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Die Zwillinge Leon und Luis sind gerade zwei Jahre alt – und haben Leukämie. Mit ihren Eltern Sabine und Helmut Weikenstorfer kämpfen sie gegen die Krankheit.

„Der Plan vom Glück ist dahin“

Zwillinge Leon und Luis kämpfen gegen Leukämie

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Egenburg - Leon und Luis sind kleine Kämpfer: Fast täglich sind die Zwillinge im Krankenhaus, immer wieder müssen sie Chemotherapien über sich ergehen lassen. Die beiden zwei Jahre alten Buben haben Leukämie.

Die Kugelschreiber der Ärzte sind schon lange nicht mehr sicher. Sind ja auch faszinierende Stifte. Super zum Malen und ein ganz tolles Spielzeug, finden Leon und Luis. Die Zwillinge aus Egenburg (Kreis Dachau) sind gerade zwei Jahre alt geworden. Zwei aufgeweckte Buben, die neugierig sind, das Leben zu entdecken. Dabei haben es die beiden nicht leicht. Denn Leon und Luis haben Leukämie. Es war im Sommer, als ihre Eltern Sabine und Helmut Weikenstorfer die Schockdiagnose bekamen. „Uns wurde komplett der Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt Sabine Weikenstorfer. „Der ganze Plan vom Glück ist dahin.“

Bis Juli ist die Welt der Familie noch in Ordnung. Vater Helmut arbeitet als Lagerist, Mutter Sabine als Sachbearbeiterin, Leon und Luis gehen in die Krippe. An einem Tag hat Luis einen Streit mit einem Mädchen aus der Krippe. Er ist aufgeregt und setzt sich hin. Plötzlich verdreht er die Augen und ist für kurze Zeit nicht mehr ansprechbar. Die Eltern gehen mit ihrem Sohn zum Arzt, rein vorsorglich. An eine schlimme Krankheit denkt niemand.

Weil Luis schon seit einiger Zeit etwas blass gewesen ist, nimmt der Arzt ihm Blut ab. Eine Entscheidung, die vielleicht das Leben des Buben gerettet hat. Denn die Werte sind schlecht. Bald steht fest: Luis hat Blutkrebs. Der Bub kommt ins Schwabinger Kinderkrankenhaus, die Chemotherapie beginnt. Die Eltern können nicht mehr arbeiten, sie pendeln zwischen Egenburg und dem Krankenhaus in München. 33 Tage wird Luis isoliert. Nicht mal seinen Zwillings-Bruder darf er sehen, nur Mama und Papa dürfen bleiben.

Und natürlich Hasi, Luis’ Lieblingskuschelhase. In seinem Gitterbettchen sitzen noch mehr Kuscheltiere, auch Spielzeug gibt es im Krankenhaus. Doch für Luis ist die Zeit im Isolierzimmer anstrengend. Jeden Tag bekommt er Chemotherapie, er vermisst seinen Bruder. Im Zimmer ist es stickig und heiß – draußen hat es fast 40 Grad. Damit keine Bakterien ins Zimmer gelangen, darf das Fenster nur drei Mal am Tag geöffnet werden. „Es war eine körperliche und eine psychische Belastung“, sagt Helmut Weikenstorfer. Luis hält tapfer durch.

Am 14. August darf er endlich nach Hause. Es ist ein Freitag, das erste freie Wochenende für die Familie. Genießen können es die vier nicht. Denn am Tag zuvor haben die Ärzte vorsorglich auch bei Leon das Blut kontrolliert – und wieder schlechte Werte festgestellt. „Ich habe gleich ein ungutes Gefühl gehabt“, erinnert sich Sabine Weikenstorfer. Ihre Ahnung sollte sie nicht trügen: Auch Leon hat Leukämie. Auch er muss in die Schwabinger Kinderklinik, auch er bekommt Chemotherapie, auch er muss 33 Tage isoliert werden. Der Albtraum fängt von vorne an.

Während Leon isoliert wird, muss Luis in die Tagesklinik: Seine Chemotherapie wird fortgesetzt, die Blutwerte müssen kontrolliert werden. Eine Elterninitiative für krebskranke Kinder vermittelt der Familie eine Wohnung in der Nähe des Krankenhaus. „Eine Übergangslösung“, sagt Helmut Weikenstorfer. Die Kinder sollen sich trotzdem ein wenig zu Hause fühlen: An den Wänden hängen Eulenbilder, im Bett liegen Kuscheltiere, am Boden stehen eine große Kiste mit Bauklötzen und zwei Spielzeugbagger. Mit Laufrädern düsen Leon und Luis durch die Wohnung.

Während die Zwillinge herumtoben, lassen Sabine und Helmut Weikenstorfer sie nicht aus den Augen. Sie müssen vorsichtig sein. Ein aufgeschlagenes Knie, eine kleine Beule am Kopf, eine kleine Wunde: Was für andere Kinder harmlos ist, kann bei Leon und Luis die Therapie verzögern. Das Immunsystem der beiden ist angegriffen. Auf dem Spielplatz toben, mit anderen Kindern spielen oder ohne Mundschutz einkaufen gehen, das alles geht nicht. Zu groß wäre die Gefahr, dass die Buben krank werden. „Wir sitzen auf einem Pulverfass“, sagt Sabine Weikenstorfer.

Mehrmals in der Woche werden die Blutwerte der Buben kontrolliert. Sind sie zu schlecht, brauchen sie eine Bluttransfusion. Das kann Stunden dauern und ist unangenehm für Leon und Luis. Die beiden bekommen außerdem weiter Chemotherapie, manchmal ambulant, manchmal stationär. Die Ärzte sind optimistisch, die Behandlung scheint bei beiden zu wirken. Zwei Jahre soll die Therapie dauern. Die Eltern hoffen, dass die Zwillinge dann geheilt sind. „Die Heilungschancen sind mittlerweile gut“, sagt Helmut Weikenstorfer. „Von unserem alten Leben ist nichts mehr übrig, wir hoffen wirklich, dass es irgendwann wieder wird wie früher.“

Leon und Luis sind jedenfalls kleine Kämpfer. Ihr Vater sagt: „Sie haben eine riesengroße Tapferkeitsmedaille verdient.“ Geduldig lassen sie alles über sich ergehen. Angst vor dem Krankenhaus haben sie nicht. Sie kennen schon alle Ärzte, Schwestern und Pfleger, erzählt der Papa: „Sie sind immer gut drauf, spielen und machen Gaudi“ – oder klauen den Ärzten den Stifte.

Für finanzielle Hilfe

ist die Familie dankbar. Ein Spendenkonto ist bei der Sparkasse Mammendorf eingerichtet. Inhaber: Leon und Luis Weikenstorfer; IBAN: DE49 7005 3070 0031 8823 76 Außerdem existiert eine Facebook-Gruppe unter dem Titel: „Wer hilft mit? Spende für Leon und Luis“.

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