen als Grund. Wenn sie deswegen nörgelte, bemühte er sich wieder etwas mehr, unternahm Ausflüge und Tagesreisen, flog mit ihr nach Barbados.

Der Finanzfachmann verhalf auch Maria K. zunächst zu schönen Renditen mit zwei Anlagegeschäften. Deshalb vertraute sie ihm bedenkenlos, als er ihr empfahl, die frei gewordene Eigentumswohnung zu verkaufen, statt sie erneut zu vermieten, und das Geld gewinnbringend auf einem Tagesgeldkonto in Tirol anzulegen. Nur die Familie ihres neuen Partners blieb immer außen vor.

Ernste Zweifel, sagt K., seien ihr erst gekommen, als sie nicht zur Hochzeit der Tochter ihres Partners eingeladen wurde. „Das hat schon weh getan. Ich war enttäuscht, gekränkt“, gesteht sie. „Aber immer noch nicht misstrauisch.“ Das änderte sich Anfang vergangenen Jahres blitzartig – und zwar an genau dem Tag, als Bärbel D. sie zu Hause anrief.

Nachdem alle Versuche, über den Verbleib ihres Geldes Auskunft zu bekommen, fehl geschlagen waren, hatte Bärbel D. sich mit kriminalistischem Gespür daran gemacht, weitere Frauen zu finden, denen der Finanzjongleur ebenso übel mitgespielt hatte wie ihr. Dabei war sie auf Maria K. gestoßen. „Ich war geplättet, konnte nichts sagen – und schon gar nichts tun. Ich konnte nicht glauben, was sie mir erzählte“, sagt K.

Erst Wochen später, als auch sie vergeblich um Auskunft über ihr Kufsteiner Konto bettelte und feststellen musste, dass das Geld weg war, entschloss sie sich, zusammen mit ihrer Leidensgenossin zur Polizei zu gehen und den Mann anzuzeigen. „Wir wollen unser Geld zurück. Und wir wollen, dass der Mann nie wieder einer Frau so etwas antut“, sagt Bärbel D. und ergänzt: „Das ziehen wir durch. Schließlich hat er uns ja beide sehr gut rechtsschutzversichert.“ Für einen Moment können sich die Damen ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Anfang April muss G. sich vor dem Strafrichter verantworten.

Rudi Stallein

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