Zweieinhalb Jahre Knast für Julias Todesfahrer

Kaikenried - Am 7. September 2009 wurde die 13-jährige Julia von einem stockbesoffenen Autofahrer über den Haufen gefahren. Jetzt stand der Todesfahrer dafür in Viechtach vor Gericht.

Julia war voller Energie und Lebensfreude, die ganze Welt stand der 13-jährigen Schülerin aus Kaikenried (Kreis Regen) offen – bis zum 7. September 2009. An jenem Tag wurde das hübsche Mädl von einem stockbesoffenen Autofahrer über den Haufen gefahren. Jetzt stand der Todesfahrer dafür in Viechtach vor Gericht. Das Urteil für den 28-jährigen Stefan W.: Zweieinhalb Jahre Knast wegen fahrlässiger Tötung. Sein Anwalt hatte eine Bewährungsstrafe gefordert.

Es waren wunderbare Stunden, die Julia an ihrem Todestag noch erlebte, ehe die Tragödie ihren Lauf nahm. Gemeinsam mit ihrer Clique hatte sie den ganzen Abend über an einem nahen Weiher gefeiert. Felix, ein Freund aus der Nachbarschaft, war 15 geworden und an jenem Tag zum ersten Mal mit dem Mofa unterwegs.

Als sich die Gruppe gegen 21.45 Uhr auf den Weg nach Hause macht, fährt Felix vorraus – mit Julia auf dem Gepäckträger. Das Duo genießt den lauen Fahrtwind, dann taucht hinter ihnen ein VW-Bus auf. Aber was macht der Fahrer nur? Er überholt zwei Mofas, obwohl ihm ein Auto entgegenkommt. Geistesgegenwärtig weicht dessen Fahrer auf den Straßenrand aus und trotzdem kommt es zur Katastrophe. Denn Stefan W. zieht zu früh nach rechts und knallt ungebremst auf das Mofa von Felix.

Während der 15-Jährige auf die Straße stürzt, wird Julia samt Mofa mitgeschleift. Sie erliegt schließlich im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Und Stefan W.? Der ist sturzbetrunken, kriegt von dem Crash gar nichts mit. Ein Gutachter stellt später fest, dass er mit zwei bis 2,3 Promille unterwegs war. Erst nach unendlich langen 30 Sekunden bremst er das Fahrzeug ab, weil er ein „Ruckeln“ spürte, wie er im Prozess berichtet. Immerhin kann er per Handy noch die Polizei alarmieren. Doch als Julias Vater am Unfallort eintrifft – die Freunde haben ihn alarmiert – hat der Todesfahrer nur eine Sorge: „Jetzt nehmen’s mir auch noch den Führerschein.“

Die 14 Monate bis zum Prozess waren für Julias Eltern kaum erträglich. Nicht nur, dass sie den Tod ihrer geliebten Tochter kaum verwinden können, beinahe jeden Tag lief ihnen der Todesfahrer über den Weg. Denn der arbeitete nicht nur in derselben Fabrik wie Julias Vater, sondern sogar in derselben Schicht. Inzwischen wurde er zwar gefeuert, aber Julias Eltern waren trotzdem permanent mit ihm konfrontiert, da er direkt in der Nachbarschaft wohnt.

Julia hatte am 7. September 2009 leider keinen Schutzengel – aber sie war selbst einer, wie ein Gutachter beim Prozess ausführte. Denn „Felix hat nur überlebt, weil Julia hinter ihm saß“.

WdP

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