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Die glatte Böschung stellte die Einsatzkräfte vor einige Herausforderungen.

Übermut endet tödlich 

Unfall am Sudelfeld: Zwei junge Männer sterben beim Fahrtraining

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Oberaudorf – Für zwei junge Österreicher endete das Driften auf einem Parkplatz in Oberaudorf tödlich. Die Einsatzkräfte bargen das Auto aus einem Bach – doch im Krankenhaus erlagen die beiden Männer ihren Verletzungen.

Es ist der Schnee, der das Driften so reizvoll macht. Ein 20- und ein 21-Jähriger aus Kufstein (Tirol) wollten den rutschigen Untergrund am Dienstagabend nutzen, um mit einem Audi auf dem Parkplatz Himmelmoos in Oberaudorf (Kreis Rosenheim) zu driften. Beim Driften versuchen Fahrer durch Unter- oder Übersteuerung des Autos seitlich in Kurven zu rutschen. Der Audi der beiden Österreicher brach dabei am Heck aus, überschlug sich auf einer Böschung, ehe er auf dem Dach liegend im vereisten Auerbach landete. Der Audi lief voll, die schwer verletzten Insassen konnten sich nicht befreien und ertranken wohl. Rettungskräfte bargen die Opfer, die unter Reanimation zu Kliniken nach München und Rosenheim gebracht wurden. Eines der Unfallopfer verstarb in der Nacht, das andere am Mittwochmorgen.

Alarmierte Notärzte mussten bereits vom Tod der Opfer ausgehen

Die Unfallstelle war für die Einsatzkräfte schwierig zu erreichen. 

Das auf dem Dach liegende Auto wurde für sie zur tödlichen Falle. „Es war eine höchst dramatische Situation für die beiden“, sagt ein Sprecher der Bergwacht Bayrischzell. Die war mit den HVO (Helfer vor Ort) als Erstes vor Ort, um die Bergung einzuleiten. Um 21.50 Uhr wurden die Bergwacht Bayrischzell, BRK und FFW Miesbach sowie DLRG Tegernsee zum Einsatz gerufen. Der leitende Notarzt, Michael Bracht, berichtet: „Uns war da bereits klar, dass wir zwei leblose Personen antreffen.“ Zu lange lagen die beiden Unfallopfer im eiskalten Wasser. „Unter Wasser ist man innerhalb von Sekunden bewusstlos, in wenigen Minuten tritt der Tod ein“, sagt Bracht. Der Einsatz am vereisten Auerbach hat die Helfer erschüttert. Bracht sagt: „Es handelt sich um junge Opfer, es ist ein furchtbarer Unglücksfall. Da denkt man natürlich drüber nach.“ Einzig eine schnelle Bergung hätte helfen können. Passanten waren nach dem Unfall zwar schnell herbei geeilt – sie kamen jedoch nicht bis zu den Opfern durch.

Anwohner über Parkplatz: „Letztes Jahr gab es einige Speed-Konzerte“

Die Unfallstelle war für die Einsatzkräfte schwierig zu erreichen. Mit der Winde einer Pistenraupe wurde der Audi aus dem Wasser gezogen. 

Der große Parkplatz beim Waldkopflift in Oberaudorf ist nur zehn Fahrminuten entfernt und ein beliebter Ort für Drift-Versuche. Ein Anwohner berichtet: „Letztes Jahr gab es einige Speed-Konzerte. Ich weiß nicht, wo die Fahrer her kommen.“ Zurechtweisen wolle er sie nicht. „Jeder weiß selbst, wie weit er gehen darf. Diese Exzesse werden aber immer mehr.“

Eine Pistenraupe des nahe gelegenen Waldkopflifts am Sudelfeld zog den Audi schließlich per Winde und mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Auerbach. 73 Einsatzkräfte der Bergwacht, Feuerwehr und Wasserwacht waren dafür im Einsatz. „Die Koordinierung der vielen Einsatzkräfte hat in diesem schwierigen Gebiet hervorragend funktioniert“, sagt der organisatorische Einsatzleitern vom BRK, Christof Vornberger. Auch ein nachtflugtauglicher Rettungshubschrauber aus Regensburg war im Einsatz. Obwohl die Organisation gut lief, hatten die Helfer keine Chance – sie hätten bereits nach wenigen Minuten am Einsatzort sein müssen.

Taucher suchten einen möglichen dritten Insassen

Auf den Weg zum Unfallort hatten sich auch Rettungstaucher gemacht. Nachdem das Auto geborgen war, wollten diese die Anfahrt bereits abbrechen – dann aber gab es Spekulationen um ein drittes Unfallopfer. Keiner der Einsatzkräfte vor Ort konnte sich nämlich erklären, warum die Heckscheibe des Fahrzeugs durchbrochen war. Matthias Schnitzbauer von der DLRG Tegernsee, Einsatzleiter für die Wasserrettung, berichtet: „Wir wussten nicht, ob das bei der Rettung passiert ist oder ein dritter Insasse von der Rückbank aus dem Auto geschleudert wurde oder sich selbst befreit hat.“ Zwei Taucher stiegen in das Wasser. Die Nacht, die Kälte, das Eis und die geringe Sichtweite in dem Bach erschwerten den Einsatz. 

Bürgermeister: „Bei uns herrscht tiefe Trauer und Betroffenheit“

Die Möglichkeit einer schnellen Rettung gab es nicht mehr – schließlich hatten alleine die Taucher der DLRG Tegernsee 40 Kilometer Anfahrt. „Uns war klar, dass die Chance auf ein Überleben sehr gering wäre“, sagt Schnitzbauer. Bei minus drei Grad Außen- und vier Grad Wassertemperatur mussten die Taucher abwechselnd suchen, damit die Atemgeräte nicht vereisen. Bei der dreißigminütigen Suche fanden sie keine dritte Person. Als die Taucher gegen Mitternacht aus dem Wasser kommen, ist der Einsatz beendet. „Da haben wir uns entschieden, den Einsatz abzubrechen, um unsere Einsatzkräfte nicht weiter zu gefährden“, sagt Schnitzbauer.

In der Heimatgemeinde der beiden Opfer, Thiersee im Bezirk Kufstein, hat die Nachricht für Entsetzen gesorgt. „Bei uns herrscht tiefe Trauer und Betroffenheit“, sagte Bürgermeister Hannes Juffinger. „Als die ersten Informationen über den Unfall auf Facebook auftauchten, haben wir noch gehofft, dass sich das alles nicht bewahrheitet.“

Audi stürzt in Bach: Zwei Tiroler (20 und 21 Jahre) sind tot

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