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In diesem Haus hatten Mitbewohner eine Babyleiche in einer Plastiktüte auf einem Balkon entdeckt.

Zwei tote Babys: Mutter vor Gericht

Haar/Neuried - Sie soll zwei ihrer Kinder getötet haben. Dafür muss sich eine Einzelhandelskauffrau (39) aus Haar im Landkreis München ab Donnerstag vor dem Schwurgericht München I verantworten.

Die Tat erschütterte voriges Jahr ganz Haar (Landkreis München). Untermieter fanden beim Entrümpeln eines Balkons am Jagdfeldring eine Plastiktüte, in der die mumifizierte Leiche eines Säuglings lag. Ein anonymer Hinweis bei der Polizei führte zu einer Hausdurchsuchung, bei der die Mordkommission die kleine Leiche schließlich fand. Die Mutter (39) hatte das Baby drei Monate zuvor heimlich geboren und angeblich solange im Badewasser liegen lassen, bis es starb.

Kurz nachdem die Polizei die Kindsleiche entdeckt hatte, gestand die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, dass sie bereits 1995 ein Kind umgebracht hatte. Seit April sitzt sie im Gefängnis. Ab Donnerstag steht sie vor dem Landgericht München I. Das Schwurgericht hat sieben Verhandlungstage angesetzt.

Die erste Tat soll im Oktober 1995 passiert sein. Die Frau, damals 25, war im achten oder neunten Monat schwanger, verheimlichte das jedoch. Denn die Einzelhandelskauffrau war verheiratet, ihr Mann aber nicht der Vater des Kindes. Laut Staatsanwaltschaft wollte sie das Kind nicht haben und es gleich nach der Geburt töten.

Die Ermittlungen ergaben, dass sie das Kind allein im Badezimmer ihrer Wohnung in Neuried (Landkreis München) zur Welt brachte. Sie soll das Mädchen bei der Geburt in die Toilette fallen haben lassen. Erst nach einigen Minuten habe sie es herausgeholt und zum Sterben in ihrer Wohnung abgelegt.

Der zweite Fall soll sich am 5. Januar 2009 zugetragen haben. Als die schwangere Frau Wehen verspürte, ließ sie sich ein Bad ein und brachte in der Badewanne ihrer Wohnung in Haar einen Buben zur Welt. Laut Anklage wollte sie auch dieses Kind nicht haben. Darum habe sie den Kleinen im Badewasser liegen lassen und ihren Blick abgewandt. Der Bub starb. Die Mutter soll ihn dann in eine Plastiktüte gepackt und hinter anderen Tüten auf dem Balkon versteckt haben.

Nun lautet die Anklage im ersten Fall auf Kindstötung, im zweiten Fall auf Totschlag durch Unterlassen. Für den Fall von 1995 gilt nämlich der damalige Paragraph 217 des Strafgesetzbuchs. Dieser gestand einer Mutter, die ihr nichteheliches Kind tötete, einen gewissen Strafrabatt gegenüber anderen Arten des Totschlags zu: drei Jahre Mindeststrafe statt fünf Jahre. Dieser Paragraf 217 wurde 1998 abgeschafft. Deshalb klagt die Staatsanwaltschaft im Fall aus dem Jahr 2009 einen Totschlag durch Unterlassen an.

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