Liebe stärker als Terror

Zwei Jahre nach Axt-Attacke von Würzburg: Opfer des Anschlags heiraten 

  • schließen

Nach der Axt-Attacke in einem Regionalzug in Würzburg vor zwei Jahren leiden die Opfer, chinesische Touristen, noch immer unter den Folgen des Anschlags. Doch es gibt auch gute Neuigkeiten. 

Würzburg – Vor zwei Jahren, am 18. Juli 2016, stürmte ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling mit einem Messer und einer Axt bewaffnet in einen Regionalzug bei Würzburg. Eine junge Chinesin, ihre Eltern und ihr Lebensgefährte wurden schwer verletzt. Sie waren zum Urlaub in Bayern. Die Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft (GDCF) hat die Familie damals begleitet. Der Vorsitzende Hans-Peter Trolldenier ist bis heute mit dem jungen Paar in Kontakt. Sie kämpfen noch immer mit den Folgen des Anschlags, berichtet er. Aber es gibt auch positive Neuigkeiten aus Hongkong.

Wie eng sind Sie mit dem chinesischen Paar noch in Kontakt?

Unser E-Mail-Kontakt ist nie abgerissen. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt. Die E-Mails schreibt immer Tungtung, aber sie erzählt darin auch von Edmund. Ich bin vergangenes Jahr im April auf eigene Kosten für knapp zehn Tage nach Hongkong geflogen und habe mich mehrfach mit den beiden Familien getroffen. Wir hatten viele Gelegenheiten, uns zu unterhalten.

Wie geht es dem Paar?

Hans-Peter Trolldenier: Vorsitzender der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft (GDCF).

Gesundheitlich geht es ihnen deutlich besser, aber sie kämpfen noch mit den Nachwirkungen des Anschlags. Man kann nicht sagen, dass alles wieder völlig in Ordnung ist. Edmund muss mindestens viermal im Jahr zu gründlichen medizinischen Nachuntersuchungen gehen. Und er muss Medikamente nehmen. Er arbeitet aber wieder Vollzeit, das bewundere ich sehr. Ich glaube, er ist sehr erfolgreich in seinem Job als Ingenieur. Tungtung hat nach der Rückkehr nach Hongkong ihren Arbeitsvertrag nicht mehr verlängert bekommen, aber sie hat eine neue Arbeit gefunden. Dort fühlt sie sich wohl. Aber sie erzählt mir oft, dass es sehr anstrengend ist.

Wie gut sind die seelischen Wunden verheilt?

Beide benötigen noch immer eine Psychotherapie – ohne geht es nicht. Das Trauma sitzt tief. Aber sie arbeiten daran und sind guter Dinge. Vor einigen Monaten haben sie mir berichtet, dass sie kommendes Jahr im Januar heiraten wollen. Das ist ein gutes Zeichen, finde ich. Die Vorbereitungen dafür laufen schon lange. Es scheint schwierig zu sein, ein großes Lokal zu finden. Denn zur Hochzeit sind rund hundert Gäste eingeladen.

Sie auch?

Bisher noch nicht. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass noch eine Einladung kommt. Ihre Verlobungsbilder und die Pre-Wedding-Fotos haben mir die beiden geschickt.

Als die beiden im Oktober 2016 nach Hongkong zurückkehrten, hatten sie große Geldsorgen. Die GDCF hat Spenden für sie gesammelt. Sind sie immer noch auf finanzielle Hilfe angewiesen?

Nein, inzwischen nicht mehr. Wir haben das Spendenkonto bereits vergangenes Jahr aufgelöst und ihnen alles überwiesen, was bis dahin eingegangen war. Es kamen sehr viele Spenden für die Familie. Auch in Hongkong hat die öffentliche Hand noch etwas dazugegeben. Damals ging es vor allem darum, dass die Familie die Miete weiterbezahlen kann – denn sie konnten ja alle lange Zeit nicht arbeiten. Die Mieten sind in Hongkong teuer, die Arztkosten aber auch. Die Krankenkasse deckt nicht alles ab. Aber inzwischen geht es bergauf. Die beiden leben sparsam.

Können sich die beiden vorstellen, noch mal nach Bayern zu kommen?

Tungtung hat einmal gesagt, sie könne sich das gut vorstellen. Sie haben nach dem Anschlag furchtbar gelitten. Aber in den Monaten danach hat sich ihr Bild von den Deutschen noch einmal grundlegend geändert. Die Behandlung im Krankenhaus war sehr gut. Wir von der GDCF sind viel mit ihnen durch Bayern gefahren, haben ihnen Sehenswürdigkeiten gezeigt, wir waren mit ihnen essen. Teilweise habe ich gesagt, um wen es sich handelt, wenn ich einen Tisch reserviert habe. Dann war dort immer besonders schön gedeckt. Das hat die Familie sehr gefreut. Heute haben sie ein sehr positives Bild von Deutschland und den Deutschen.

Lesen Sie zudem: Der IS lenkte die Attentäter von Würzburg und Ansbach

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kurios! Gefesselter Gefangener flüchtet vor Polizei - bei einer Beerdigung
Diese Meldung liest sich wie aus einem Film. Ein Gefangener hat offenbar bei einer Beerdigung die Gunst der Stunde genutzt und ist vor der Polizei geflüchtet. Er wird …
Kurios! Gefesselter Gefangener flüchtet vor Polizei - bei einer Beerdigung
Bahn-Chaos wegen Streik: Zugverkehr hat sich weitgehend stabilisiert
Die Tarifverhandlungen sind vorerst gescheitert. Die Gewerkschaft EVG organisierte für den Montagmorgen einen Warnstreik. Der Berufsverkehr im Raum München war stark …
Bahn-Chaos wegen Streik: Zugverkehr hat sich weitgehend stabilisiert
Riskantes Überholmanöver? Frau verliert ungeborenes Kind
Ein riskantes Überholmanöver einer Seniorin hatte für eine junge Frau womöglich schlimme Konsequenzen: Die Schwangere verlor durch eine Gurtprellung wohl ihr ungeborenes …
Riskantes Überholmanöver? Frau verliert ungeborenes Kind
Polizei-Hubschrauber bei Vermisstensuche attackiert
Weil er die Besatzung eines tief fliegenden Polizeihubschraubers mit einem Laserpointer geblendet hat, ist ein Mann zu einer Haftstrafe von 18 Monaten auf Bewährung …
Polizei-Hubschrauber bei Vermisstensuche attackiert

Kommentare