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Adeles Album "25" wird ab Freitag verkauft.

Kritik

So schön ist das neue Album "25" von Adele

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München - Um Adele war es die letzten Jahre still geworden. Doch nun meldet sich die Sängerin mit ihrem neuen Album "25" zurück, das am Freitag erscheint. Wir haben schon mal hineingehört. Eine Kritik.

Als Adele zehn Jahre alt war, starb ihr Großvater. „Ich habe ihn so sehr geliebt, mehr als ich die ganze Welt geliebt habe. Und so beschloss ich, Herzchirurgin zu werden. Ich wollte die Herzen der Menschen heilen.“ Der Berufswunsch erfüllte sich nicht, das kleine Mädchen wurde eine große Sängerin. Und doch: Es hat funktioniert, das mit den Herzen. „Als ich meiner Mutter zum ersten Mal ‚Someone like You‘ vorgespielt habe, weinte sie, und sagte: ‚Jetzt heilst Du die Herzen der Menschen.‘“ 

Es sind berührende Geschichten wie diese, von denen Adele erzählt, von denen Adele singt, die sie zur bedeutendsten, zur mitreißendsten Popsängerin des 21. Jahrhunderts machen. Am Freitag erscheint ihr drittes Studioalbum „25“, das erneut so herausragend gelungen ist, dass die Herzen ihrer Fans deutlich höher schlagen werden als gewohnt. Macht aber nichts, Adeles Musik bringt alles wieder in Ordnung.

Adele veröffentlicht neues Album: Eigentlich dürfte es 25 gar nicht geben

Eigentlich sollte es „25“ gar nicht geben, diese Platte, die vor allem die Briten herbeigesehnt haben wie ein royales Baby. Denn nach den rauschhaften ersten Jahren mit den Alben „19“ und „21“ hatte Adele mit dem Gedanken gespielt, mit der Musik Schluss zu machen. „Ich meine, das wäre ein Abschied auf hohem Niveau gewesen.“ Das kann man so stehen lassen. Zehn Grammys, 2013 dann auch noch der Oscar für ihre atemberaubende Bond-Ballade „Skyfall“, mit 27 bereits Member of the British Empire. Wie sollte es noch höher gehen für die vielleicht größte Musik-Diva seit Barbra Streisand und Bette Middler, die nur zufällig im Körper einer jungen Frau zu stecken scheint?

Fast fünf Jahre ließ sich Adele nach „21“ Zeit und entschuldigte sich dafür per Twitter (das sie nur selten und widerwillig nutzt): „Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Aber mir ist das Leben dazwischen gekommen.“ Genau genommen die Geburt ihres Sohns Angelo Ende 2012, die ersten Jahre als Mama. „Es ist verdammt hart – und es ist phänomenal“, resümiert sie jetzt in einem Gespräch mit dem britischen Magazin i-D, in dem ihre Antworten vor Selbstironie und britischem Humor nur so funkeln. Wunderbar, wie sie über die Golden Globes spöttelt: „Die Hollywood-Typen haben getrunken und getrunken. Und wessen Hand hielt ich plötzlich? Die von George Fucking Clooney.“ Madame sagt gerne und oft „Fuck“. Einmal Working Class aus Tottenham, immer Working Class aus Tottenham. Von wegen ätherisch entrückt.

Adele 25: Album mit vielen Kronjuwelen

Eine „verdammte“ Schreibblockade hatte sie auch noch zu überstehen, doch Söhnchen Angelo motivierte Adele, zur Musik zurückzukehren: „Er sollte schließlich mitbekommen, was seine Mutter beruflich so treibt.“ Und die Fans, so viel steht fest, müssen dem kleinen Mann dankbar sein, dass er „25“ offenbar bestens inspiriert hat. Bereits das Video zur ersten Single „Hello“, einem Balladen-Traum, der sogar ohne Bilder sepiafarben klingt, brachte das Internet bei der Premiere an den Rand seiner Kapazitäten.

Und „Hello“ ist beileibe nicht das alleinige Kronjuwel des Albums, das einmal mehr nach dem Alter benannt ist, in dem Adele die meisten Stücke geschrieben hat. In der mitreißenden Pianoballade „All I Ask“, komponiert zusammen mit Bruno Mars, singt sich Adele die Seele aus dem Leib wie nie zuvor. Das spukige „I Miss You“ dreht sich unverhohlen um Sex, und bei „River Lea“ feiert Phil Spectors „Wall of Sound“ fröhliche Urständ. „Sweetest Devotion“ zeigt eine folkige, beschwingte Adele. Und „Send ny Love (to your New Lover)“ ist allen Ernstes ein federleichter Popsong mit Karibik-Feeling, den Adele zusammen mit der schwedischen Hitmaschine Max Martin ausgeheckt hat.

Der Soul, Aretha und Amy, sind ein Stück zur Seite gerückt. Sie machen Platz für schillernden Pop wie aus den 70ern, als wären Fleetwood Mac und die Carpenters zurück. Das neue Gewand steht Adele prächtig. Diese Frau kann alles tragen.

Und weil sich diese Frau auch alles leisten kann, gibt sie ihr Album nicht bei Spotify und Apple Music frei: "25" kann nicht bei Straemingdiensten angehört werden.

Jörg Heinrich

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