Ähnlichkeit mit Albert Einstein

- Köln - Eine gewisse Ähnlichkeit mit Albert Einstein lässt sich angesichts des Wuschelhaarschopfs und Schnauzbarts nicht absprechen. Und zumindest für den Wissenschaftsjournalismus im Fernsehen hat Jean Pütz tatsächlich so etwas wie den Stein der Weisen gefunden: Wissenschaftliche Themen allgemein verständlich darstellen, immer an den Nutzwert für die Zuschauer denken und das ganze dann mit einem Quäntchen Humor präsentieren.

<P>Das ist das Rezept für die "hobbythek", die vor 30 Jahren, kurz vor Weihnachten 1974, erstmals im dritten Fernsehprogramm des Westdeutschen Rundfunks (WDR) ausgestrahlt wurde. Zum Abschied rollt der WDR den roten Teppich aus, wenn er am 29. Dezember um 20.15 Uhr die "Abschiedsgala für Jean Pütz" ausstrahlt.</P><P>Wer von der "hobbythek" nur als einer Heimwerkersendung im Fernsehen spricht, liegt völlig falsch. Der Anspruch hinter der Sendung war politisch, denn sie war als Aufklärungssendung gedacht: "In einer Demokratie braucht man Menschen, die nicht einfach nur das machen, was man ihnen sagt, sondern auch Dinge hinterfragen und Zusammenhänge verstehen", sagt Pütz. Die "hobbythek" bezeichnet er daher auch als "trojanisches Steckenpferd", mit der die Vermittlung von Wissen in eine interessante, unterhaltsame Form verpackt war.</P><P>Mit diesem Anspruch sei er damals, in den siebziger Jahren, Außenseiter gewesen, sagt Pütz rückblickend. Andererseits passte er, der sich als bekennender 68er bezeichnet, mit der Sendung gut in die Zeit. Auf jeden Fall spiegelt das Konzept auch seinen eigenen Werdegang wieder. "Mir ist das alles nicht in die Wiege gelegt worden", sagt der gelernte Elektromechaniker-Geselle heute. Er habe Zeit seines Lebens immer einen großen Respekt vor der praktischen Vernunft der Handwerker gehabt. "Die verstehen mehr von den Naturwissenschaften, als sie sich selber eingestehen wollen."</P><P>Pütz wurde am 21. September 1936 in Köln geboren, wuchs aber in der luxemburgischen Moselstadt Remich auf. Es war ein langer Weg vom Elektriker zum Ingenieur und Lehrer. Am Ende kam er aber doch als Journalist beim WDR unter. Dort baute er in den siebziger Jahren die Fernseh-Redaktion Naturwissenschaft und Technik auf, die er teilweise auch leitete.</P><P>"Der Erfolg der "hobbythek" liegt zu einem großen Teil bei Jean Pütz selber", sagt seine ZDF-Kollegin Christiane Götz-Sobel, die die Sendung "Abenteuer Wissen" betreut. Die Zuschauer hätten es gemerkt, dass er immer Themen behandelt habe, die er mit Herz und Seele vertrat. "Und er hat Dinge aufgegriffen, die in den Alltag der Menschen hineingingen", betont die Journalistin. Gleich, ob es um das Selbermachen von Kosmetika ging oder um Umweltschutzthemen: "Mit den Sendungen war er dicht am Zuschauer dran und war damit auch Trendsetter für andere Journalisten."</P><P>Heute nehme der Einfluss von Firmen und PR auf Wissenschaftsjournalisten immer mehr zu, sagt Pütz. Die von ihm mitgegründete Wissenschaftspressekonferenz (WPK), in der mehr als 170 Journalisten organisiert sind, hat zu diesem Thema in diesem Jahr eine Umfrage unter ihren Mitgliedern gemacht. Das Ergebnis soll im nächsten Frühjahr veröffentlicht werden. "Die Versuchung, PR und Journalismus miteinander zu verquicken, hat aber zugenommen", sagt Volker Stollorz, der wie Götz-Sobel zum Vorstand der WPK gehört.</P><P>Auch wenn Jean Pütz nicht mehr die "hobbythek" moderiert, wird er doch auch in Zukunft noch im Fernsehen zu sehen sein. "Bei interessanten Angeboten sage ich nicht nein, aber zum Hanswurst mache ich mich nicht", betont Pütz, der zum Abschied von seiner Sendung das Buch "hobbythek - Das goldene Buch" (vgs Verlagsgesellschaft) herausgebracht hat. Was die "hobbythek" betrifft, so denkt man im WDR jedenfalls darüber nach, die Sendung fortzusetzen.</P>

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