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Sudelfeld: Ein zweiter Wolf im Revier?

Bayrischzell/Thiersee - Seit fast einem Jahr streift ein Wolf durch das Sudelfeld und die angrenzende Region. Immer wieder werden Kadaver gerissener Schafe gefunden. Neue Labor-Untersuchungen sollen helfen, auf die Spur des Jägers zu kommen.

Alles begann Ende Dezember 2009. Damals entdeckten Berufsjäger bei Brannenburg (Kreis Rosenheim) eine frisch gerissene Hirschkuh. Sofort hatten sie einen Wolf in Verdacht. Die Bissspuren wurden gesichert und in ein Labor in Lausanne (Schweiz) geschickt. Und tatsächlich: Es ist ein Wolf, er ist männlich und er kommt aus der Schweiz, stellten die Experten fest.

Seitdem fielen zahlreiche Tiere dem Raubtier zum Opfer. Auf der bayerischen Seite der Grenzregion - in der Nähe der Rotwand - wurden mindestens 13 gerissene Schafe gefunden. Sechs davon tötete mit Sicherheit ein Wolf, berichtet Thomas Henschel vom Landesamt für Umwelt (LfU). Sieben weitere Bissspuren werden derzeit noch untersucht, doch auch hier deute alles auf einen Wolf hin.

So auch bei einem aktuellen Fall in Tirol: Ein Züchter hatte 47 Schafe auf die Bärenbadalm bei Thiersee getrieben. Als er seine Tiere Anfang August wieder ins Tal bringen wollte, waren nur noch 20 Schafe übrig. Was mit den restlichen 27 geschehen ist, weiß kein Mensch.

Auch von der nahe gelegenen Wildenkaralm verschwanden fünf Schafe. Ein sechstes Tier starb, kurz nachdem der Besitzer es schwerverletzt gefunden hatte. Wieder schickte man Spuren an die Experten in Lausanne. Und am Donnerstagabend lautete das Ergebnis: Ein Wolf hat zugebissen.

Das Raubtier soll aus einer Population in den Abruzzen stammen. Der Wolf ist also ein Italiener. Das Tier, das seit Dezember im Raum Bayrischzell und Tatzelwurm wildert, war aus Graubünden in der Schweiz zugewandert. Ist das ein Indiz, dass sogar zwei Räuber durch die Region streifen?

LfU-Sprecher Thomas Henschel vermutet, dass es sich um ein und dasselbe Tier handelt - einen zweieinhalbjährigen Rüden. Der Tierschutzombudsmann und Bärenbeauftragter des Landes Tirol, Martin Janovsky, denkt ähnlich: „Die Wölfe, die in der Schweiz, in Frankreich und Italien unterwegs sind, haben alle ihren Ursprung in den Abruzzen.“ Der bayerische Wolf könnte also einfach zurück über die Grenze gestreift sein, um in Tirol zuzuschlagen. Oder auch nicht. Die Experten können nicht ausschließen, dass es sich am Ende doch um zwei Tiere handelt. „Genaueres über die Identität wissen wir erst, wenn ein weiteres DNA-Ergebnis vorliegt“, räumt Janovsky ein. Dieses dürfte es in spätestens drei Wochen geben.

So oder so - die Nachweise von Wölfen häufen sich. Deswegen rufen die Österreicher jetzt nach einer „abgestimmten Strategie hinsichtlich der Rückkehr der Beutegreifer in unseren Lebensraum“, so Landesrat Anton Steixner.

Das bayerische Landesamt für Landwirtschaft (LfL) rät unterdessen, die Schafherden besser zu schützen. Elektrische Zäune, Schäfer und Herdenhunde seien ein wirksamer Schutz gegen Wölfe, sagt LfL-Sprecherin Sabine Weindl. Denn der Abschuss der prächtigen und scheuen Raubtiere ist streng verboten.

Thomas Schmidt / Markus Christiandl

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