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"Adieu" nach 10 Jahren - Sabine Christiansens letzter Talk

Berlin: - Berlin - An diesem Sonntag ist es soweit: Um 21.45 Uhr tritt Sabine Christiansen nach fast 450 Sendungen zum letzten Mal zu ihrer ARD-Talkrunde an. Kaum eine andere Sendung hat im vergangenen Jahrzehnt das öffentliche Gespräch über Politik so stark geprägt wie "Sabine Christiansen". "Kanzlerdämmerung", "Reformdschungel" oder "Melkkuh Sozialstaat" - die Sonntagsdebatten lieferten die Stichworte für die Gespräche in Büros, Kantinen und Cafés am nächsten Morgen.

Mit der Mischung aus Politik und Unterhaltung verschaffte Christiansen dem "Politainment" einen festen Platz im Programm. Krise der Rentenkassen, Gefahren der Globalisierung oder Koalitions- Hickhack - nach Mord und Totschlag im "Tatort"-Krimi folgte zum Ausklang des Wochenendes Christiansens "Katastrophentalk", wie der Autor Walter van Rossum die Sendung nannte. Jeden Sonntag gehe es darum, Deutschland erst in Gefahr zu wiegen, um es anschließend zu retten, schrieb Rossum in seiner Polemik "Meine Sonntage mit "Sabine Christiansen" - Wie das Palaver uns regiert".

Christiansen, die als "Tagesthemen"-Moderatorin an der Seite des legendären Hanns Joachim Friedrichs erstmals einem großen Publikum bekannt wurde, hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass es ihr auch auf Show ankommt. "Wir haben uns immer bemüht, Politik und ihre Inhalte anschaulich und unterhaltsam einem großen Publikum nahe zu bringen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dafür habe sie eine "ansehnliche journalistische Arbeit" abgeliefert.

Wichtig war die Sendung auch für die Protagonisten der "Berliner Republik". Im Juli 2003 erklärte der CDU-Fraktionschef Friedrich Merz, die Sendung bestimme die politische Agenda mehr als der Bundestag. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sprach eher besorgt von einem "Ersatzparlament". So gaben sich Politiker von Regierung und Opposition in der Studiokugel die Klinke in die Hand. Spitzenreiter in der Gästerangliste ist der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle, der es auf 31 Auftritte brachte, gefolgt von seinem Parteikollegen Wolfgang Gerhardt (24) sowie dem einstigen SPD- Finanzminister Hans Eichel, Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Politologen Jürgen Falter (alle 23).

"Weil Politiker in den täglichen Nachrichtensendungen nur mit sehr knappen Statements zu Wort kommen, bieten "Sabine Christiansen" in der ARD oder "Maybrit Illner" im ZDF eine Bühne für etwas längere Aussagen", sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Christiane Eilders (Augsburg) das Interesse der Gäste am Polittalk. Aber: "Zuschauer schalten Talkshows nicht in erster Linie zur Meinungsbildung ein. Sie wollen bekannte Köpfe sehen, wollen sehen, wie die Politiker streiten und ob sich Christiansen durchsetzen kann." Für den Politikwissenschaftler Thomas Meyer (Dortmund) kam Christiansens Fragestil den Gästen entgegen. "Sie hat ihnen einen breiten Raum zur Selbstdarstellung gegeben. Christiansen war weder in der Lage noch willens, journalistische Ansprüche geltend zu machen."

Christiansen kontert: "Es macht keinen Sinn, eine Frage als knallhart zu bezeichnen, nur weil man sie dem Gegenüber ins Gesicht brüllt", verteidigte sie im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" ihre "höfliche" Gesprächsführung". Gegen Sprechblasen hat sie auch kein Rezept. "Wenn Sie zum zehnten Mal eine Frage stellen und es kommt immer noch die selbe nichts sagende Antwort - was wollen Sie dann tun?".

Oskar Lafontaine, George W. Bush oder Bill Gates - mit Promis erreichte Christiansen hohe Einschaltquoten. Im Durchschnitt sahen 2006 rund 3,6 Millionen Zuschauer jeden Sonntag zu. So löste Christiansen mit ihrer Rücktrittankündigung Schockwellen in der ARD aus. Streit um Sendeplätze und Gerüchte über Nachfolge-Kandidaten waren wochenlang in den Schlagzeilen. Als Günther Jauch der ARD einen Korb gab, entbrannte Streit. Der NDR gewann mit Anne Will das Rennen um die Nachfolge am Sonntag, mit Frank Plasbergs "Hart aber fair" konnte der WDR auch einen profilierten Talker im Ersten unterbringen.

Christiansen sieht ihren Abschied gelassen. "Letztlich war es nur Fernsehen, Sendungen kommen und Sendungen gehen", sagte die 49- Jährige der dpa. An der Seite ihres Lebensgefährten, des französischen Modeunternehmers Norbert Medus, will sie sich dem Privatleben und ihrer TV-Produktionsfirma widmen. Auf dem Nachrichtenkanal CNBC wird sie weiter auf Englisch "Global Players with Sabine Christiansen" moderieren. Doch auch das deutsche Publikum wird nicht ganz auf sie verzichten müssen. "2008 werden mich auch die ARD-Zuschauer wieder sehen. Allerdings nicht mehr mit einem regelmäßigen Format, sondern nur zu besonderen Anlässen", sagte Christiansen.

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