240 Kandidaten, acht Listen: Starnbergs Wahlleiterin Christina Kubach und ihr Stellvertreter Thomas Baumgartner mit dem Stimmzettel für den 19. April. Foto: SvJ

Zweiter Anlauf nach Wahldebakel

Starnberg - In Starnberg wird am 19. April ein neuer Stadtrat gewählt. Mit gerade 27 Jahren hat Wahlleiterin Christina Kubach die Aufgabe, ein Auszählungsdesaster wie vor einem Jahr zu verhindern und den teils überbordenden Wahlkampf im Zaum zu halten.

Christina Kubach hat einen undankbaren, anstrengenden Job. Die 27-Jährige organisiert seit Wochen als Wahlleiterin die Neuwahl des Starnberger Stadtrats am 19. April und muss eine Wiederholung dessen verhindern, was als Wahl-Desaster in die Geschichte der Stadt eingehen dürfte. Die Auszählung am 16. März 2014 ging so gründlich daneben, dass das Landratsamt die Wahl für ungültig erklärte.

Die Stadtpolitik in Starnberg ist ein Kapitel für sich. Acht Parteien und Gruppierungen saßen im alten Stadtrat, je vier bilden einen Block – die einen sind für den genehmigten, aber nicht finanzierten B 2-Tunnel unter Starnberg , die anderen für eine Umgehungsstraße, für die es mehrere, mehr oder minder konkret geplante Trassen gibt. Seit mehr als zehn Jahren bestimmt dieses eine Thema die Wahlkämpfe, die mit harten Bandagen und hunderten Bannern geführt werden. Ergebnis: eine bis in die Familien hinein gespaltene Stadt, in der viele die Lust auf Kommunalpolitik verloren haben. Das Wahl-Desaster hatte jedoch andere Ursachen.

Bis 16. März 2014 war wahltechnisch noch alles in Ordnung. Erst zwei Tage später kam ans Licht, wie fehlerhaft die Auszählung war. Erst fehlten wegen eines falsch eingestellten Computerprogramms und der Verwirrung einiger – wie das Landratsamt später feststellte – nicht ausreichend geschulter Wahlhelfer insgesamt 8500 Stimmen, umgerechnet also die Stimmzettel von fast 300 Wählern. Ein Teil wurde nachgezählt, ein Teil mit einem Software-Programm korrigiert. Dieser Fehler schien behoben, war aber erst der Anfang. In den Wochen danach kamen immer mehr Probleme an die Öffentlichkeit. Mehrere Anfechtungen, zumeist aus dem Umfahrungslager, wurden eingereicht. Man fühlte sich um die erwartete Mehrheit gebracht, zumal deren Bürgermeisterkandidatin Eva John deutlich gewonnen hatte. Dass das die gesamte Wahl kippen würde, erwartete niemand. Das Landratsamt brauchte Monate, bis es halbwegs durchblickte. Nachzählungen in einigen Stimmbezirken ergaben, dass die Sitzverteilung im Rat in der Tat nicht stimmte. Diese Feststellung blieb ohne Wirkung, weil im selben Atemzug das Landratsamt die komplette Wahl für ungültig erklärte.

Bei seinen Prüfungen fand die Kreisbehörde in einigen Stimmbezirken mehr Stimmzettel als es laut Liste Wähler gab, in anderen fehlten Stimmzettel. Acht waren es am Ende, deren Verbleib oder Herkunft trotz Befragungen der Wahlvorstände, trotz Nachrechnens und Nachzählens nicht geklärt werden konnten. Acht mit insgesamt 240 Stimmen, von denen nicht ermittelt werden konnte, für wen sie abgegeben worden waren. Nachdem der Abstand zwischen zwei Gruppierungen weniger als 100 Stimmen betrug, um einen Sitz mehr zu bekommen, hätten diese 240 Stimmen die Mehrheitsverhältnisse ändern können. Also: Neuwahl.

Bei der darf nichts schiefgehen, will sich Starnberg nicht den Ruf einer Bananenrepublik einhandeln. Christina Kubach geht kein Risiko ein. Im Gegensatz zu früheren Wahlen gibt es keine aktiven Politiker oder Kandidaten in den Wahlvorständen – es sind vor allem Verwaltungsmitarbeiter. Die 180 Wahlhelfer werden geschult, bis sie die Regeln im Schlaf können: „Die Wahlhelfer gehen gut vorbereitet in ihr Amt“, ist Christina Kubach überzeugt. Anders als bei früheren Wahlen wird die Computertechnik von der Stadt gestellt, nicht mehr von den Helfern mitgebracht. Belastet der Druck der Vergangenheit? „Mein Wahlteam und ich machen das Beste daraus“, sagt sie. Schlaflose Nächte? „Noch nicht.“

Der neue Urnengang indes offenbart die alten Probleme: die Spaltung des politischen Starnberg. Der Wahlkampf ist eine Materialschlacht, der Stil ist nicht immer dem Ruf der Stadt zuträglich. Mehrfach musste sich die Rechtsaufsicht mit dem Wahlkampf befassen. Etwa, ob die Gruppierung von Bürgermeisterin Eva John mit deren Bild werben darf, oder ob der CSU-Landrat an Wahlveranstaltungen seiner Partei in Starnberg teilnehmen darf. Erschwert der harte Wahlkampf den Wahlleiter-Job? „Leichter macht er meine Arbeit jedenfalls nicht. In Streitigkeiten zwischen den Parteien mischen wir uns nicht ein.“

Die Neuwahl kostet rund 100 000 Euro. Bisher haben mehr als 4300 Briefwahl beantragt, was auf akzeptable Wahlbeteiligung schließen lässt. Der 19. April wird für Christina Kubach ein langer Tag, egal, wie viele wählen. „Ich werde ab 7.30 Uhr im Rathaus sein und am Vormittag mit der Bürgermeisterin alle Wahllokale besuchen. Nach Hause darf ich, wenn alle Wahllokale ausgezählt und alle Ergebnisse eingelesen wurden. Hoffentlich vor Mitternacht....“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Oma stirbt im Auto vor den Augen der zehnjährigen Enkelin
Vor den Augen ihrer zehnjährigen Enkelin auf dem Auto-Rücksitz ist in Niederbayern eine 78-Jährige tödlich verunglückt. Die beiden waren zusammen mit dem Großvater auf …
Oma stirbt im Auto vor den Augen der zehnjährigen Enkelin
Kurioser Hype: Darum grillen Bayerns Vereine plötzlich in eiskaltem Wasser
Grill einheizen, Kamera an und ab ins eisige Wasser: In Bayern breitet sich ein neuer Internet-Hype aus, dem sich Vereine nur schwer entziehen können. Derzeit werden sie …
Kurioser Hype: Darum grillen Bayerns Vereine plötzlich in eiskaltem Wasser
Er spritzte Gaffer mit Wasser ab - jetzt macht er etwas völlig Unerwartetes
Viele feierten den Feuerwehrmann Rudi H., der auf der A3 Gaffer mit Wasser abspritzte, als Helden. Nun hat er wieder etwas getan, das man so gar nicht erwartet hätte - …
Er spritzte Gaffer mit Wasser ab - jetzt macht er etwas völlig Unerwartetes
Darum ist die Region Freising ein wahres Mekka für Autodiebe
Eine Freisinger Familie erlebt eines Morgens eine böse Überraschung: Ihr teurer Audi A6 ist weg. Gestohlen. Von der Polizei erfährt sie, dass mehr dahinter steckt als …
Darum ist die Region Freising ein wahres Mekka für Autodiebe

Kommentare