Schulpolitik

Ärger wegen Reform des Gymnasiums

München - Bei der geplanten Reform des Gymnasiums prallen die Meinungen hart aufeinander. Während sich in der CSU die Stimmen für den Fortbestand des G8 mehren, plädiert der DGB für umfangreiche pädagogische Korrekturen – im G9.

Nun also auch der Gewerkschaftsbund: DGB und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wollen heute ihre Forderungen zur „Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums“ vorstellen. Die GEW argumentiert gelegentlich ideologisch, in diesem Fall aber pragmatisch. Sie will nicht Strukturen ändern, sondern pädagogische Inhalte. „Eine grundlegende Diskussion über die Bildungs- und Lerninhalte, die seit der Einführung der Kollegstufe an bayerischen Gymnasien 1977 nicht mehr stattgefunden hat, ist endlich zu führen“, heißt es in dem Positionspapier, das unserer Zeitung vorliegt. An mehreren Stellen sieht die GEW Änderungsbedarf:

-Das Übertrittsverfahren nach der 4. Klasse müsse abgeschafft werden.

-Die 2. Fremdsprache in der 6. Klasse kommt zu früh, argumentieren die Pädagogen des DGB. „Die Einführung der 2. Fremdsprache wird wieder in die 7. Jahrgangsstufe verlegt“, so ihr Vorschlag.

-Für die Unterstufe wird eine Klassenleiterstunde in der 5. und 6. Jahrgangsstufe gefordert, die auch für die pädagogische Arbeit reserviert werden müsse.

-In der Mittelstufe werde die Stundentafel „durch die große Anzahl der Fächer, die in geringer Stundenzahl gelehrt werden, überfrachtet“. Das blockiere die Schüler und provoziere ein „Gefühl der Überforderung“.

-Mehr Sport: „Zusätzlich zum regulären Sportunterricht werden in allen Unterstufenjahrgängen wöchentlich zwei Stunden Sport am Nachmittag angeboten.“

Explizit zur Länge des Gymnasiums nehmen DGB und GEW gar nicht Stellung. Jedoch scheint an mehreren Stellen des Positionspapiers durch, dass die Verfasser von einem neunjährigen Gymnasium ausgehen.

Genau entgegengesetzt argumentiert wie berichtet der CSU-Arbeitskreis „Schule, Bildung und Sport“, der grundsätzlich für das G8 ist. Ex-Realschul-Verbandschef Peter Peltzer, der das Papier entwarf, verteidigte die vorgeschlagenen Einführungsklassen (nach der 10. Jahrgangsstufe) gegenüber der Kritik, die die Freien Wähler geübt hatten. In Einführungsklassen, in denen schwächere Gymnasiasten ein Jahr mehr Zeit bekommen würden, blieben die Schüler im Klassenverband. „Das ist das Wichtigste“, sagt Peltzer. Das sei der große Vorteil gegenüber dem bisherigen Flexi-Jahr, das in der Tat nur einzelne Schüler nutzten. Trotzdem gibt es auch Kritik am Vorgehen – das Papier hätte mit allen Mitgliedern besprochen werden müssen, heißt es.

Noch einen Schritt weiter als der AK Schule geht die Schüler Union (SU), eine in der Bildungspolitik weitgehend einflusslose Schülerorganisation, die der CSU zuzurechnen ist. Sie sprach sich gestern in einem Positionspapier dezidiert für den Erhalt des G8 aus. Insgesamt will die SU das Gymnasium, etwa bei den Übertrittsanforderungen, eher „verschärfen“ – so der Originalbegriff im Papier. An einer Stelle haben die Nachwuchspolitiker einen originellen Vorschlag: Sie wollen staatlich finanzierte Nachhilfe. „Der Staat finanziert für jeden Schüler eine Stunde wöchentlich Nachhilfe“, heißt es. „Werden mehr Stunden benötigt, ist eine Kostenpauschale für das zweite Fach zu entrichten.“

Die Vorschläge schießen im Vorfeld des G9-Volksentscheids (ab 3. Juli) also langsam ins Kraut. Und die Fortsetzung folgt: Am Donnerstag ist im Landtag ein dreistündiges Expertengespräch angesetzt – 13 Personen, vom Schülersprecher bis zum Studiendirektor, sollen zu Wort kommen. Zu erwarten ist eine ganze Phalanx von Einzelmeinungen. Eine Bündelung zu dem einen großen Konzept ist noch nicht erkennbar.

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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